Stellar hat am 17. September 2026 Protocol 28 aktiviert. Das Upgrade bringt unter anderem eine gebündelte Aktualisierung von Soroban-Smart-Contracts, Werkzeuge für Datenmigrationen und Änderungen an ausgewählten Abläufen im Konsens. Die Abstimmung über das Mainnet war einen Tag zuvor abgeschlossen worden.
Die Aktivierung fällt in eine Phase, in der Stablecoins, dezentrale Finanzanwendungen und die Tokenisierung realer Vermögenswerte auf Stellar weiter wachsen. Gleichzeitig erreichte das Netzwerk eine neue Marke bei der dauerhaft gemessenen Verarbeitung: Über 100 aufeinanderfolgende Blöcke lag der Durchschnitt bei mehr als 211 Transaktionen pro Sekunde (TPS). Das ist der bislang höchste anhaltende Wert des Netzwerks.
Die 211 TPS sind jedoch nicht unmittelbar als Leistungsgewinn durch Protocol 28 zu verstehen. Stellar schaltet parallel weiterhin schrittweise Funktionen für den parallelen Download von Transaktionssätzen frei. Protocol 28 soll vor allem die Infrastruktur bereitstellen, mit der das Netzwerk höhere Lasten und komplexere Anwendungen verwalten kann.
CAP-85 bündelt Aktualisierungen von Soroban-Contracts
CAP-85 richtet sich an Protokolle, die mehrere Instanzen desselben Smart Contracts betreiben. Entwickler können diese Contracts so konfigurieren, dass sie auf extern verwalteten ausführbaren Code verweisen. Wird diese gemeinsame Referenz geändert, können alle darauf basierenden Contracts in einem einzigen atomaren Vorgang auf den neuen Code umgestellt werden.
Für Anwendungen, die Sicherheitslücken beheben oder ihre Software migrieren müssen, kann dieser Mechanismus die Übergangsphase verkürzen, in der alte und neue Versionen parallel laufen. Bei herkömmlichen Verfahren können verschiedene Instanzen derselben Anwendung über längere Zeit unterschiedliche Codeversionen verwenden. Die neue Contract-Architektur ermöglicht es Entwicklern, den Wechsel zentraler zu koordinieren.
CAP-85 ist nicht verpflichtend. Bestehende Soroban-Anwendungen müssen selbst entscheiden, ob sie die Architektur übernehmen. Ob sich der operative Aufwand tatsächlich verringert, hängt daher auch davon ab, wie schnell die einzelnen Entwicklungsteams die Funktion integrieren und die Kompatibilität sicherstellen.
CAP-86 erleichtert die Migration von Contract-Daten
CAP-86 adressiert ein weiteres Problem länger laufender On-Chain-Anwendungen: Gespeicherte Datenstrukturen müssen sich im Laufe der Zeit häufig verändern. Die neue Sparse-Map-Funktion kann mit fehlenden oder neu hinzugefügten Feldern umgehen. Entwickler können Daten dadurch schrittweise migrieren, ohne dass jeder Datensatz sofort dem neuen Schema entsprechen muss.
Das ist besonders für Anwendungen mit großen Datenbeständen relevant. Wenn Contract-Felder erweitert oder Geschäftslogiken angepasst werden, kann die Migration eine erhebliche Zahl historischer Datensätze betreffen. CAP-86 erlaubt eine schrittweise Verwaltung solcher Änderungen. Für den konkreten Migrationsplan bleibt jedoch jedes Projekt selbst verantwortlich; bestehende Anwendungen werden nicht automatisch aktualisiert.
CAP-83 verändert Teile des Konsensablaufs
Protocol 28 enthält mit CAP-83 außerdem Änderungen auf der Konsensebene. Validatoren können nach dem neuen Design bestimmte Teile des Konsensprozesses fortsetzen, bevor ein Transaktionssatz vollständig eingetroffen ist. Zusätzlich erhält das Netzwerk Mechanismen, um verspätet eintreffende oder ungültige Transaktionssätze zu verwerfen.
Der parallele Download von Transaktionssätzen wird bei Stellar weiterhin ausgerollt. Deshalb lässt sich die Änderung am Konsens nicht direkt mit dem Rekordwert von 211 TPS gleichsetzen. Mit der weiteren Bereitstellung der Funktionen wird entscheidend sein, wie sich die Validatoren bei hoher Auslastung, verspäteten Transaktionssätzen und ungültigen Daten verhalten.
Stablecoin-Bestand nähert sich 884 Millionen Dollar
Das technische Upgrade erfolgt vor dem Hintergrund einer wachsenden Finanzaktivität auf der Stellar-Blockchain. Nach Daten von DeFiLlama stieg der Stablecoin-Bestand des Netzwerks im vergangenen Jahr auf knapp 884 Millionen Dollar. Damit gehört Stellar zu den Blockchains mit den größeren Beständen an dollarbezogenen digitalen Vermögenswerten.
Auch der Gesamtwert der in dezentralen Finanzanwendungen gebundenen Vermögenswerte (TVL) legte zunächst zu. Im August 2026 erreichte er vorübergehend rund 319 Millionen Dollar, bevor er auf etwa 294 Millionen Dollar zurückging. Veränderungen bei Stablecoin-Beständen und DeFi-TVL zeigen, dass sich die Kapitalnutzung im Netzwerk laufend verändert. Ob Protocol 28 die Wartung von Anwendungen erleichtert, wird daher maßgeblich von der späteren Übernahme durch Projekte und Nutzer abhängen.
Der Markt für tokenisierte reale Vermögenswerte ist auf Stellar noch größer. Token Terminal beziffert den Wert dieses RWA-Marktes auf rund 3,3 Milliarden Dollar. Innerhalb der vergangenen 30 Tage kamen demnach etwa 149,4 Millionen Dollar hinzu. Gemessen an diesem Wert ist Stellar die drittgrößte Blockchain für tokenisierte reale Vermögenswerte.
Für Anwendungen, die große Pools tokenisierter Vermögenswerte verwalten, können Code-Korrekturen, Contract-Upgrades und Änderungen an Datenstrukturen einen erheblichen Abstimmungsaufwand verursachen. CAP-85 und CAP-86 müssen sich nun in realen Anwendungsfällen rund um die Ausgabe und Verwaltung solcher Vermögenswerte bewähren. Erst dort wird sich zeigen, ob sie diesen Aufwand tatsächlich verringern.
XLM gibt Gewinne in Richtung 0,18 Dollar ab
Im Umfeld der Aktivierung von Protocol 28 legte XLM innerhalb von 24 Stunden um etwa 4 Prozent zu und erreichte kurzzeitig 0,1863 Dollar. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war der Kurs wieder auf rund 0,18 Dollar zurückgefallen. Die Bewegung fiel zeitlich mit dem Start des Protokolls zusammen, es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass das Upgrade den Kursanstieg unmittelbar ausgelöst hat.
Die praktische Reichweite von Protocol 28 wird davon abhängen, wie Entwickler und Validatoren die neuen Funktionen einsetzen. Soroban-Projekte müssen die Werkzeuge für das Contract-Management aktiv übernehmen. Gleichzeitig setzt Stellar die Einführung von Änderungen am Konsens und an den Transaktionssätzen fort, die eine höhere Netzwerkauslastung unterstützen sollen.
Aussagekräftiger als der Starttermin selbst wird deshalb sein, wann größere Emittenten digitaler Vermögenswerte und On-Chain-Anwendungen die neuen Funktionen übernehmen. Ihre Nutzung wird zeigen, ob Protocol 28 die Abwicklung und Verwaltung der wachsenden Finanzaktivität auf Stellar im laufenden Betrieb tatsächlich erleichtert.