Der ETF-Analyst Eric Balchunas hält es für möglich, dass Bitcoin-ETFs langfristig dreimal so viele Vermögenswerte verwalten wie Gold-ETFs. Auf Basis der aktuellen Größenordnung würde das bedeuten, dass das in Bitcoin-ETFs gebundene Vermögen von rund 95,8 Milliarden US-Dollar auf knapp 1,85 Billionen US-Dollar steigt – etwa das 19-Fache des heutigen Volumens.
Die Schätzung ist kein Kursziel für Bitcoin. Sie beschreibt vielmehr, wie stark sich die Kapitalbasis und die Rolle des Assets in traditionellen Portfolios ausweiten könnten, wenn ETFs Bitcoin dauerhaft in etablierte Anlagekanäle integrieren. Das Ergebnis würde unter anderem von weiteren Mittelzuflüssen, dem Bitcoin-Kurs, den ETF-Beständen und dem Wachstum der Gold-ETFs abhängen.
Jüngere Anleger könnten langfristig für neue Mittel sorgen
Balchunas argumentiert zunächst, dass Bitcoin und Gold unterschiedliche Anlegergruppen anziehen. Eine Pew-Umfrage aus dem Jahr 2026 ergab, dass 26 Prozent der US-Amerikaner zwischen 18 und 29 Jahren bereits Kryptowährungen genutzt hatten. Bei den 30- bis 49-Jährigen lag der Anteil bei 28 Prozent, bei den über 50-Jährigen dagegen bei 10 Prozent.
Diese Zahlen bedeuten nicht, dass jüngere Anleger sofort vergleichbare Summen investieren werden. Mit zunehmendem Vermögensaufbau könnte sich ihre Bitcoin-Allokation jedoch verändern. Der Besitz von Gold-ETFs ist dagegen typischerweise stärker auf ältere Anleger konzentriert.
Institutionelle Beteiligung am US-ETF-Markt ist noch ausbaufähig
Ein weiterer Faktor für das langfristige Potenzial der Anlageklasse ist die Beteiligung institutioneller Anleger an US-Bitcoin-ETFs. Im ersten Quartal 2026 entfielen rund 21 Prozent des Vermögens in diesen ETFs auf professionelle Investoren. Anlageberater hielten ein Bitcoin-Exposure, das etwa 150.000 BTC entsprach. Das Engagement von Akteuren aus dem Bankensektor hatte sich gegenüber dem Vorjahr vervierfacht.
Die Zahlen zeigen, dass Institutionen in den Markt für physisch besicherte Bitcoin-ETFs eingestiegen sind. Sie belegen jedoch noch keine vollständige institutionelle Akzeptanz. Anlageberater, Banken und andere professionelle Investoren müssen weiterhin die Volatilität, die Korrelationen zu anderen Anlageklassen und die Liquidität von Bitcoin bewerten. ETF-Strukturen könnten dabei einer der wichtigsten Zugangswege bleiben.
Wie stark die institutionelle Beteiligung weiter zunimmt, hängt von mehreren Bedingungen ab. Dazu zählen die regulatorische Behandlung der Produkte, Verwahrungsmodelle, Anforderungen an das Risikomanagement und Veränderungen der Bitcoin-Korrelation zu anderen Vermögenswerten. Ein höherer Anteil institutioneller Anleger würde zudem nicht automatisch zu dauerhaft positiven Nettomittelzuflüssen führen.
Bitcoin-ETFs verzeichnen 54,6 Milliarden US-Dollar Nettozuflüsse
Seit ihrer Einführung haben US-Bitcoin-ETFs kumulierte Nettozuflüsse von rund 54,6 Milliarden US-Dollar angezogen. Zu den Anbietern gehören große Vermögensverwalter wie BlackRock und Fidelity. Ihre Vertriebsnetze und Produktplattformen haben Bitcoin in Teile des traditionellen Anlage systems gebracht, die zuvor vor allem Aktien, Anleihen und Gold abdeckten.
Nach Einschätzung von Balchunas verfügen Bitcoin-ETFs derzeit über eine stärkere Vermarktungs- und Vertriebsdynamik als Gold-ETFs. Nur wenige Institutionen bewerben Gold-ETFs kontinuierlich. Bei Bitcoin-ETFs gibt es dagegen mehr Anbieter, institutionelle Vertriebskanäle und Anlageberater, die den Produkten Reichweite verschaffen. Auch die Aufmerksamkeit am Markt ist größer.
Nettozuflüsse und verwaltetes Vermögen sind allerdings nicht gleichzusetzen. Das ETF-Vermögen kann steigen, wenn Anleger neues Geld investieren. Es nimmt aber auch zu, wenn der Bitcoin-Kurs steigt. Historische Zuflüsse allein reichen deshalb nicht aus, um daraus ein künftiges Gesamtvolumen abzuleiten.
Szenario ergibt rechnerische BTC-Spanne von 488.000 bis 732.000 US-Dollar
US-Bitcoin-ETFs halten derzeit insgesamt rund 1,26 Millionen BTC. Würde das ETF-Vermögen auf 1,85 Billionen US-Dollar steigen und die gehaltene Menge 2,52 Millionen BTC erreichen, ergäbe die einfache Division von Vermögen durch Bestand einen Bitcoin-Preis von knapp 732.000 US-Dollar.
Würden die ETF-Bestände stattdessen auf rund 3,78 Millionen BTC steigen und sich damit gegenüber dem aktuellen Niveau verdreifachen, läge der rechnerisch implizierte Preis bei etwa 488.000 US-Dollar. Daraus ergibt sich eine illustrative Spanne von ungefähr 488.000 bis 732.000 US-Dollar – rund das Sechs- bis Zehnfache des aktuellen Preises.
Dabei handelt es sich um eine Szenariorechnung auf Basis von ETF-Vermögen und gehaltenen Bitcoin, nicht um eine Kursprognose oder ein Anlageziel. Das Vermögen von Gold-ETFs könnte weiter wachsen. Gleichzeitig könnten Bitcoin-ETFs ihr Volumen sowohl durch Kurssteigerungen als auch durch zusätzliche BTC-Käufe erhöhen. Je nach Kombination dieser Faktoren würden sich unterschiedliche implizierte Preise ergeben.
Balchunas' Einschätzung ist daher eher als Annahme zur möglichen Größenordnung langfristiger Kapitalallokation zu verstehen und nicht als Aussage über die kurzfristige Bitcoin-Richtung. Im Blick stehen vor allem die Nettoflüsse in US-Bitcoin-ETFs, Veränderungen bei institutionellen Beständen, die tatsächlich von ETFs zusätzlich erworbene BTC-Menge und die Entwicklung des Gold-ETF-Vermögens.