Die Vereinbarung von Generac Holdings zur Lieferung von Notstromsystemen für Amazon-Rechenzentren veranlasst Anleger, die Nachfrage nach Generatoren und Energiemanagementtechnik im Zuge der Ausgaben für künstliche Intelligenz neu zu bewerten. Die Generac-Aktie legte am 17. September zu. Auch mehrere Wettbewerber aus den Bereichen Elektrotechnik und Energiemanagement rückten in den Blick.
SEC-Meldung nennt zunächst 2,4 Milliarden US-Dollar
In einer 8-K-Meldung an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission erklärte Generac, von 2027 bis 2028 Generatoren im Wert von rund 2,4 Milliarden US-Dollar an Amazon liefern zu wollen. Der potenzielle Gesamtwert der Vereinbarung könnte bis zu 8 Milliarden US-Dollar erreichen.
Im Mittelpunkt des Vertrags stehen Notstromgeneratoren für Rechenzentren. Große Cloud-Anbieter wie Amazon beschaffen Strom- und Elektrotechnik in der Regel lange im Voraus, wenn sie Rechenzentrumscampi planen und ausbauen. Dass Amazon bereits Jahre vor der geplanten Auslieferung eine umfangreiche Bestellung bei Generac platziert, deutet darauf hin, dass Betreiber von Rechenzentren die Notstromversorgung früh in die Planung ihrer KI-Infrastruktur integrieren. Sie warten damit nicht erst, bis die Bauprojekte kurz vor der Fertigstellung stehen.
Ausbau von KI-Rechenzentren erhöht Bedarf an Notstrom
Rechenzentren für KI-Anwendungen benötigen eine kontinuierliche und stabile Stromversorgung. Servercluster und die zugehörige Technik reagieren empfindlich auf Unterbrechungen. Notstromsysteme sollen den Betrieb auch bei Ausfällen aufrechterhalten und das Risiko verringern, dass plötzliche Stromunterbrechungen Hardware beschädigen.
Die Vereinbarung macht zugleich eine praktische Begrenzung beim Ausbau der KI-Infrastruktur sichtbar: Das Tempo beim Bau neuer Rechenanlagen hängt zunehmend von der verfügbaren Stromkapazität ab. Während große Cloud-Anbieter weitere Rechenzentren errichten, könnten Hersteller von Generatoren, Stromverteilungssystemen und Energiemanagementtechnik zusätzliche Aufträge im Infrastrukturbereich erhalten. Umfang und Wert dieser Aufträge, die Lieferpläne sowie der Zeitpunkt der Umsatzverbuchung hängen jedoch weiterhin vom Baufortschritt und den Auslieferungen der Ausrüstung ab.
Generac verstärkt den Fokus auf Rechenzentren
Im März dieses Jahres schätzte Generac den weltweit adressierbaren Markt für Notstromlösungen für Rechenzentren auf 14 bis 17 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen verknüpfte diese Marktchance mit dem steigenden Bedarf an Rechenzentrumskapazität und den Investitionen in KI-Infrastruktur.
Generac war bislang stärker von der Nachfrage nach Haushaltsausrüstung in seinem Geschäft mit stationären Notstromgeneratoren für Privathaushalte abhängig. Aufträge aus dem Rechenzentrumsbereich eröffnen nun eine weitere potenzielle Wachstumsquelle. Zugleich richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, ob das kommerzielle und industrielle Stromgeschäft des Unternehmens ein langsameres Wachstum bei privaten Notstromgeneratoren ausgleichen kann.
Für Wettbewerber aus der Elektrotechnik dienen Amazons Beschaffungspläne als Orientierung für den Markt. Die Vereinbarung ist nicht nur ein umfangreicher Auftrag eines einzelnen Kunden. Sie zeigt auch, dass große Technologiekonzerne wichtige Stromversorgungstechnik für Rechenzentren möglicherweise lange vor dem geplanten Baubeginn sichern. Ob andere Unternehmen dieses Marktinteresse in konkrete Aufträge umsetzen können, wird von den gemeldeten Vertragswerten, ihren Kapazitätsplänen und den späteren Angaben zu Lieferungen abhängen.