Auch mit über 70 bleibt die Steuerplanung im Ruhestand wichtig. Ein 76-jähriges Ehepaar entnahm jährlich 10.000 Dollar aus einer IRA, um die vorgeschriebenen Mindestauszahlungen (Required Minimum Distributions, RMDs) zu erfüllen, und spendete das Geld anschließend. Weil die Beträge zunächst auf dem eigenen Bankkonto eingingen und das Paar keine Einzelabzüge geltend machte, entgingen ihm 2021 und 2022 jeweils rund 2.200 Dollar an möglichen Steuerersparnissen. Der Fall zeigt, wie Auszahlungszeitpunkt, Spenden und andere Alterseinkünfte die Steuerlast beeinflussen können.
RMDs in die Ruhestandsplanung einbeziehen
Das Paar ließ sich seine RMDs jeweils im Januar auszahlen, um die Frist sicher einzuhalten. Auf das Geld war es nicht angewiesen und spendete daher gewöhnlich den gesamten Betrag bis zum Jahresende. Die Spenden wurden dokumentiert. Von sogenannten Qualified Charitable Distributions (QCDs) wusste das Paar nichts und ging davon aus, dass jede Spende steuerlich absetzbar sei.
IRA-Inhaber ab 70½ Jahren können ihren Verwalter anweisen, Geld direkt an eine anerkannte gemeinnützige Organisation zu überweisen. Eine qualifizierte QCD zählt auf das jeweilige RMD an, wird aber nicht als steuerpflichtiges Einkommen behandelt. Wer die Auszahlung nicht für den eigenen Lebensunterhalt benötigt, kann mit einer direkten Überweisung seine steuerlichen Ziele möglicherweise besser erreichen, als das Geld erst selbst entgegenzunehmen und anschließend zu spenden.
Da das Ehepaar keine Einzelabzüge geltend machte, brachte ihm die jährliche Spende von 10.000 Dollar nicht den erwarteten Steuervorteil. Belege allein sorgen nicht dafür, dass eine Spende die Steuerrechnung senkt. Auch bei der Wahl des Steuereinbehalts können RMDs eine Rolle spielen: Manche Ruheständler lassen die Steuer direkt von der Auszahlung abziehen, statt gesonderte Vorauszahlungen zu leisten. Welche Variante passt, hängt von Einkommen und persönlicher Steuersituation ab.
Roth-Umwandlungen sind auch nach Beginn der RMDs möglich
Ein verbreiteter Irrtum lautet, dass mit Beginn der RMDs oder ab einem bestimmten Alter keine Umwandlung in eine Roth IRA mehr möglich sei. Für Roth-Umwandlungen gibt es keine Altersgrenze. Wer allerdings bereits RMDs leisten muss, muss die vorgeschriebene Auszahlung für das jeweilige Jahr zuerst vornehmen. Der RMD-Betrag selbst kann nicht in ein Roth-Konto umgewandelt werden.
Bei der Entscheidung sollten mögliche künftige Steuerfolgen für den Kontoinhaber, den überlebenden Ehepartner und die Erben berücksichtigt werden – nicht nur die Steuerlast im laufenden Jahr. Der Ehemann des Paares war pensionierter Pastor. Sollte er zuerst sterben, würde seine Frau Mary zwar weiterhin dieselbe Pension erhalten; Einkünfte, die bisher nahezu steuerfrei waren, wären für sie dann jedoch vollständig steuerpflichtig.
Nachdem das Paar seine RMD-Pflicht erfüllt hatte, unterstützte der Berater es bei der Einschätzung, welcher Betrag jährlich in eine Roth IRA umgewandelt werden könnte. Ziel war, Mary eine Geldquelle zu verschaffen, aus der sie nach den geltenden Auszahlungsregeln steuerfrei Geld entnehmen könnte, falls sich ihre steuerliche Situation änderte.
Bei Spenden aus der IRA zählt der Zahlungsweg
Das Problem lag nicht darin, dass das Paar spendete, sondern darin, wie das Geld überwiesen wurde. Ist eine RMD bereits auf dem persönlichen Bankkonto eingegangen, lässt sich eine spätere Spende von diesem Konto nicht nachträglich als QCD behandeln. Dafür muss der IRA-Verwalter das Geld direkt an eine berechtigte gemeinnützige Organisation schicken.
RMDs gelten als steuerpflichtiges Einkommen und können dazu führen, dass ein größerer Teil der Sozialversicherungsleistungen steuerpflichtig wird. Für 2026 könnte dieses Einkommen laut dem Artikel außerdem beeinflussen, ob manche Steuerpflichtige Anspruch auf einen erweiterten Steuerabzug für Senioren haben. Zugleich ist der Pauschbetrag hoch genug, dass viele Ruheständler keine Einzelabzüge geltend machen – auch dann nicht, wenn sie ihre Spendenbelege aufbewahren.
Für 2026 können Steuerpflichtige ohne Einzelabzüge Spenden bis zu 1.000 Dollar bei Einzelveranlagung und bis zu 2.000 Dollar bei gemeinsamer Veranlagung steuerlich geltend machen. Die jährlichen Spenden des Ehepaars von 10.000 Dollar lagen deutlich darüber. Trotz lückenloser Belege erhielt es nicht den erhofften höheren Steuervorteil.
Auszahlungen, Roth-Umwandlungen und Spenden abstimmen
Für RMDs, Roth-Umwandlungen und Spenden gelten jeweils eigene Regeln. Werden sie unabhängig voneinander geplant, kann das jedoch die Steuerlast erhöhen. Die Höhe der RMDs ist durch die geltenden Vorgaben festgelegt. Ruheständler können aber den Zahlungsweg für Spenden, den Steuereinbehalt und die jährlichen Umwandlungsbeträge planen – und dabei mögliche Änderungen beim Einkommen und bei der Steuerlast des Ehepartners berücksichtigen.
Für das Ehepaar waren vor allem zwei Punkte ausschlaggebend: ob die IRA direkt an die gemeinnützige Organisation zahlte und wie die RMD mit den Roth-Umwandlungen abgestimmt wurde. Auch nach dem 70. Geburtstag beeinflussen jährliche Auszahlungen, Spenden und Kontoumwandlungen das steuerpflichtige Einkommen, die Besteuerung von Sozialversicherungsleistungen und die künftige Steuerlast der Familie.