Innerhalb von rund drei Stunden nach der Wiederaufnahme der Auszahlungen am Sonntag wurden Bitcoin, Ether und an den US-Dollar gekoppelte Stablecoins im Wert von fast 2 Milliarden Dollar von Binance transferiert. Das geht aus Daten der Blockchain-Tracking-Plattform Whale Alert hervor. Binance erklärte, Auszahlungen würden nun über neu generierte Wallet-Adressen abgewickelt. Den großen Transfers hat die Börse diese Adressen jedoch öffentlich nicht zugeordnet; auch die konkreten Empfänger der Transaktionen sind nicht bestätigt. Die On-Chain-Daten allein zeigen zudem nicht, ob es sich um Kundenauszahlungen oder interne Transfers handelte.
Den Bewegungen war eine Aussetzung der Binance-Auszahlungen vorausgegangen. Am 29. Oktober entwendete ein Angreifer Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar aus mit der Börse verbundenen Konten. Binance setzte daraufhin Auszahlungen aus. Nach der Wiederaufnahme ist der Mittelabfluss sowohl für Nutzer relevant, die wieder auf ihre Vermögenswerte zugreifen wollen, als auch für Marktteilnehmer, die die Vermögensverwaltung der Börse und den Bitcoin-Kurs beobachten.
Whale Alert erfasst Bitcoin, Ether und Stablecoins
Zu den von Whale Alert erfassten Transfers zählten 10.000 Bitcoin im Wert von rund 779 Millionen Dollar, fast 1 Milliarde Dollar in Tether (USDT), etwa 200 Millionen Dollar in USD Coin (USDC) sowie 30.000 Ether im Wert von ungefähr 68 Millionen Dollar. Die Plattform kennzeichnete die Empfängeradressen als „unbekannte Wallets“.
Insgesamt summierten sich die Transfers auf knapp 2 Milliarden Dollar. Die Blockchain-Daten zeigen, dass Vermögenswerte von Binance zugeordneten Adressen abgingen. Sie geben jedoch keinen Aufschluss darüber, wer die empfangenden Wallets kontrolliert. Ebenso lässt sich daraus allein nicht ableiten, ob es Kundenauszahlungen, Wallet-Wechsel oder eine andere Form der Mittelbewegung waren. Binance hat die einzelnen Transfers bislang nicht öffentlich mit den neu generierten Adressen verknüpft; ihr konkreter Zweck bleibt daher offen.
Binance verweist auf neue Auszahlungsadressen
Binance teilte am Sonntag mit, neu generierte Adressen in die Wallet-Liste für den Proof of Reserves aufgenommen zu haben. Diese Liste soll Adressen ausweisen, auf denen nach Angaben der Börse Kundengelder liegen. Künftige Auszahlungen würden über die neuen Adressen abgewickelt, erklärte das Unternehmen.
Aus den veröffentlichten Angaben geht nicht hervor, ob sämtliche von Whale Alert erfassten Transfers an diese Wallets gingen. Binance erklärte außerdem, rund 95 Prozent der gestohlenen Vermögenswerte ersetzt zu haben. Einzelheiten zu den Transaktionen, die die gemeldeten Transfers mit der Wiederbeschaffung oder dem Ersatz der Vermögenswerte verbinden, legte die Börse nicht vor.
Empfänger der Transfers bleiben ungeklärt
Für Nutzer, die zuvor nicht abheben konnten, bedeutet die Wiederaufnahme, dass der Auszahlungskanal wieder verfügbar ist. Für Marktteilnehmer stellt sich daneben die Frage, ob die hohen Transfers binnen kurzer Zeit auf gebündelte Kundenauszahlungen oder auf interne Bewegungen im Zuge der Umstellung von Wallet-Adressen zurückgehen. Die Kennzeichnung als „unbekannte Wallet“ reicht nicht aus, um zwischen diesen Erklärungen zu unterscheiden.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte Bitcoin bei rund 78.000 Dollar. Einige Händler hatten für Sonntag mit einem Anstieg des Marktes gerechnet; der Kurs bewegte sich jedoch weiter um dieses Niveau. Transfers und Bitcoin-Kurs gehören zum selben Marktumfeld, doch die verfügbaren Informationen belegen keinen direkten Zusammenhang zwischen den Mittelbewegungen und der Kursentwicklung. Binance hat bislang nicht offengelegt, wie die Adressen einander zuzuordnen sind. Weitere On-Chain-Daten könnten nötig sein, um den Verbleib der Gelder festzustellen.