Die Nachfrage nach KI-Chips treibt Nvidia weiter an: Für das kommende dritte Quartal stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 89 Prozent gegenüber dem Vorjahr in Aussicht. Gleichzeitig wägen Anleger ab, wie nachhaltig die hohen Margen und die Investitionen in Rechenzentren sind – und ob sich die Wachstumsgeschichte angesichts der zyklischen Vergangenheit fortsetzen kann. Am 30. Oktober verlor die Aktie 4,22 Prozent und schloss bei 204,64 US-Dollar. Damit lag sie rund 15 Prozent unter ihrem Rekordhoch von Anfang des Monats.
Nvidias Umsatz wächst nicht ohne Unterbrechungen
Nvidia ist inzwischen ein bedeutender Anbieter von KI-Beschleunigern und zugehöriger Hardware. Das Geschäft ist deutlich größer als der frühere Schwerpunkt auf Grafikkarten für Computerspiele. Die Unternehmensgeschichte zeigt jedoch, dass sich das Wachstum drehen kann: Nach drei Jahren mit Zuwächsen von jeweils 20 bis 40 Prozent sank der Umsatz im Geschäftsjahr 2020 um 7 Prozent. Das Geschäftsjahr endete im Januar 2020 – noch bevor die USA weitreichende Pandemie-Beschränkungen einführten.
In den beiden folgenden Geschäftsjahren stieg der Umsatz um 53 beziehungsweise 61 Prozent, bevor das Wachstum im Geschäftsjahr 2023 ins Stocken geriet. Der aktuelle KI-Boom ist stark, hat die Sorge vor einem möglichen Wendepunkt im Zyklus aber nicht beseitigt. Nach vier der vergangenen fünf Quartalsberichte gab die Aktie zunächst nach. Das verdeutlicht, dass die Marktreaktion nicht allein von den vorgelegten Zahlen abhängt, sondern auch von Erwartungen und Bewertung.
Hohe Margen und KI-Investitionen im Fokus
Nvidias Nettomarge lag in den vergangenen zwölf Monaten bei rund 64 Prozent, die bereinigte Nettomarge bei etwa 41 Prozent. Letztere ist damit ungefähr viermal so hoch wie vor zehn Jahren. Die Gewinne sorgen für einen erheblichen Mittelzufluss, lassen zugleich aber weniger Spielraum für weitere Margensteigerungen. Steigen die Kosten oder verschärft sich der Wettbewerb, könnten die Gewinne langsamer wachsen als der Umsatz.
Anleger fragen außerdem, ob der derzeitige Ausbau der KI-Infrastruktur im gleichen Tempo weitergehen kann. Die Erweiterung von Rechenzentren stößt an manchen Standorten auf Widerstand. Auch Finanzierungsvereinbarungen, an denen Nvidia und andere Unternehmen beteiligt sind, um Kunden bei KI-Investitionen zu unterstützen, rücken die Stabilität der Geldströme in der Branche in den Blick. Die Investitionsausgaben großer Technologiekonzerne stehen in dieser Berichtssaison besonders unter Beobachtung. Sollten Kunden ihre Ausbaupläne verlangsamen, könnte das die Chipnachfrage und den breiteren Investitionszyklus belasten.
Für das dritte Quartal erwartet Nvidia 89 Prozent Umsatzplus
Die Kursentwicklung der Nvidia-Aktie und der Umsatzverlauf haben sich zuletzt unterschiedlich entwickelt. Das jährliche Umsatzwachstum stieg von 56 Prozent im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 auf 63 Prozent im dritten und 73 Prozent im vierten Quartal. Im ersten und zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erreichte es 85 beziehungsweise 106 Prozent. Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit einer Abschwächung, prognostiziert aber weiterhin ein Plus von 89 Prozent. Die Ergebnisse sollen am 17. November veröffentlicht werden. Auch Analysten erwarten weiterhin starkes Gewinnwachstum in einer ähnlichen Größenordnung.
Die Aktie wird mit etwa dem 13-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne gehandelt. Kritiker verweisen auf Speicherchip-Hersteller, deren Aktien in diesem Jahr besser abgeschnitten haben als Nvidia und deren erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnisse im mittleren einstelligen Bereich liegen. Allerdings schwanken auch deren Gewinne im Konjunkturzyklus erheblich. Nvidias Verwaltungsrat hat kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 150 Milliarden US-Dollar genehmigt. Es spiegelt die hohe Mittelgenerierung des Unternehmens wider und schafft einen Rahmen für die Rückführung von Kapital an die Aktionäre.
Rücksetzer trotz anhaltend starkem Wachstum
In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Nvidia-Aktienkurs etwa verachtfacht – trotz der Wachstumsflaute im Geschäftsjahr 2023. Seit Jahresbeginn entwickelte sich die Aktie in etwa im Einklang mit dem Gesamtmarkt. Die Stimmung ist inzwischen vorsichtiger: Der Kurs hat gegenüber dem Hoch dieses Monats nachgegeben, während sich beim Umsatz bislang keine vergleichbare Abschwächung zeigt.
Auf längere Sicht dürfte sich das Umsatzwachstum kaum auf dem aktuellen Niveau halten lassen; auch Druck auf die Margen bleibt ein konkretes Risiko. Zugleich ziehen Nvidias Größe und die erwarteten Geschäftszahlen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich, selbst wenn das Wachstum deutlich nachlässt. Die Ergebnisse am 17. November werden einen neuen Anhaltspunkt für die Nachfrage liefern. Im Blick bleiben außerdem die Ausgaben der Kunden für Rechenzentren und Nvidias Profitabilität.