Während die USA weiterhin auf einen verlässlichen Regulierungsrahmen für Kryptowährungen warten, sieht Kraken-Co-CEO David Ripley die Europäische Union bei der Regulierung digitaler Vermögenswerte im Vorteil. Mit der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) verfügt die EU über ein gemeinsames Regelwerk. In den USA kommt der CLARITY Act dagegen nur langsam voran. Damit wächst der Abstand zwischen beiden Märkten bei der regulatorischen Klarheit.
Die unterschiedliche Dynamik betrifft nicht nur die Compliance-Planung von Kryptobörsen. Sie kann auch beeinflussen, wo Unternehmen ihren Sitz wählen, neue Produkte auf den Markt bringen und Kapital einsetzen. Für grenzüberschreitend tätige Plattformen wie Kraken wirkt sich die rechtliche Klarheit unmittelbar darauf aus, ob und unter welchen Bedingungen sie Handel, Verwahrung und weitere Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte in verschiedenen Märkten anbieten können.
MiCA wird umgesetzt, der CLARITY Act kommt nicht voran
Ripley zufolge hat die EU MiCA mit dem Ziel entwickelt, auf neue Technologien zu reagieren und einen gemeinsamen regulatorischen Rahmen zu schaffen. In den USA sind die politischen Debatten über Kryptowährungen hingegen von parteipolitischen Gegensätzen und anhaltender Unsicherheit geprägt. Der konfrontativere Ansatz erschwere es Marktteilnehmern, die langfristige Richtung der Regulierung einzuschätzen, sagte Ripley.
Die EU hat die gesetzgeberischen und praktischen Schritte zur Umsetzung des MiCA-Rahmens abgeschlossen. Der CLARITY Act steckt dagegen nach jahrelangen Beratungen weiterhin fest. Der Gesetzentwurf verfehlte zuvor die erforderlichen 60 Stimmen für die nächste Verfahrensstufe. Der US-Markt für digitale Vermögenswerte bleibt damit ohne ein grundlegendes Gesetz, das die Marktstruktur und die Zuständigkeiten der Aufsichtsbehörden umfassend regelt.
Ripley verwies außerdem darauf, dass die USA ihre Wettbewerbsfähigkeit im Finanzsektor auch durch eine frühe Unterstützung innovativer Finanzprodukte und den parallelen Aufbau regulatorischer Vorgaben gestärkt hätten. Bei Kryptowährungen entwickle sich Europa nun jedoch vom Nachzügler zum frühen Vorreiter, erklärte er.
Kraken erhält irische MiCA-Zulassung
Kraken baut sein Europageschäft unter dem MiCA-Rahmen aus. Im Juni 2025 erhielt die Kryptobörse eine MiCA-Lizenz von der Central Bank of Ireland. Damit kann das Unternehmen entsprechende regulierte Krypto-Dienstleistungen in den 30 Mitgliedsländern des Europäischen Wirtschaftsraums anbieten.
Ein einheitlicher EU-Rahmen kann für eine Börse den Aufwand senken, in jedem einzelnen Mitgliedstaat separate Lizenzen zu beantragen und das Geschäftsmodell an nationale Vorgaben anzupassen. Zugleich schafft er eine einheitlichere Grundlage für Produkteinführungen, den Kundenservice und das Risikomanagement. Die Lizenz bedeutet jedoch nicht, dass die Bedingungen in allen nationalen Märkten identisch sind. Kraken muss weiterhin die jeweils geltenden Anforderungen an den Betrieb, den Kundenschutz und die Bekämpfung von Geldwäsche erfüllen.
In den USA zwingt der schleppende Fortgang des CLARITY Act Handelsplattformen, Token-Emittenten und Investoren dazu, die Grenzen ihrer Geschäftstätigkeit weiterhin anhand der bestehenden Regulierungsstruktur zu bewerten. Die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen der Securities and Exchange Commission, der Commodity Futures Trading Commission und den Aufsichtsbehörden der Bundesstaaten bleibt dabei ein zentrales Thema für die Branche.
Ripleys Äußerungen zeigen, wie groß bei großen Kryptobörsen der praktische Bedarf an verlässlicheren Regeln ist. Europa verfügt mit MiCA inzwischen über einen durchsetzbaren gemeinsamen Rahmen, während die entsprechende US-Gesetzgebung noch nicht abgeschlossen ist. Unterschiede bei Rechtssicherheit, Lizenzabdeckung und Marktzugang werden daher weiterhin mitbestimmen, wie Kryptounternehmen ihre Geschäfte in beiden Märkten organisieren.