US-Aktien aus dem Bereich KI-Infrastruktur gaben am Donnerstag, dem 5. November, erneut nach. Die Verluste erfassten neben Rechenzentrumsbauern auch Chiphersteller, Serveranbieter und Zulieferer für optische Netzwerke. Anleger prüfen, ob eine stärkere politische und regulatorische Kontrolle nach der Wahl neue Rechenzentrumsprojekte verzögern könnte. Zugleich belastete die Schwäche am Gesamtmarkt die Kurse. Bereits am Mittwoch waren mehrere Branchenwerte deutlich gefallen, obwohl der S&P 500 zulegte. Am Donnerstag standen sowohl die Branche als auch der breite Markt unter Druck.
Nvidia, Dell und Netzwerkausrüster deutlich im Minus
Gegen 9.55 Uhr US-Ostküstenzeit verlor Nvidia rund 6 Prozent auf 188,75 Dollar – etwa doppelt so viel wie am Vortag. Dell gab rund 9 Prozent nach; damit sank der Börsenwert des Unternehmens um etwa 20 Milliarden Dollar. Arm Holdings verlor ungefähr 10 Prozent und ebenfalls rund 20 Milliarden Dollar an Marktwert. Der S&P 500 lag zu diesem Zeitpunkt etwa 1,5 Prozent im Minus.
Auch weitere Hard- und Softwareunternehmen verzeichneten Verluste. Palantir Technologies, Hewlett Packard Enterprise und Celestica büßten etwa 7 bis 8 Prozent ein. Astera Labs, ein Anbieter von Verbindungschips für KI-Hardware in Rechenzentren, fiel rund 11 Prozent. Der Kühltechnikhersteller Modine gab weitere 9 Prozent nach, nachdem die Aktie bereits am Mittwoch 21 Prozent verloren hatte.
Besonders stark gerieten Anbieter optischer Netzwerktechnik unter Druck. Ciena sank um etwa 11 Prozent, wodurch sich der Börsenwert um rund 4,3 Milliarden Dollar verringerte. Applied Optoelectronics verlor ungefähr 13 Prozent, Coherent und MACOM Technology gaben zwischen 9 und 11 Prozent nach. Die Unternehmen liefern Laser und weitere Komponenten für Glasfasernetze – sowohl für Verbindungen innerhalb von Rechenzentren als auch für übergreifende Datenübertragung.
Auch Ingenieur- und Bauunternehmen mit Geschäft rund um KI-Projekte verzeichneten den zweiten Verlusttag in Folge. Comfort Systems USA und Argan fielen jeweils etwa 9 Prozent, MasTec rund 8 Prozent. EMCOR und Dycom gaben ungefähr 6 bis 7 Prozent nach. Da ihre Aufträge mit Rechenzentren und der zugehörigen Infrastruktur verbunden sind, können Verschiebungen bei Bauprojekten ihre Geschäftsaussichten beeinflussen.
Anleger prüfen mögliche Verzögerungen bei Genehmigungen
Anleger befürchten, dass die Wahlergebnisse zu einer strengeren Kontrolle der Rechenzentrumsbranche führen könnten. Auf verschiedenen Regierungsebenen wird darüber beraten, wie der Bau reguliert werden soll. Besonders im Blick steht Texas, einer der großen Rechenzentrumsstandorte der USA. Der neu gewählte Gouverneur des Bundesstaats hatte im Wahlkampf eine Pause für neue Rechenzentrumsprojekte befürwortet.
Analysten von UBS schätzen, dass bei einer Ausweitung solcher Baustopps nahezu ein Drittel der zusätzlichen US-Rechenzentrumskapazität, die bis 2028 ans Netz gehen soll, verzögert werden oder ganz ausfallen könnte. Das wäre relevant für Unternehmen, die auf neue Kapazitäten angewiesen sind, um Kundennachfrage zu bedienen und zu wachsen.
Konkrete politische Maßnahmen gibt es bislang jedoch nicht. Der neue Kongress tritt erst im Januar zusammen; auch ein Baustopp auf Ebene eines Bundesstaats müsste zunächst ausgearbeitet und beschlossen werden.
Viavi-Aktie fällt trotz kräftigem Umsatzplus
Die Geschäftszahlen von Viavi Solutions zeigten, dass die veränderte Marktstimmung nicht allein einzelne Unternehmen betrifft. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 57 Prozent auf 469,3 Millionen Dollar. Zudem hob das Unternehmen seine Prognose an und genehmigte ein Aktienrückkaufprogramm über 500 Millionen Dollar. Dennoch verlor die Aktie am folgenden Morgen im frühen Handel zeitweise rund 18 Prozent.
Die Kursreaktion deutet darauf hin, dass Anleger die Aussichten für den Ausbau der KI-Infrastruktur insgesamt neu bewerten. Starke Geschäftszahlen reichten zuletzt nicht aus, um Sorgen über den Zeitplan der Branchenprojekte auszugleichen.
Auch Bitcoin-Miner mit KI-Rechenzentren unter Druck
Applied Digital, Core Scientific und Cipher Digital gaben ebenfalls nach. Die Unternehmen stammen aus dem Bitcoin-Mining und bauen inzwischen KI-Rechenzentren oder vermieten entsprechende Kapazitäten. Applied Digital verlor rund 11 Prozent, Core Scientific und Cipher Digital etwa 8 bis 9 Prozent.
Bitcoin selbst lag gegen 10 Uhr US-Ostküstenzeit nur etwa 1 Prozent im Minus. Die frühen Verluste der Aktien waren damit zunächst nicht hauptsächlich auf einen Rückgang der Kryptowährung zurückzuführen. Mit der zunehmenden Schwäche am Gesamtmarkt weitete sich das Bitcoin-Minus bis etwa 11 Uhr auf knapp 6 Prozent aus.
VanEck erklärte, Bitcoin-Miner könnten von einem übermäßigen Ausverkauf erfasst worden sein. Als möglichen Grund nannte das Unternehmen den knappen Zugang zu Netzanschlüssen und die Möglichkeit, dass Kunden auf der Suche nach Standorten für KI-Anlagen dafür einen Aufpreis zahlen. Die jüngsten Kursschwankungen spiegeln zugleich die Aufmerksamkeit der Anleger für Genehmigungen, Kapitalbedarf und Bauzeiten wider. Kundenverträge und finanzielle Ausgangslagen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen.