Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges hält mindestens 200 Milliarden Euro für nötig, damit SpaceX im Mobilfunk mit etablierten Anbietern konkurrieren kann. Bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse bezeichnete er Satellitenverbindungen zwar als neue Geschäftskategorie. Die Abdeckung zu erreichen, die Verbraucher von Mobilfunknetzen gewohnt sind, sei jedoch eine erhebliche Aufgabe.
Höttges veranschlagt den Einstieg auf mindestens 200 Milliarden Euro
Mit Blick auf SpaceX und die Mobilfunkpläne für Starlink sagte Höttges: „Wenn er das Geld hat, soll er es versuchen.“ Für einen wettbewerbsfähigen Einstieg in den Mobilfunkmarkt müsse SpaceX mindestens 200 Milliarden Euro investieren.
Die Deutsche Telekom hält eine kontrollierende Beteiligung von 55 Prozent am US-Anbieter T-Mobile US. Höttges’ Einschätzung ist deshalb auch für die etablierten Telekommunikationskonzerne von Bedeutung. SpaceX will Starlink für den Ausbau mobiler Dienste nutzen. Die etablierten Anbieter verweisen dagegen darauf, dass die Erwartungen an Netzabdeckung und Service in reifen Märkten weit über den Start von Satelliten hinausgehen.
Terrestrische Netze sind in dicht besiedelten Gebieten im Vorteil
Höttges stellte infrage, warum Signale zu Satelliten in rund 400 Kilometern Höhe übertragen werden sollten, wenn sich eine Antenne möglicherweise nur 10 oder 100 Meter vom Nutzer entfernt befindet. Der Vergleich verdeutlicht den Vorteil bodengebundener Netze in dicht besiedelten Gebieten.
Mobilfunkanbieter haben über Jahre eine umfangreiche Basisstationsinfrastruktur aufgebaut und sich Hunderte Megahertz an Frequenzen gesichert. Diese Kapazitäten ermöglichen eine breite Abdeckung und die Bewältigung großer Datenmengen. Auch Führungskräfte US-amerikanischer Mobilfunkanbieter haben ähnlich argumentiert: Satellitennetze können die in etablierten Märkten erwartete Abdeckung derzeit nicht allein gewährleisten.
Der Vorsprung der etablierten Anbieter beruht nicht nur auf der Netzausrüstung. Dazu kommen die Zahl ihrer Basisstationen, ihre Frequenzbestände und über langfristige Investitionen aufgebaute Betriebsstrukturen. SpaceX müsste sein Angebot stark ausweiten, um mit diesen Netzen konkurrieren zu können – und zugleich die damit verbundenen Kapitalkosten tragen.
Höttges nimmt SpaceX dennoch ernst
Trotz der hohen Kosten und infrastrukturellen Hürden hält Höttges SpaceX für einen ernst zu nehmenden Wettbewerber. Das Unternehmen schaffe eine neue Kategorie. Die Aktivitäten von Elon Musk in den Bereichen Chips, Rechenzentren, KI-Plattformen und Satelliten könnten sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu einem vertikal integrierten Kommunikationsunternehmen verbinden, sagte er.
Höttges zog einen Vergleich zu Teslas Einfluss auf die Autoindustrie. Telekomkonzerne sollten nicht denselben Fehler machen wie Teile der Autobranche, die Veränderungen zunächst unterschätzt hätten. Für die Deutsche Telekom und ihre US-Tochter T-Mobile US geht es damit nicht allein darum, ob Satellitendienste terrestrische Netze ergänzen können. Entscheidend ist auch, ob SpaceX seine Technologien und Vermögenswerte zu einem Mobilfunkangebot bündeln kann, das im großen Maßstab funktioniert. Höttges’ Aussagen machen sowohl die hohen Hürden durch bestehende Netze als auch das Interesse der Branche an einem möglichen neuen Wettbewerbsmodell deutlich.