Costco und 66 weitere Unternehmen wenden sich gegen Pläne, Token auf Basis ihrer Aktien über die geplante Plattform OKXICE handeln zu lassen. Das verhindert nicht automatisch Perpetual-Kontrakte, deren Wert an den Costco-Aktienkurs gekoppelt ist: Token können Aktionärsrechte abbilden, Perpetuals bieten dagegen gehebeltes Engagement in der Kursentwicklung. Ob die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) solche Kontrakte genehmigen darf, wird inzwischen vor einem US-Gericht geprüft.
OKXICE-Token sollen Aktionärsrechte abbilden
Hinter OKXICE steht Intercontinental Exchange (ICE), die Muttergesellschaft der New York Stock Exchange. In einer am 5. November veröffentlichten Mitteilung führte die Plattform 67 Emittenten auf, die verhindern wollen, dass unabhängige Drittanbieter ihre Aktien tokenisieren und auf dem geplanten Handelsplatz anbieten. Die Unternehmen haben keine gemeinsame Begründung veröffentlicht. Aus ihren Einwänden geht auch nicht hervor, ob sie andere Formen der Tokenisierung oder Kontrakte, die lediglich Aktienkurse nachbilden, ebenfalls ablehnen.
Im geplanten OKXICE-Modell würde ein Anbieter die zugrunde liegenden Aktien über einen registrierten Broker-Dealer verwahren. Jeder Token stünde für einen Anteil an einer Aktie; gehandelt würden die Token von Kunden in automatisierten Pools mit an den US-Dollar gebundenen Stablecoins. Die Preise in diesen Pools können von den Kursen an traditionellen Börsen abweichen. Deshalb ist entscheidend, welche Rechte ein Token tatsächlich vermittelt – und wie sein Handelspreis zustande kommt.
Ein im September von der Securities and Exchange Commission (SEC) vorgestellter Ausnahmerahmen ermöglicht geeigneten Handelsplätzen, unter bestimmten Voraussetzungen auf eine Registrierung als gewöhnliche Börse zu verzichten. Die Token müssen dabei die Rechte der jeweiligen Aktiengattung wahren, darunter Stimmrechte, Dividendenansprüche und Ansprüche auf verbleibendes Vermögen im Liquidationsfall. Ein Token, der lediglich den Aktienkurs abbildet, erfüllt diese Vorgaben nicht.
Emittenten können formell Einspruch einlegen. Bevor ein Handelsplatz Token eines unabhängigen Drittanbieters anbietet, muss er das betroffene Unternehmen informieren. Dieses hat anschließend 30 Tage Zeit, Einwände vorzubringen. Nach Leitlinien der SEC müssen fristgerechte Einsprüche offengelegt werden und verhindern, dass die Plattform die betreffenden Token unter Berufung auf die Ausnahme anbietet. Die Einwände der Unternehmen beziehen sich auf die geplante OKXICE-Plattform und gelten nicht automatisch für andere Produkte.
Perpetuals bieten Kursrisiko statt Eigentum
Wer einen Aktien-Perpetual hält, besitzt weder die Aktie noch Stimmrechte. Kalshi beschreibt sein Produkt beispielsweise als Möglichkeit, auf steigende oder fallende Aktienkurse zu setzen. Die Kontrakte haben kein festes Ablaufdatum. „Perpetual“ bedeutet jedoch nicht, dass Positionen jederzeit verwaltet werden können: Für den Costco-Kontrakt nennt Kalshi Handelszeiten von Sonntagabend bis Freitagnachmittag (US-Ostküstenzeit). Während der Markt geschlossen ist, können Kunden keine Position eröffnen oder schließen.
Die Kontrakte ermöglichen zudem einen gehebelten Einsatz. Auf Kalshis Costco-Seite wurde am 6. November 2026 ein maximaler Hebel von 4,9 ausgewiesen. Bei einer Margin von 1.000 US-Dollar entspricht das einem Kursengagement von 4.900 US-Dollar. Eine Kursbewegung von 10 Prozent gegen die Position würde vor Gebühren und weiteren Anpassungen einen Verlust von 490 US-Dollar bedeuten – nahezu die Hälfte der anfänglichen Margin. Sinkt die Besicherung unter die vorgeschriebene Schwelle, kann die Plattform die Position schließen. Trader können dann nicht auf eine mögliche Erholung warten.
Perpetuals verwenden regelmäßige Zahlungen, darunter Funding-Raten, um den Kontraktpreis in der Nähe eines Referenzwerts zu halten. Liegt der Kontrakt über diesem Wert, zahlen Long-Positionen an Short-Positionen; notiert er darunter, läuft die Zahlung in die umgekehrte Richtung. Funding kann somit die Rendite beeinflussen, selbst wenn die Einschätzung zur Aktienkursrichtung stimmt. Kalshi zufolge führen Bardividenden zu vertraglichen Barausgleichen für Long- und Short-Positionen. Diese Ausgleiche machen die Kontraktinhaber jedoch nicht zu Aktionären.
Gericht prüft Zuständigkeit der CFTC
Am 3. November erklärte CFTC-Vorsitzender Michael Selig, dass geeignete, bei der Derivateaufsicht registrierte Börsen Aktien-Perpetuals anbieten könnten, sofern sie bei der SEC eine Registrierungsmeldung eingereicht hätten. Die Produkte seien nach Regulation 40.3 als genehmigt anzusehen, wenn die Aufsichtsbehörde während der Prüfungsfrist keine Ablehnung mitteile. Die Aufseher haben die Kontrakte einem gemeinsamen Rahmen für die Überwachung von Wertpapieren und Futures zugeordnet. Dass die Produkte kein Ablaufdatum haben, steht jedoch im Zentrum der Auseinandersetzung über ihre rechtliche Einordnung.
Die Capital Markets Alliance Association will die Genehmigungen stoppen. Zu den Unterlagen des Gerichtsverfahrens gehören Stellungnahmen von Cboe und Citadel Securities. Die Vereinigung argumentiert, Kontrakte ohne künftige Lieferung könnten nicht als Wertpapier-Futures eingestuft werden. In einer Eingabe an die SEC im Oktober vertrat Cboe die Auffassung, es handle sich um wertpapierbasierte Swaps, für die ein anderes Regelwerk gelten müsse. Außerdem warnte die Börse, der Handel mit Perpetuals könne außerhalb des konsolidierten Überwachungssystems für Wertpapiermärkte stattfinden – selbst wenn Händler ihre Positionen mit herkömmlichen Aktien absicherten. Cboe hat eigene geschäftliche Interessen an den Märkten; die Eingabe wirft zugleich die Frage auf, welche Schutzmechanismen dort gelten sollten.
Am 3. November sagte Richterin Valerie Caproni, das Argument der Kläger, die CFTC könnte ihre Befugnisse überschritten haben, erscheine voraussichtlich erfolgversprechend. Eine einstweilige Verfügung im Eilverfahren lehnte sie dennoch ab: Die Gruppe habe keinen unmittelbar bevorstehenden und nicht wiedergutzumachenden Schaden belegt. Die Genehmigungen blieben damit zunächst bestehen. Die Regierung sollte bis zum 6. November Stellung zu einer vorläufigen Verfügung nehmen; für die Erwiderung der Kläger setzte das Gericht den 10. November fest.
ICE baut Geschäft mit Token und Perpetuals aus
ICE kündigte am 29. Oktober eine Investition in TradeXYZ und eine Vereinbarung an, einen auf Hyperliquid basierenden Markt für Perpetual-Kontrakte in die USA zu bringen. Der regulierte Handelsplatz benötigt noch Genehmigungen, darunter Erlaubnisse für den gehebelten Handel. ICE rechnet damit, dass auch Vertriebskanäle über das Gemeinschaftsunternehmen mit OKX genutzt werden. Dieses muss seinerseits die erforderlichen Genehmigungen einholen.
Damit ist dieselbe Börsengruppe sowohl bei Aktien-Token als auch bei Kontrakten auf Aktienkurse aktiv. Der wesentliche Unterschied: Zulässige Aktien-Token müssen Aktionärsrechte vermitteln; Perpetuals bieten dagegen ein Kursengagement, das von Margin, Funding-Raten und vertraglichen Ausgleichen geprägt ist. Emittenten können Aktien-Token auf einer konkreten Plattform über ein festgelegtes Verfahren blockieren. Ob Aktien-Perpetuals weiter eingeführt werden können, hängt von der Auseinandersetzung über die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörden und den noch ausstehenden Genehmigungen ab.