- Große Wall-Street-Banken wie die Citigroup (C:US) schließen sich dem Lager der Pessimisten im Rohölmarkt an. In ihrem neuesten Bericht prognostizieren sie, dass der Brent-Ölpreis bis Ende des Jahres weiter auf 60 Dollar pro Barrel fallen könnte. Mit dem allmählichen Rückgang der Schifffahrtsstörungen in der Straße von Hormus und der Unterzeichnung eines Memorandums zwischen den USA und dem Iran normalisieren sich die globalen Energielieferketten und der Schiffsverkehr schnell.
- Da chinesische Rohölkäufer noch nicht deutlich zurückgekehrt sind und der globale Spotmarkt deutlich schwächer geworden ist, fiel der Brent-Rohöl-Futures im zweiten Quartal um 30% und gab die gesamten Gewinne während des Nahostkonflikts vollständig ab. Derzeit sind nur wenige Institutionen wie die HSBC optimistisch, während Goldman Sachs (GS:US) und Morgan Stanley (MS:US) ihre Ölpreisprognosen häufig nach unten korrigieren und vor zukünftigen Überangebotsrisiken warnen.
- Hauptrohstoffanalysten weisen darauf hin, dass die anhaltende Freigabe der strategischen Ölreserven (SPR) der USA den kurzfristigen Überdruck in einem Umfeld verlangsamten globalen Rohölnachfragewachstums verschärft hat. Analysten empfehlen Investoren allgemein, bei einer Markterholung im Sommer zu verkaufen, und betonen, dass die zukünftige Ölpreisgestaltung wieder von den fundamentalen Angebots- und Nachfrageverhältnissen dominiert wird.
Wiederherstellung der Schifffahrt in Hormus formt das Versorgungsbild neu
Mit der Unterzeichnung eines Memorandums zwischen den USA und dem Iran ist die zuvor durch Konflikte blockierte Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr geöffnet. Gewerbliche Schifffahrtsunternehmen bewerten das aktuelle Risiko als beherrschbar, und der zunehmende Schiffsverkehr sorgt dafür, dass Raffinerien weltweit wieder eine stabile Rohölversorgung erhalten. Citigroup-Analysten weisen darauf hin, dass, obwohl verbleibende logistische Engpässe und die Neupreisgestaltung des Versicherungsmarktes Zeit zur Bewältigung benötigen, die schlimmste Phase auf der Angebotsseite vorbei ist.
Wall-Street-Banken senken kollektiv Ölpreisprognosen
Vor dem Hintergrund, dass fundamentale Faktoren schnell wieder die Märkte dominieren, wenden sich große Wall-Street-Institutionen zunehmend einer pessimistischen Sichtweise zu. Goldman Sachs stellt klar, dass der globale Rohölmarkt nach dem Abklingen der Kriegsauswirkungen wieder einem Überangebot gegenüberstehen wird, und Morgan Stanley hat seine Ölpreisprognosen kurzfristig zweimal gesenkt. Derzeit schwankt der Brent-Rohöl-Futures-Preis um 72 Dollar pro Barrel, und Institutionen wie die Citigroup glauben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Ölpreis bis Ende des Jahres den Bereich von 60 bis 65 Dollar pro Barrel testet, deutlich steigt.
Schwache Nachfrage übt Druck auf den Markt aus
Ein weiterer Hauptgrund für die deutliche Schwäche des Spot-Rohölmarktes ist, dass die Nachfrage traditioneller Verbraucherländer nicht wie erwartet zurückgekehrt ist. Daten zeigen, dass chinesische Käufer bisher noch nicht in großem Umfang auf den Markt zurückgekehrt sind, was dazu führt, dass der Rückgang der globalen kommerziellen Rohölbestände weit unter den vorherigen Markterwartungen liegt. Institutionen wie die Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) analysieren, dass, wenn die chinesische Rohölnachfrage keine wesentliche Verbesserung zeigt, der Raum für technische Erholungen stark eingeschränkt wird.
Unterschiedliche Meinungen der Institutionen und zukünftige Variablen
Im Gegensatz zum Konsens der meisten Investmentbanken bleibt die HSBC relativ optimistisch für die Zukunft. HSBC glaubt, dass das zusätzliche Angebot durch die Rückkehr der Versorgung aus dem Nahen Osten durch die Auffüllung globaler Bestände allmählich vom Markt absorbiert werden könnte, und die Internationale Energieagentur (IEA) wird voraussichtlich im Juli die Freigabe strategischer Ölreserven einstellen. Zu diesem Zeitpunkt könnte das leichte Überangebot verschwinden, und wenn sich die makroökonomische Nachfrage verbessert, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass der Brent-Ölpreis wieder auf 80 Dollar pro Barrel steigt.