Meta hat eine Anzeige für seinen KI-Agenten Muse zurückgezogen, die wöchentliche Hinweise darauf versprach, wer einem auf Instagram nicht mehr folgt. Ein Meta-Sprecher bestätigte, dass die Werbung nicht mehr geschaltet wird und aus der Anzeigenbibliothek des Unternehmens verschwunden ist. Der Fall macht den Zielkonflikt sichtbar: Muse kann eine Information liefern, die Instagram bewusst nicht in die eigene App integriert hat.
Anzeige versprach wöchentliche Hinweise auf Entfolger
Auf die Instagram-Anzeige aufmerksam wurde Rachel Karten, Autorin des Marketing-Newsletters Link in Bio. Zu sehen war Muse’ Plüschmaskottchen mit roten und grünen Schildern, deren Farben an eine Dating-App erinnerten. Der Werbetext versprach, Nutzer könnten „jede Woche prüfen, wer ihnen nicht mehr folgt“.
Für viele Instagram-Nutzer ist es interessant zu wissen, wer ihnen entfolgt ist. Die Plattform bietet eine solche Funktion jedoch nicht an. Instagram-Chef Adam Mosseri erklärte einst in einer Fragerunde auf seinem persönlichen Account, Nutzer sollten Konten, die sie nicht mehr interessieren, ohne Sorge vor Entdeckung entfolgen können. Die Antwort wurde später von seiner Seite entfernt; Zusammenschnitte davon sind weiterhin verfügbar.
Die Entscheidung, Entfolger nicht offenzulegen, beeinflusst auch die Nutzung der Plattform. Wer befürchtet, beim Entfolgen bemerkt zu werden, behält möglicherweise Inhalte im Feed, die er nicht mehr sehen möchte. Das kann das Nutzungserlebnis beeinträchtigen und sich darauf auswirken, wie häufig oder wie lange Menschen Instagram verwenden – Kennzahlen, die für die tägliche Aktivität auf der Plattform relevant sind.
Muse erfasst Änderungen erst ab dem Start der Überwachung
Muse kann Veränderungen in der Follower-Liste eines Instagram-Kontos beobachten. Personen, die dem Konto bereits vor Beginn der Überwachung entfolgt sind, kann der Agent jedoch nicht erkennen. Erst nach einer entsprechenden Aufforderung beginnt er, die Liste zu beobachten und spätere Entfolgen zu melden. In einem Test erkannte Muse nach zwei Tagen einen Entfolger.
Auch Drittanbieter haben in der Vergangenheit ähnliche Dienste angeboten. Einige verlangten dafür die Zugangsdaten der Nutzer. Muse’ Funktion ist daher nicht neu. Die Anzeige brachte jedoch ein Werkzeug, das Instagram bewusst nicht in sein eigenes Produkt aufgenommen hat, in die Vermarktung eines Meta-KI-Angebots.
Muse und Instagram folgen unterschiedlichen Produktzielen
Dass Meta die Anzeige entfernt hat, bedeutet für sich genommen keine Änderung der Unternehmenspolitik zu Instagram-Funktionen. Möglicherweise passte lediglich diese konkrete Werbung nicht zum Produktansatz der Plattform. Hinweise auf eine grundlegende Änderung der Strategie für Muse oder Instagram gibt es nicht.
Der Vorgang zeigt die unterschiedlichen Prioritäten der beiden Produkte: Muse soll Nutzern helfen, Aufgaben zu erledigen. Ein soziales Netzwerk muss zugleich ein Nutzungserlebnis gestalten, das Menschen auf der Plattform hält. Meta zählt KI-Agenten zu seinen Entwicklungsfeldern. Muse kann dabei eine Handlung ausführen, die Instagram seit Langem nicht selbst anbietet – und wirft damit die Frage auf, wo die Grenzen zwischen den Produkten verlaufen.
Was Nutzer auf einer sozialen Plattform tun möchten, stimmt nicht immer mit dem Ansatz des Anbieters für das Gesamterlebnis überein. Während KI-Agenten wie Muse weitere Aufgaben übernehmen, muss Meta ihre Funktionen mit der etablierten Produktlogik von Angeboten wie Instagram abstimmen. Die Anzeige ist verschwunden; offen bleibt, ob Muse weiterhin Entfolgen erfasst und wie Meta die Funktionsgrenzen zwischen KI-Werkzeugen und sozialen Plattformen zieht.