Intercontinental Exchange (ICE) hat mit seiner Mortgage-Technologiesparte zum zweiten Mal in Folge einen Quartalsgewinn erzielt. Das gelang trotz hoher Zinsen und teurer Wohnimmobilien. Zugleich baut das Unternehmen KI-Funktionen für seine Plattformen zur Kreditvergabe und -verwaltung aus. CEO Jeff Sprecher sagte zur möglichen Abspaltung der Sparte, ICE sei keinem Geschäftsbereich emotional verbunden und würde Alternativen prüfen, wenn ein Bereich nicht funktioniere. Einen konkreten Trennungsplan stellte er jedoch nicht vor.
Der in Atlanta ansässige Konzern betreibt neben seinem Hypothekengeschäft Börsen und bietet Dienstleistungen rund um festverzinsliche Wertpapiere und Finanzdaten an. 2020 übernahm ICE Ellie Mae samt dem Kreditvergabesystem Encompass, 2023 folgte die Mortgage-Servicing-Plattform von Black Knight. Nach Einschätzung des Managements tragen inzwischen auch Investitionen zum Wachstum bei, die zum Zeitpunkt ihrer Ankündigung kritisch beurteilt wurden. Sprecher verwies auf die breite Aufstellung des Konzerns als Vorteil im Umgang mit wechselnden Zinsbedingungen.
Mortgage-Umsatz steigt, Betriebsgewinn sinkt deutlich
Von Juli bis September erzielte ICEs Mortgage-Sparte einen Umsatz von 549 Millionen Dollar. Das waren 1,4 Prozent weniger als im zweiten Quartal mit 557 Millionen Dollar, aber 4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 528 Millionen Dollar. Der Betriebsgewinn belief sich auf 13 Millionen Dollar. Im Vorquartal waren es 45 Millionen Dollar, im dritten Quartal 2025 22 Millionen Dollar gewesen. Das entspricht Rückgängen von 71 beziehungsweise 41 Prozent.
Die Software für die Verwaltung von Hypothekendarlehen, MSP, brachte 229 Millionen Dollar ein. Im zweiten Quartal waren es 226 Millionen Dollar, ein Jahr zuvor 216 Millionen Dollar. Der Umsatz mit Technologie zur Kreditvergabe sank von 197 Millionen Dollar im Vorquartal auf 189 Millionen Dollar und lag damit knapp über den 188 Millionen Dollar des Vorjahresquartals. ICE hatte MSP mit der Übernahme von Black Knight im Jahr 2023 erworben.
Auf bereinigter Pro-forma-Basis, die angenommene Finanzergebnisse von Black Knight einschließt, lag der Betriebsgewinn der Mortgage-Sparte bei 219 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal hatte er 239 Millionen Dollar, im Vorjahreszeitraum 224 Millionen Dollar betragen. Finanzvorstand Warren Gardiner sagte, die Konsolidierung der Mortgage-Branche und Zinsen von weiterhin mehr als 7 Prozent im Jahr 2027 könnten die wiederkehrenden Umsätze aus Vertragsverlängerungen beeinflussen. Zugleich sei es wichtig, weiter in das Geschäft zu investieren.
KI-Anbindung für Encompass und MSP
ICE Mortgage Technology entwickelt KI-Funktionen für seine Plattformen zur Kreditvergabe und Darlehensverwaltung. Ben Jackson, Präsident von ICE und Chairman von ICE Mortgage Technology, sagte, Kunden könnten inzwischen über das Model Context Protocol (MCP) eigene KI-Agenten kontrollierbar und nachvollziehbar einsetzen und mit Encompass oder MSP verbinden. Mehrere Kunden hätten Interesse an dieser Möglichkeit bekundet. Dabei könnten sie auf Daten und Berechtigungen zurückgreifen, die bereits in den ICE-Systemen vorhanden seien.
ICE steht im Wettbewerb mit jüngeren Technologieanbietern, die ihre Produkte von Anfang an auf KI ausrichten. Der Konzern ergänzt dagegen etablierte Plattformen um neue Funktionen. Jackson verwies auch auf die Kundengewinne im dritten Quartal: Wells Fargo vereinbarte, sein Portfolio an Home-Equity-Krediten auf MSP zu übertragen und damit die Geschäftsbeziehung zu ICE auszubauen. Nach Unternehmensangaben gewann MSP im Jahr 2026 fünf Kunden hinzu.
ICE hebt Sparziel für Black Knight auf 270 Millionen Dollar an
Im dritten Jahr nach Abschluss der Black-Knight-Übernahme kommt die Integration nach Angaben von ICE schneller voran als geplant. Gardiner zufolge rechnet das Unternehmen nun damit, bis Ende 2026 jährliche Kostensynergien von rund 270 Millionen Dollar zu erreichen. Das liegt über dem ursprünglichen Ziel von 200 Millionen Dollar, das bei Bekanntgabe der Übernahme für das fünfte Jahr angesetzt worden war. Gemeint sind erwartete jährliche Einsparungen, nicht Mortgage-Umsatz oder Betriebsgewinn.
Während der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen traf ICE keine konkrete Entscheidung über eine mögliche Abspaltung des Mortgage-Geschäfts. Die aktuellen Zahlen zeigen gegenüber dem Vorjahr höhere Erlöse und einen gestiegenen Umsatz mit MSP, zugleich aber einen niedrigeren Betriebsgewinn im Quartals- und Jahresvergleich. ICE begründet die fortgesetzten Investitionen in die Sparte unter anderem mit der Entwicklung von KI-Funktionen, dem Ausbau der Geschäftsbeziehung zu Wells Fargo und den erwarteten Einsparungen aus der Black-Knight-Integration.