Die Incyte-Aktie (Nasdaq: INCY) testete am Freitag innerhalb einer Konsolidierungsformation eine fallende Trendlinie. Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses stehen die weitere Entwicklung der Medikamentenpipeline und das bevorstehende Patentende für das wichtigste Produkt Jakafi im Jahr 2028. Rund 3,4 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz könnten dadurch unter Druck geraten. Entscheidend ist daher, ob jüngere Forschungsprogramme diese Lücke teilweise schließen können.
Um 12:08 Uhr Eastern Time am 18. September notierte die Aktie bei 127,96 US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 0,34 US-Dollar beziehungsweise 0,27 Prozent. Die Kursangabe war nicht in Echtzeit. Nach einer Erholung an der Unterstützung nahe der 50-Tage-Linie bewegte sich die Aktie innerhalb einer Cup-and-Handle-Formation. Deren zentrale Marke liegt bei 130,80 US-Dollar. Gleichzeitig testete der Kurs die abwärts gerichtete Trendlinie, die sich über den sogenannten Henkel der Formation erstreckt.
Jakafi bleibt bis 2028 der Umsatzanker
Jakafi ist das bekannteste Medikament von Incyte. Es wird zur Behandlung der Graft-versus-Host-Erkrankung, von Myelofibrose und Polycythaemia vera eingesetzt. Zudem vermarktet das Unternehmen Opzelura, eine topische Creme gegen Ekzeme und Vitiligo.
Jakafi ist weiterhin die wichtigste Umsatzquelle des Konzerns. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz auf 3,09 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von knapp 11 Prozent und leicht mehr als die Markterwartung von 3,06 Milliarden US-Dollar. Analysten rechnen damit, dass der Umsatz 2028 bei rund 3,37 Milliarden US-Dollar seinen Höchststand erreicht. In den drei darauffolgenden Jahren könnte er auf 1,14 Milliarden, 728 Millionen beziehungsweise 886 Millionen US-Dollar sinken.
Brian Abrahams, Analyst bei RBC Capital Markets, erklärte, Incytes frühere Versuche, eine Pipeline zur Kompensation des möglichen Umsatzlochs aufzubauen, seien unterschiedlich weit vorangekommen. Wie stark und wie schnell der Umsatz nach dem Patentablauf von Jakafi zurückgeht, hängt demnach vom Tempo neuer Produkteinführungen, den klinischen Daten und der Entwicklung konkurrierender Therapien ab.
Frühes Antikörperprogramm zielt auf drei Bluterkrankungen
Aus den Einträgen zu klinischen Studien geht hervor, dass Incyte eine frühe Studie zu INCA036978 durchführt. Über den Antikörper hatte das Unternehmen bislang nur wenige Einzelheiten veröffentlicht. Das Programm befindet sich in Phase 1 und wird bei myeloproliferativen Neoplasien sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit einer Standardbehandlung untersucht.
Die Studie umfasst drei wichtige myeloproliferative Neoplasien: Myelofibrose, Polycythaemia vera und essenzielle Thrombozythämie. Abrahams zufolge könnte die breite Ausrichtung darauf hindeuten, dass der Wirkstoff nicht auf ein einzelnes genetisches Ziel beschränkt ist. Sollten spätere klinische Ergebnisse diesen Ansatz stützen, könnte die potenzielle Patientengruppe deutlich größer sein als bei einem weiteren Programm, INCA033989. Derzeit reichen die verfügbaren Daten jedoch nicht aus, um Wirksamkeit oder Sicherheit zu beurteilen.
INCA033989 konzentriert sich vor allem auf Patienten mit essenzieller Thrombozythämie und Myelofibrose. Der Wirkmechanismus steht im Zusammenhang mit dem CALR-Gen. Unterschiedliche CALR-Mutationen könnten verschiedene Dosierungen erfordern; damit bleiben Fragen zur Dosisfindung und zur Bestätigung der Wirksamkeit offen. Incyte hat außerdem Programme gegen BET und ALK2 bei Blutkrankheiten eingestellt.
ESMO könnte neue Daten zum KRAS-Programm liefern
Neben den Risiken rund um Jakafi warten Anleger auf die Forschungsprogramme, die Incyte im Oktober auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) vorstellen wird. Dabei könnte das Unternehmen aktualisierte Daten zum KRAS-Inhibitor INCB161734 bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen soliden Tumoren präsentieren.
Im ersten Quartal hatte Incyte dazu nur begrenzte Daten veröffentlicht, die noch keine belastbare Einschätzung zuließen. KRAS galt lange als schwierig direkt angreifbar, weil seine Struktur keine offensichtliche Bindungsstelle für Antikörper aufweist. In den vergangenen Jahren erzielten jedoch mehrere Biotech-Unternehmen Fortschritte bei der Entwicklung von Wirkstoffen gegen dieses Ziel. Deshalb stehen klinische Ergebnisse in diesem Bereich besonders im Fokus.
Auf Grundlage der öffentlich verfügbaren Daten schätzt Abrahams, dass INCB161734 in Kombination mit einer Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs eine objektive Ansprechrate von 62,5 Prozent und eine Krankheitskontrollrate von 95,8 Prozent erreichen könnte. Diese Werte liegen in einer ähnlichen Größenordnung wie die Zielwerte einer konkurrierenden Therapie von Revolution Medicines (Nasdaq: RVMD). Die tatsächliche Entwicklung des Incyte-Programms hängt jedoch von den weiteren klinischen Veröffentlichungen ab.
Matt Phipps, Analyst bei William Blair, sagte, Incyte wolle auf der ESMO zudem Daten aus dem Programm gegen Darmkrebs und aus weiteren Projekten für solide Tumoren vorstellen. Er stuft die Aktie mit „Market Perform“ ein. Abrahams bewertet sie mit „Hold“ und erhöhte sein Kursziel Anfang dieser Woche auf 109 US-Dollar.
Chartmarke bei 130,80 Dollar im Blick
Daten von MarketSurge zeigen, dass die Incyte-Aktie oberhalb ihrer wichtigen gleitenden Durchschnitte notiert. Im Cup-and-Handle-Muster gilt 130,80 US-Dollar als zentrale Marke. Ein Ausbruch über die fallende Trendlinie des Henkels könnte das Intraday-Hoch vom Freitag bei 128,72 US-Dollar zu einem weiteren kurzfristigen Referenzpunkt machen. Technische Signale belegen jedoch keine Verbesserung der Fundamentaldaten.
Auf Wochenbasis hat die Relative-Stärke-Linie von Incyte einen blauen Punkt ausgebildet. Das bedeutet, dass der Wert während der Konsolidierung oder eines möglichen Ausbruchs ein neues Hoch erreicht hat. Die Aktie weist ein Relative Strength Rating von 91 auf und gehört damit bei der Zwölfmonatsentwicklung zu den besten 9 Prozent aller Aktien. Das Composite Rating liegt bei 99 und damit über dem Wert von 99 Prozent der Aktien im zugrunde liegenden fundamentalen und technischen Bewertungssystem.
Für die weitere Einschätzung von Incyte bleiben drei Punkte entscheidend: der erwartete Umsatzdruck nach dem Patentablauf von Jakafi, die frühen klinischen Ergebnisse zu INCA036978 und die Daten zum KRAS-Inhibitor INCB161734 auf der ESMO. Diese Informationen werden zeigen, wie der Markt das Potenzial der Pipeline im Verhältnis zum erwarteten Rückgang der Jakafi-Erlöse bewertet.