Nach einer volatilen Phase bei KI-Aktien findet der Datenspeicheranbieter NetApp an einer wichtigen technischen Marke Unterstützung. Der Quartalsgewinn stieg um 66 %, für das Gesamtjahr wird ein Anstieg des Gewinns je Aktie um 57 % erwartet. Damit rücken die laufende Konsolidierung und ein möglicher Ausbruch der Aktie in den Fokus.
NetApp positioniert sich in der KI-Dateninfrastruktur
Das kalifornische Unternehmen NetApp bietet Datenspeichersysteme und Cloud-Datendienste in den beiden Geschäftsbereichen Hybrid Cloud und Public Cloud an. Der Bereich Hybrid Cloud erwirtschaftet den größten Teil des Umsatzes. Dazu gehören Speicher- und Datenmanagementlösungen für Rechenzentren.
NetApp stellt keine Chips für künstliche Intelligenz her. Die All-Flash-Speicherarrays des Unternehmens können jedoch große Datenmengen mit hoher Geschwindigkeit verarbeiten und liefern damit die erforderliche Speicherbasis für das Training und die Inferenz von KI-Modellen. Da moderne Chips von Unternehmen wie Nvidia immer höhere Geschwindigkeiten erreichen, gewinnen Datentransfer und Speichereffizienz innerhalb der KI-Infrastruktur an Bedeutung.
NetApp ist in die Angebote von drei großen Cloud-Anbietern integriert: Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud, das von Alphabet betrieben wird. Diese Beziehungen verschaffen dem Unternehmen Zugang zu den Themen Migration von Unternehmensdaten in die Cloud, Modernisierung von Datenbeständen und Ausbau der KI-Infrastruktur.
Gewinnwachstum zieht im jüngsten Quartal an
NetApp weist derzeit ein IBD Composite Rating von 99 auf. Die Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate gehört damit zu den besten 5 % aller Aktien. Das EPS Rating liegt bei 93 und zeigt, dass die Gewinnentwicklung die Aktie bislang wesentlich gestützt hat.
In den vergangenen drei Quartalen steigerte NetApp den Gewinn durchschnittlich um 35 %. Das liegt über der Marke von 25 %, die bei Wachstumsaktien häufig beobachtet wird. Im jüngsten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf 66 %. Für das Gesamtjahr wird ein Anstieg des Gewinns je Aktie um 57 % erwartet, wobei sich das Wachstum 2027 auf 11 % abschwächen könnte.
NetApp zählt zu den führenden Unternehmen der Computer-Hardwarebranche und wurde vor Kurzem in die Beobachtungsliste des IBD Leaderboard aufgenommen. Ob die Gewinnentwicklung anhält, dürfte von der Nachfrage nach Unternehmensspeichern, dem Tempo der Umstellung auf All-Flash-Systeme und dem letztlich aus KI-Projekten erzielten Umsatz abhängen.
Aktie formt neue Tassenformation
Aus charttechnischer Sicht bildet NetApp eine neue Tassenformation. Der mögliche Kaufpunkt liegt bei 209,06 US-Dollar. Vom vorherigen Hoch bis zum Tief gab die Aktie 23 % nach. Damit bewegt sich der Rückgang noch innerhalb der Spanne, die für eine Konsolidierungsformation im Allgemeinen als akzeptabel gilt.
Am 3. September fand die Aktie an ihrer 50-Tage-Durchschnittslinie Unterstützung und drehte nach oben. Zum Handelsschluss lag sie wieder über dieser Marke. Zuvor hatte NetApp bereits versucht, aus einer früheren Tassenformation auszubrechen, konnte den Anstieg jedoch nicht halten. Anschließend bewegte sich die Aktie seitwärts, anstatt den Rückgang fortzusetzen. Das deutet darauf hin, dass sich der Verkaufsdruck bislang nicht vollständig durchgesetzt hat.
Die Relative-Stärke-Linie gab während der Konsolidierung leicht nach, liegt aber weiterhin nahe ihrem 12-Monats-Hoch. Seit Jahresbeginn 2026 hat die NetApp-Aktie mehr als 80 % zugelegt. Daher sind Handelsvolumen, die Nachfrage institutioneller Anleger und die Erwartungen an die Gewinnentwicklung wichtige Faktoren für die weitere Ausbildung der Formation.
Die institutionellen Käufe haben in den vergangenen Wochen nicht erkennbar zugenommen. NetApp weist zudem ein C-Rating bei der Accumulation/Distribution-Bewertung auf. Fonds halten jedoch weiterhin 60 % der ausstehenden Aktien. Im jüngsten Quartal stieg die Zahl der Fonds mit NetApp-Beständen auf 2.703, darunter der Federated Hermes MDT Large-Cap Growth Fund (QILGX).
Analysten uneinig bei Bewertung und Kurszielen
TipRanks weist für NetApp insgesamt ein „Buy“-Votum aus. Die Aktie notiert allerdings bereits über dem durchschnittlichen Kursziel von 196,64 US-Dollar. Die Differenz zeigt, dass im aktuellen Kurs bereits einige optimistische Erwartungen enthalten sind.
Brooks Idlet, Analyst bei CFRA, bewertet die Aktie mit „Buy“ und nennt ein Kursziel von 221 US-Dollar. Seiner Einschätzung zufolge verfolgt NetApp eine klare Strategie, um sich als führender Anbieter einer vollständigen KI-Dateninfrastruktur für Unternehmen zu etablieren. In einer Research-Note vom 12. September schrieb Idlet, dass sich die KI-Nachfrage schrittweise entwickle. Die Prognose des Managements für ein langsameres Wachstum in der zweiten Jahreshälfte könne daher auch eine gewisse Vorsicht widerspiegeln. Als weitere Ansatzpunkte für eine Beteiligung an der wachsenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur von Unternehmen nannte er NetApps einheitliche Datenarchitektur und die Partnerschaften mit großen Cloud-Anbietern.
Asiya Merchant von Citigroup stuft die Aktie mit „Neutral“ ein und setzt ihr Kursziel bei 190 US-Dollar. Sie erklärte, das Management bleibe mit Blick auf 2027 optimistisch, weil sich die Nachfrage verbreitere und zunehmend mit KI, Datenmodernisierung und der Einführung von All-Flash-Systemen verbunden sei, statt allein von einzelnen Großaufträgen abzuhängen.
Merchant sieht zudem mögliche Impulse durch eine anziehende Speichernachfrage, den Wechsel von herkömmlichen Speichern zu Flash-Technologie, AFF-Produkte, für Blockspeicher optimierte Lösungen und cloudnative Dienste. Gleichzeitig sei der zusätzliche Beitrag der KI bislang begrenzt, während sich die Ausgaben für Speicherlösungen uneinheitlich entwickelten. Für weitere Anhebungen der Gewinnschätzungen oder eine höhere Bewertung seien daher zusätzliche Daten erforderlich.