Die Wall-Street-Analysten haben ihre langfristigen Gewinnschätzungen für den S&P 500 trotz jüngster Kursverluste bei großen Technologiewerten weitgehend beibehalten. Für 2028 liegt der Konsens beim Gewinn je Aktie weiterhin nahe 500 Dollar. Ed Yardeni, Präsident von Yardeni Research, setzt mit 450 Dollar deutlich niedriger an und hält den Analystenkonsens von 493 Dollar für möglicherweise zu optimistisch.
Gewinnkonsens für 2028 liegt über Yardeni-Schätzung
In einem Interview vor den US-Zwischenwahlen sagte Yardeni, die wöchentlichen Gewinnschätzungen der Analysten seien in der Woche bis zum 26. Oktober nahezu unverändert geblieben. Für 2027 und 2028 rechnen sie weiterhin mit kräftigem Gewinnwachstum. In einem am 24. Oktober veröffentlichten Bericht bezifferte Yardeni den Konsens für den Gewinn je S&P-500-Aktie im Jahr 2028 auf 493 Dollar. Seine eigene Prognose von 450 Dollar liegt rund 9 Prozent darunter.
Die Differenz ist für die Bewertung des Index relevant: Die Gewinnerwartungen beeinflussen, welchen Preis Anleger für S&P-500-Unternehmen ansetzen. Bleibt das Gewinnwachstum hinter den Prognosen zurück, könnten die Bewertungen unter Druck geraten. Bislang haben Analysten ihre längerfristigen Schätzungen jedoch nicht deutlich gesenkt, obwohl die Aktien von Alphabet und Intel nachgegeben haben.
Gewinnschätzungen steigen schneller als der Index
Yardenis Daten zufolge sind die erwarteten Gewinne des S&P 500 für die kommenden zwölf Monate in diesem Jahr um 31 Prozent gestiegen. Der Index legte im selben Zeitraum um 11,4 Prozent zu. Weil die Gewinnschätzungen stärker zunahmen als die Kurse, sank das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des Index um 13,5 Prozent. Diese Kennzahl setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zu den prognostizierten Gewinnen und wird häufig zur Bewertung von Aktien herangezogen.
Yardeni sieht den S&P 500 zum Jahresende bei 7.900 Punkten. Grundlage sind erwartete Gewinne von 425 Dollar je Aktie für 2027 und ein Bewertungsmultiplikator von 18,6. Der Analystenkonsens für den Gewinn 2027 liegt bei 424,56 Dollar und damit fast genau auf Höhe seiner Schätzung. Im September hatte Yardeni den angesetzten Multiplikator von 19,8 gesenkt. Zuvor hatte er ein Kursziel von 8.400 Punkten auf ein Ziel für Mitte 2027 revidiert.
Tech-Ausverkauf führt bislang nicht zu breiten Prognosesenkungen
Die Schätzungen blieben stabil, obwohl der Nasdaq 100 Ende Oktober nachgab und dabei rund 2 Billionen Dollar an Börsenwert verloren gingen. Aktien unter anderem von Alphabet und Intel gerieten unter Druck. In der Woche bis zum 26. Oktober blieb der Gewinnkonsens dennoch nahezu unverändert. Die unterschiedliche Entwicklung von Kursen und Gewinnschätzungen rückt die Bewertungsmultiplikatoren in den Fokus, während Anleger beurteilen, wie der Markt die Wachstumserwartungen einpreist.
Yardenis Jahresendziel von 7.900 Punkten setzt voraus, dass der S&P 500 einen Multiplikator von 18,6 hält und die Gewinne 2027 etwa 425 Dollar je Aktie erreichen. Für 2028 kalkuliert Yardeni mit 450 Dollar – deutlich weniger als die knapp 500 Dollar, die der Markt erwartet. Bei den Gewinnen für 2027 liegen seine Annahmen nahezu beim Konsens. Der zentrale Dissens betrifft damit die Frage, ob das längerfristige Gewinnwachstum die optimistischeren Prognosen für 2028 rechtfertigt.