Die brasilianische Kryptobörse Mercado Bitcoin hat nach einem Sicherheitsvorfall Ein- und Auszahlungen ausgesetzt. Tether fror im Zusammenhang mit dem Fall USDT im Wert von mehr als 4,5 Millionen Dollar ein. CEO Paolo Ardoino gab die Maßnahme am 2. November bekannt. Blockchain-Analysten zufolge wurden über neun Token hinweg Vermögenswerte von mehr als 9 Millionen Dollar gesperrt. Mit dem Angreifer verknüpfte Wallets hielten jedoch weiterhin Kryptowährungen im Wert von rund 46 Millionen Dollar. Das Gesamtausmaß des finanziellen Schadens hat die Börse bislang nicht beziffert.
Vermögenswerte von mehr als 9 Millionen Dollar gesperrt
Ardoino erklärte, Tether habe Transfers von mehr als 4,5 Millionen USDT blockiert, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen. Der Blockchain-Analyst Specter bezifferte die insgesamt gesperrten Vermögenswerte nach einer Abstimmung zwischen Sicherheitsforschern und Stablecoin-Anbietern auf mehr als 9,17 Millionen Dollar. Betroffen waren neun digitale Vermögenswerte, darunter USDC, PAXG und RLUSD.
Die Blockchain-Datenplattform Arkham Intelligence ordnete Wallets, die dem Angreifer zugeschrieben werden, Kryptowerte im Umfang von etwa 46 Millionen Dollar zu. Darunter waren rund 8,37 Millionen Dollar in Ether, 8,24 Millionen Dollar in Bitcoin und 1,76 Millionen Dollar in PEPE. Die eingefrorenen Beträge bedeuten nicht, dass die übrigen Vermögenswerte zurückgeführt wurden. Aus den bislang veröffentlichten Informationen geht nicht hervor, was mit den restlichen Guthaben in den Wallets geschehen ist.
Tether ist auch an Mercado Bitcoin beteiligt. Im Juli hatte das Unternehmen eine strategische Investition von 20 Millionen Dollar in die Börse angekündigt, um deren Ausbau in den Bereichen Tokenisierung, Zahlungsverkehr und weitere digitale Finanzdienstleistungen zu unterstützen. Nun ist Tether an der Sperrung von Vermögenswerten beteiligt, während das eigene Beteiligungsunternehmen den Sicherheitsvorfall aufarbeitet.
Mercado Bitcoin prüft den Schaden – Auszahlungen bleiben ausgesetzt
Mercado Bitcoin teilte mit, der Vorfall habe sich in der vorangegangenen Nacht ereignet und eines seiner Systeme betroffen. Nach der Entdeckung habe die Börse das Sicherheitsproblem rasch eingedämmt. Während sie verdächtige Vermögensbewegungen untersuchte, setzte sie Ein- und Auszahlungen vorübergehend aus.
Nach Angaben des Unternehmens seien Kundengelder nicht verloren gegangen und keine persönlichen Daten offengelegt worden. Wie hoch die betroffenen Beträge sind und ob auch die eigenen Reserven der Börse berührt wurden, blieb offen.
Zur Unterstützung der Nachverfolgung und möglicher Rückholversuche veröffentlichte die Börse verdächtige Empfangsadressen für Bitcoin, Ethereum-kompatible Netzwerke, Solana, Stellar und Tron. Einen Zeitplan für die Wiederaufnahme des Betriebs nannte sie nicht. Auf der Statusseite waren weiterhin Störungen bei einzelnen Diensten ausgewiesen. Für Nutzer bleiben damit Umfang und Dauer der Einschränkungen sowie der Zeitpunkt, an dem Ein- und Auszahlungen wieder möglich sind, zentrale offene Fragen.
Sicherheitsvorfälle bei mehreren zentralisierten Börsen
Der Vorfall bei Mercado Bitcoin ereignete sich weniger als vier Tage nach einem Angriff auf Binance am 29. Oktober. Der dabei betroffene Vermögenswert wurde mit rund 6,3 Milliarden Dollar beziffert. Zuvor war Bitget am 24. September von einem Sicherheitsvorfall betroffen, bei dem es um etwa 388 Millionen Dollar ging. Der Angreifer bewegte Vermögenswerte aus der Wallet-Infrastruktur der Börse. Bitget setzte später seinen Schutzfonds ein, um die Verluste zu decken und die Kundenguthaben zu sichern.
Auch Anfang 2025 kam es zu größeren Vorfällen. Bybit verlor im Februar rund 1,5 Milliarden Dollar, nachdem Angreifer den Freigabeprozess für eine Ethereum-Cold-Wallet manipuliert hatten. Im Januar wurde Phemex Ziel eines Angriffs auf eine Hot Wallet, bei dem etwa 69 Millionen Dollar betroffen waren. Die Angriffsmethoden unterschieden sich, betrafen aber jeweils die Verwaltung von Wallets, die Autorisierung von Transaktionen oder interne Systeme der Börsen.
Das US-amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) machte nordkoreanische Hacker für die beiden größten Angriffe auf Bybit und Binance verantwortlich und brachte die Aktivitäten mit der Gruppe TraderTraitor in Verbindung. Ein Zusammenhang zwischen dieser Gruppe und dem Vorfall bei Mercado Bitcoin ist bislang nicht belegt. Öffentlich bekannt sind derzeit die gesperrten Vermögenswerte, die Guthaben in angreiferbezogenen Wallets und die ausgesetzten Ein- und Auszahlungen. Die Gesamthöhe der Verluste und mögliche Auswirkungen auf die Reserven von Mercado Bitcoin sind weiterhin nicht offengelegt.