US-börsengehandelte Spot-ETFs auf BNB verzeichneten im Oktober Nettozuflüsse von rund 99 Millionen Dollar und gehörten damit zu den stärkeren Produkten im US-Markt für Krypto-Spot-ETFs. Fast der gesamte Betrag floss jedoch zu Monatsbeginn: Allein VanEcks VBNB nahm am 2. Oktober rund 97 Millionen Dollar auf – mehrere Wochen bevor Binance am 29. Oktober einen Angriff auf ein Hot Wallet bekannt gab. Die Mittelbewegungen nach dem Vorfall und das Fondsvermögen dürften Hinweise auf die Anlegerstimmung liefern. Die vorliegenden Daten zeigen allerdings nicht, wie Anleger konkret auf den Angriff reagierten.
VBNB vereinte am 2. Oktober fast alle Monatszuflüsse auf sich
Daten von SoSoValue zufolge kamen VBNB im Oktober netto rund 99 Millionen Dollar zu. Damit lag der Fonds vor den Produkten mit Bezug zu NEAR, die 35 Millionen Dollar verbuchten, und XRP-Fonds mit 19 Millionen Dollar. Die Tagesdaten zeigen, dass am 2. Oktober rund 97 Millionen Dollar in VBNB flossen. Das entsprach 98,8 Prozent der Nettozuflüsse des Monats.
Das verwaltete Vermögen stieg von rund 3 Millionen Dollar am 1. Oktober auf etwa 100 Millionen Dollar am 2. Oktober und lag am 5. Oktober bei rund 103 Millionen Dollar. Danach waren die Mittelbewegungen gering: Am 9. Oktober verzeichnete der Fonds Zuflüsse von etwa einer Million Dollar, am 15. Oktober dagegen Abflüsse von rund 285.000 Dollar.
VNBK erreichte seine starke Monatsposition somit vor allem durch eine große Zuteilung zu Monatsbeginn – nicht durch eine gleichmäßige Nachfrage im Oktober. VanEck hatte den Fonds am 28. Mai aufgelegt. Er bietet US-Anlegern einen börsengehandelten Zugang zu BNB. Verwahrt werden die Token bei von Binance unabhängigen Dienstleistern, darunter Anchorage Digital und BitGo. Fondsanteile bilden die Kursentwicklung von BNB ab und vermitteln keine Beteiligung an Binance.
Binance nahm Auszahlungen schrittweise wieder auf
Binance erklärte, ein Angreifer sei am 29. Oktober gegen 20.05 Uhr UTC in ein Hot Wallet eingedrungen und habe Token im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar entwendet. Die Börse teilte mit, die Verluste aus Unternehmensmitteln und dem Secure Asset Fund for Users (SAFU) auszugleichen. Gemeinsam mit Token-Emittenten und Ermittlern arbeite sie daran, die gestohlenen Vermögenswerte einzufrieren. Nach Angaben von Binance waren rund drei Milliarden Dollar an Vermögenswerten on-chain eingefroren worden.
Bis zum 1. November hatte Binance nach eigenen Angaben etwa 95 Prozent der betroffenen Vermögenswerte wieder aufgefüllt. Einige schwerer zu beschaffende Token seien zu diesem Zeitpunkt noch ausstehend gewesen. Am selben Tag begann die Börse, Auszahlungen schrittweise wieder freizugeben. Der anfängliche Andrang bei Auszahlungen habe sich gelegt.
In einem Update vom 2. November erklärte Binance außerdem, für die zehn Token aus dem Proof-of-Reserves-Snapshot vom 31. Oktober vollständige Zero-Knowledge-Nachweise erstellt zu haben. Ein umfassenderer Snapshot war für den 4. November geplant. Die Erstellung der zugehörigen Nachweise sollte voraussichtlich 40 bis 50 Stunden dauern.
Das verwaltete Vermögen von VBNB sank von rund 98 Millionen Dollar am 29. Oktober auf etwa 92 Millionen Dollar am 30. Oktober. Da sich das Fondsvermögen auch mit dem BNB-Kurs verändert, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten, dass Anleger ETF-Anteile zurückgegeben haben. Für eine Einschätzung der Mittelbewegungen nach dem Vorfall sind weitere Handelsdaten nötig.
Bitcoin- und Ether-ETFs verbuchten Monatsabflüsse
Auch bei US-Spot-ETFs auf Bitcoin und Ether schwächten sich die Mittelzuflüsse im selben Zeitraum ab. Bitcoin-Fonds verzeichneten am 30. Oktober Abflüsse von rund 643 Millionen Dollar. Damit wurden vorherige Zuflüsse mehr als ausgeglichen; für den Gesamtmonat stand ein Nettoabfluss von etwa 515 Millionen Dollar zu Buche. Zuvor war mit einem dritten Monat in Folge mit Nettozuflüssen gerechnet worden.
Nach dem Binance-Vorfall fiel Bitcoin kurzzeitig unter 80.000 Dollar. Die Nachfrage nach ETFs hatte sich allerdings bereits vorher abgeschwächt. Die Abflüsse lassen sich daher nicht vollständig dem Angriff auf Binance zuordnen.
Ether-Fonds verzeichneten im Oktober Nettoabflüsse von rund 1,61 Milliarden Dollar. Das war mehr als bei den Bitcoin-Fonds und der größte monatliche Abfluss, seit US-Spot-ETFs auf Ether im Juli 2024 den Handel aufgenommen hatten. BNB-Fonds fielen mit Nettozuflüssen aus dem Rahmen, wobei diese stark auf die Zeit vor dem Vorfall konzentriert waren. Zeichnungs- und Rückgabedaten aus der ersten vollständigen Handelswoche im November dürften genauer zeigen, ob sich die Nachfrage nach BNB-Produkten nach dem Sicherheitsvorfall verändert hat.