- Die USA und der Iran haben eine vorläufige Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus getroffen, wodurch der Transportweg für etwa ein Fünftel der weltweiten Energieversorgung voraussichtlich wieder normalisiert wird. Der Preis für Brent-Rohöl (BRN1!) verzeichnete einen deutlichen Rückgang.
- Getrieben von rückläufigen Inflationserwartungen sanken die Renditen am europäischen Anleihemarkt insgesamt. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen (DE10YT=RR), die als Benchmark für die Eurozone gilt, sowie die renditeempfindlichen 2-jährigen Staatsanleihen erreichten ein Zweiwochentief.
- Die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr haben sich deutlich abgekühlt. Der im Swap-Markt eingepreiste zusätzliche Straffungsgrad hat sich von über 40 Basispunkten auf etwa 30 Basispunkte verringert.
Geopolitische Entspannung führt zu Rückgang der Rohölpreise
Laut offiziellen Mitteilungen der USA und des Iran haben beide Seiten eine vorläufige Vereinbarung zur Beendigung der militärischen Konflikte getroffen. Der Kern dieser Vereinbarung umfasst die Aufhebung der US-Sanktionen gegen den Iran und die geplante Wiedereröffnung der weltweit wichtigsten Energiepassage, der Straße von Hormus, an diesem Freitag. Etwa zwanzig Prozent des weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransports passieren diese Meerenge. Die vorherigen Konflikte hatten tiefe Besorgnis über Unterbrechungen der Lieferketten ausgelöst. Angetrieben durch diese Nachricht verzeichnete der globale Ölpreis-Benchmark Brent-Rohöl (BRN1!) am Montag einen starken Rückgang, mit einem Tagesverlust von 4,7 Prozent und schloss bei 83,22 US-Dollar pro Barrel, was dem niedrigsten Stand seit Anfang März dieses Jahres nahekommt. Der schnelle Rückgang der Energiepreise hat die Sorgen des Marktes über importierte Inflation erheblich gemildert.
Renditen von Eurozonen-Staatsanleihen unter Druck
Mit dem Rückgang der Preise für Rohöl und andere Rohstoffe wurden die Erwartungen an eine Entlastung des Inflationsdrucks schnell auf den Rentenmarkt übertragen, und die Renditen der Staatsanleihen der wichtigsten Eurozonen-Länder sanken am Montag im Handel. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen (DE10YT=RR) fiel im Tagesverlauf auf 2,945 Prozent, den niedrigsten Stand seit Ende Mai, und schloss bei 2,955 Prozent, was einem Rückgang von 4 Basispunkten entspricht. Gleichzeitig zeigte auch die Rendite der 2-jährigen deutschen Staatsanleihen (DE2YT=RR), die sensibler auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert, einen Abwärtstrend und fiel im Tagesverlauf auf ein Zweiwochentief von 2,547 Prozent, bevor sie auf 2,575 Prozent anstieg, ebenfalls ein Rückgang von 4 Basispunkten. Auch Anleihen von Nicht-Kernländern wurden stark nachgefragt, wobei die Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihen (IT10Y) im späten Handel um 5 Basispunkte auf 3,685 Prozent fiel und sich weiterhin in der Nähe des Zweiwochentiefs bewegte.
Geldmarkt senkt Erwartungen an EZB-Zinserhöhungen
Der Rückgang der Energiepreise hat die Marktbewertung der zukünftigen Politikpfade der wichtigsten Zentralbanken direkt beeinflusst. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag eine Zinserhöhung angekündigt hatte, stiegen die Erwartungen des Geldmarktes an weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr aufgrund von Inflationssorgen auf über 40 Basispunkte. Doch mit der vorläufigen Einigung zwischen den USA und dem Iran sowie dem starken Rückgang der Ölpreise sind Analysten allgemein der Meinung, dass der Druck auf die Zentralbanken, aggressive Zinserhöhungen zur Eindämmung der Inflation vorzunehmen, erheblich nachgelassen hat. Derzeit zeigen Daten des Swap-Marktes, dass Händler erwarten, dass die Europäische Zentralbank in diesem Jahr nur etwa 30 Basispunkte zusätzliche geldpolitische Straffung vornehmen wird. Diese Senkung der Erwartungen deutet darauf hin, dass der Rentenmarkt die zukünftige makroökonomische Liquiditätsumgebung neu bewertet.
Rahmentext noch unklar, weitere Variablen im Blick
Obwohl der Markt positiv auf die vorübergehende Entspannung der geopolitischen Lage reagiert hat, bleiben Fachinstitutionen hinsichtlich der endgültigen Umsetzung der Vereinbarung vorsichtig. Hauke Siemssen, Zinsstratege bei der Commerzbank, weist darauf hin, dass es angesichts der Ankündigung, die Straße von Hormus am Freitag wieder zu öffnen, verständlich ist, dass der Markt Erleichterung empfindet. Allerdings sind viele zentrale Fragen der Vereinbarung noch ungeklärt, da der offizielle Text noch nicht veröffentlicht wurde. Der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte ebenfalls, dass beide Seiten während der 60-tägigen Waffenruheperiode umfassendere Konfliktthemen vertiefen werden, um letztendlich eine umfassendere Vereinbarung zu erzielen. Sollte es innerhalb der 60 Tage zu Rückschlägen im Verhandlungsprozess kommen oder die Kerninflationsindikatoren aus anderen Gründen erneut ansteigen, könnte die Preislogik des globalen Anleihemarktes erneut einer Neubewertung unterzogen werden.