Japans umfassende Devisenreserven eröffnen Handlungsspielraum für Währungseingriffe
Laut einer aktuellen Strategieanalyse von Goldman Sachs verfügt Japan über Devisenreserven von annähernd 1 Billion US-Dollar, davon rund 200 Milliarden als liquide Mittel. Dieses Kapitalpolster bietet der japanischen Regierung und der Zentralbank erheblichen Spielraum für Interventionen am Devisenmarkt zur Stützung des Yen.
Im Juli kooperierten Japan und die USA bei der Intervention gegen die Yen-Abwertung und pumpten innerhalb von zwei Tagen rund 85 Milliarden US-Dollar in den Markt – die größte kurzfristige Währungseingriffswelle seit der Fukushima-Krise 2011. Trotz einer kurzen Erholung fällt der Wechselkurs inzwischen wieder auf etwa 160 Yen pro US-Dollar zurück und hat einen Teil der Gewinne wieder abgegeben.
US-Fed-FIMA-Rückkaufmechanismus verbessert Liquiditätsoptionen
Goldman Sachs-Strategin Karen Fishman und Devisenoptionschef Praneet Shah erläutern, dass der von der US-Notenbank eingerichtete FIMA-Repo-Mechanismus ausländischen Zentralbanken, darunter der Bank of Japan, durch die Verpfändung von US-Staatsanleihen kurzfristig Dollar-Liquidität verschafft. Diese Möglichkeit stärkt die finanzielle Flexibilität Japans, ohne dass Staatsanleihen verkauft werden müssen, was sich positiv auf das Marktvertrauen auswirkt.
Zinsdifferenzen bleiben Belastung für den Yen
Shah verweist auf die gegenwärtige Zinslücke zwischen US- und japanischen Staatsanleihen: Die 10-jährigen US-Treasuries rentieren bei etwa 4,69 %, während japanische Anleihen nur ca. 2,84 % abwerfen. Diese Differenz begünstigt Kapitalflüsse in die USA und übt Druck auf den Yen aus. Der Markt schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung der Bank of Japan im September auf circa 65 %. Sollte es zu keiner Erhöhung kommen, könnte der Yen weiteren Abwärtsdruck erfahren.
Fishman ergänzt, dass eine Aussetzung der Zinsanhebung im September die Wahrscheinlichkeit neuer Interventionen erhöhen würde, da dadurch die Abwertungsrisiken für den Yen steigen würden. Andererseits könnten nachlassende Inflation und ein schwächerer Arbeitsmarkt in den USA den Druck auf den Yen mindern.
Japans nächste Schritte und Markterwartungen bleiben unsicher
Seit dem gemeinsamen Eingreifen von Japan und den USA im Juli hat Japan im April und Mai eigenständig interveniert, konnte aber die Yen-Abwertung nicht dauerhaft stoppen. Die Marktteilnehmer bleiben daher vorsichtig, wie sich der Yen mittelfristig entwickeln wird. Die Optionsmärkte zeigen erhöhte Bewertungen für kurzfristige Call-Optionen auf den Yen, was auf Zurückhaltung bei Investoren bezüglich einer nachhaltigen Erholung schließen lässt.
Abschließend hängt die Möglichkeit weiterer Yen-Interventionen stark von der künftigen Geldpolitik der Bank of Japan und der US-Notenbank sowie von der globalen Kapitalflussdynamik ab. Marktbeobachter behalten diese Entwicklungen genau im Blick, um Risiken und Chancen für Yen und verbundene Anlageklassen besser einschätzen zu können.