Bank of America-Chefökonom bestätigt drei Zinserhöhungen der Fed 2024
Aditya Bhave, Chefökonom bei Bank of America, bekräftigte nach der Veröffentlichung des Juli-Verbraucherpreisindex (CPI) seine Einschätzung, dass die US-Notenbank Fed im weiteren Jahresverlauf drei Zinserhöhungen durchführen wird. Im Juli stieg der Verbraucherpreisindex im Monatsvergleich um 0,1 % und im Jahresvergleich um 3,4 % – exakt im Rahmen der Erwartungen an den US-Kapitalmarkt.
Inflationszahlen stabil, aber geldpolitischer Druck bleibt
Obwohl die Inflationsdaten im Juli ohne Überraschungen ausfielen, sieht Bhave die Notwendigkeit, die geldpolitische Straffung fortzusetzen. Seiner Ansicht nach muss die Fed die im Vorjahr vorgenommenen, frühen und einmaligen Zinssenkungen um 75 Basispunkte korrigieren. Diese waren als Reaktion auf befürchtete Risiken auf dem Arbeitsmarkt erfolgt, die sich letztlich nicht materialisierten. Daher sei die aktuelle Zinsanhebung erforderlich, um die zuvor gesenkte geldpolitische Lockerung zurückzunehmen.
„Die Fed muss die 75 Basispunkte Senkung aus dem Vorjahr zurücknehmen, die damals als Vorsichtsmaßnahme gegen nicht eingetretene Risiken im Arbeitsmarkt erfolgte“, so Bhave.
Arbeitsmarkt zeigt sich trotz jüngster Sorgen robust
Die gemeldeten enttäuschenden Beschäftigungszahlen im Juli wertet Bhave als saisonale und statistische Schwankungen, die nicht die tatsächliche Marktlage widerspiegeln. Im Mittel seien im vergangenen Jahr monatlich rund 50.000 neue Stellen geschaffen worden, was angesichts der begrenzten Vergrößerung der Erwerbsbevölkerung als gesund beurteilt wird.
Anstieg der langfristigen Renditen unterstreicht Zinspfad
Bhave verweist zudem auf die Entwicklung der langfristigen Zinsen: Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen nähert sich mit rund 5,25 % wieder den Jahresanfangswerten, als die Fed die Zinserhöhungen pausierte. Ein vorzeitiger Stopp der Straffung könnte demnach zu einem Entkoppeln der langfristigen Zinsen führen und das Risiko von Inflationserwartungen sowie Marktverwerfungen erhöhen.
Sein Ausblick sieht eine erste Zinserhöhung im September vor, eine Verschiebung auf Dezember wäre das späteste Szenario. Vor den US-Zwischenwahlen im Oktober erwartet Bhave keine weiteren Schritte.
Unstimmige Marktmeinungen und vorsichtige Anleger
Nicht alle Marktbeobachter teilen Bhaves Prognose. Tom Porcelli, Chefökonom bei Wells Fargo, betrachtet die aktuelle Zinsphase als ausreichend und hält eine unveränderte Zinspolitik bis Ende 2026 für möglich. Gleichzeitig signalisiert das FedWatch-Tool der CME Group eine nur noch 42-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September.
Bhave bleibt dennoch bei seiner Einschätzung, dass selbst bei günstigen Konjunkturdaten die Kerninflation weiterhin über dem Ziel liegt und der Arbeitsmarkt sich auf einem Niveau befinde, das weitere Zinsschritte rechtfertige. Die geldpolitische Entscheidung im September gilt als Schlüsseltermin für die Entwicklung der US-Zinslandschaft im Jahresverlauf.
Die aktuelle Debatte reflektiert die Komplexität geldpolitischer Entscheidungen angesichts stabiler Inflation und eines robusten Arbeitsmarkts. Investoren sollten die kommenden Wirtschaftsdaten sowie offizielle Fed-Äußerungen aufmerksam verfolgen, um Auswirkungen auf Anleihe- und Aktienmärkte besser einschätzen zu können.