Goldpreis überschreitet 4500 USD-Marke – Reaktion auf veränderte Fed-Zinserwartungen
Am 12. September stieg der Dezember-Gold-Future an der New Yorker Warenterminbörse COMEX auf 4502,70 USD je Feinunze – der höchste Stand seit Mitte Juni. Auch der Spotpreis kletterte intraday um bis zu 1,6 % auf 4438,20 USD und notierte zuletzt bei 4422,34 USD, ein Tagesplus von 1,2 %. Diese Entwicklung setzt den Aufwärtstrend seit Dienstag fort, der die Edelmetalle über knapp zwei Monate hinweg unterstützt. Insbesondere die anhaltenden Käufe chinesischer und weiterer Zentralbanken bilden eine stabile Nachfragestütze.
Zeitgleich stieg der September-Silber-Future auf 66,98 USD und markierte damit den höchsten Stand seit Juni. Der aktuelle Spotpreis lag bei 65,54 USD, ein Plus von 0,9 %. Trotz dieser Erholung stehen Silberpreise allerdings im Jahresvergleich noch rund 8 % im Minus – belastet durch Marktvolatilität und geopolitische Spannungen. Platin und Palladium legten um 0,9 % bzw. 0,3 % zu und erreichten Preise von 1771,30 USD bzw. 1374 USD je Feinunze.
US-Inflationsdaten schwächen Zinserhöhungsrally – Zinsmärkte reagieren abwartend
Die jüngsten US-Verbraucherpreisdaten für Juli zeigen ein moderates Bild: Die monatliche Inflation stieg geringfügig um 0,1 % und lag im Jahresvergleich bei 3,4 %. Der Kernpreisindex, der volatile Lebensmittel- und Energiekosten außen vor lässt, nahm monatlich um 0,2 % zu und notiert mit 2,5 % Jahreswachstum am schwächsten seit März 2021. Zusätzlich verringerte sich die Beschäftigung im Juli laut Arbeitsmarktbericht um 23.000 Stellen, was auf eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums hindeutet. Solche moderaten Indikatoren mildern den Druck auf die US-Notenbank, kurzfristig weitere Zinserhöhungen durchzusetzen.
Am Terminmarkt sank die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf rund 40 %, während die Erwartung für Oktober von 75 % auf etwa 60 % zurückging – teils wird eine Verschiebung auf Dezember in Erwägung gezogen. Als Folge fiel die zweijährige US-Staatsanleiherendite leicht um drei Basispunkte auf 4,18 %, der US-Dollar blieb stabil. Gold reagiert sensibel auf Zinsentwicklungen, da es keine laufenden Erträge generiert.
Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei Saxo Bank, kommentierte, dass Gold bei etwa 4200 USD solide Unterstützung findet und die Widerstandszone knapp unter der 200-Tage-Linie bei rund 4500 USD verläuft. Der Dezember-Kontrakt hat diesen Widerstand bereits hinter sich gelassen, während der physische Goldpreis noch rund 80 USD darunter notiert.
Ölmarkt unter geopolitischem Einfluss – Preise schwanken trotz Edelmetallrally
Im Gegensatz zur stabilen Entwicklung bei Gold und Silber zeigt sich der Ölmarkt volatil. Die Preise für US-Leichtöl (WTI) schwankten um 83 USD je Barrel, während Brent-Rohöl die Wochengewinne verteidigte. Die Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus bleibt faktisch gesperrt, was eine bedeutende geopolitische Unsicherheit und damit Preisschwankungen verursacht. Pakistans Verteidigungsminister berichtete am 12. September, dass Washington und Teheran nahe an einer Übereinkunft für die Passage seien, während offizielle Statements weiter eine angespannte Haltung signalisieren. Seema Shah, leitende Strategin bei Principal Asset Management, betont, dass die anhaltende Blockade der Straße von Hormus kurzfristig den Inflationsdruck erhöht.
Bergbauaktien übertreffen physische Metalle – Anleger vermehrt optimistisch
Seit Ende Juli sind Gold- und Silberpreise um ca. 9 % bzw. 13 % gestiegen. Bergbauaktien zeigen eine noch deutlichere Aufwärtsdynamik mit mehreren zweistelligen Monatsgewinnen. Eldorado Gold legte im September um 33 % zu, Kinross Gold und Kirkland Lake Gold stiegen jeweils um 27 %. Weitreichendere Gewinne erzielten auch Agnico Eagle und Newmont mit zweistelligen Prozentzuwächsen. Weitere Vertreter wie Wheaton Precious Metals (+24 %), Pan American Silver (+22 %), Gold Fields (+19 %) und Royal Gold (+18 %) trugen zur positiven Branchenentwicklung bei. Barrick Gold kletterte im Monatsverlauf um 11 %, wobei es zeitweise durch die Einigung mit Newmont über ein 1,95 Mrd. USD schweres Minengebiet zu Kursschwankungen kam. Der weltweit größte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, erzielte im September Renditen von rund 9 %.
Diese parallele Entwicklung von Edelmetallen und Bergbauaktien spiegelt die markante Sensibilität der Märkte gegenüber geldpolitischen Entscheidungen der Fed, Inflationsentwicklung sowie geopolitischen Risiken wider und bleibt ein wichtiger Fokus für Investoren.