Binance hat nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der bei dem Hack am Donnerstag gestohlenen Vermögenswerte ersetzt. Der Schaden wird auf etwa 6,3 Milliarden US-Dollar beziffert. Das Unternehmen will den verbleibenden Betrag beschaffen und die Auszahlungen für Nutzer am 1. November wieder aufnehmen. Dafür hat Binance nach eigenen Angaben mehr als 6,34 Milliarden US-Dollar aus Unternehmensmitteln bereitgestellt; die Kundenguthaben sollen von dem Verlust unberührt bleiben.
Binance deckt den Großteil des Schadens aus eigenen Mitteln
Für den Ersatz der gestohlenen Vermögenswerte griff Binance auf mehrere Finanzierungsquellen zurück, darunter Unternehmensreserven. Die Rückzahlung umfasst Bitcoin, Ethereum, Tether und sieben weitere aktiv gehandelte Kryptowährungen. Bei den noch ausstehenden Vermögenswerten könne es länger dauern, die erforderlichen Währungen und Beträge zu beschaffen, teilte das Unternehmen mit.
Der Ersatz der Vermögenswerte und die Wiederaufnahme von Auszahlungen sind für Nutzer zwei getrennte Schritte. Binance konzentriere sich zunächst darauf, den Auszahlungsdienst wiederherzustellen; der Zeitplan für den 1. November sei weiterhin aktuell. Weitere Einzelheiten will die Börse bekannt geben, sobald die Vorkehrungen bestätigt sind. Wann der Betrieb vollständig wiederhergestellt ist, hängt von noch ausstehenden Informationen ab.
Ermittler prüfen weitere Angriffspunkte
Bei den ersten Untersuchungen ging Binance davon aus, dass der Laptop eines Mitarbeiters kompromittiert worden war und dies unautorisierte Abhebungen ermöglicht hatte. Später korrigierte das Unternehmen seine Einschätzung und erklärte, es habe „zusätzliche Angriffspunkte“ identifiziert.
Co-CEO Richard Teng sagte, mehr als ein Angreifer sei beteiligt gewesen. Die Täter hätten ausgefeilte Methoden eingesetzt, um ihre Spuren zu verwischen, darunter sogenannte „Selbstzerstörungsmechanismen“. Die Ermittlungen laufen weiter. Die bisher veröffentlichten Angaben erklären noch nicht vollständig, wie die Angreifer die nötigen Zugriffsrechte erlangten.
Mit Unterstützung von Strafverfolgungs- und Nachrichtendiensten sowie weiteren Partnern habe Binance rund 3 Milliarden US-Dollar an gestohlenen Vermögenswerten eingefroren. Auch der US Secret Service erklärte, gemeinsam mit Partnern aus der Privatwirtschaft an der Nachverfolgung, Sperrung und Rückgewinnung der Gelder zu arbeiten. Eingefrorene Vermögenswerte bedeuten jedoch nicht, dass der gesamte Schaden wieder eingebracht ist. Wie viel darüber hinaus zurückgeholt werden kann, hängt vom Fortgang der Ermittlungen ab.
Möglicherweise größer als der Bybit-Hack
Nach der bislang genannten Schadenshöhe könnte es sich um den bislang größten Krypto-Hack handeln. Damit würde der Vorfall den Diebstahl von rund 1,5 Milliarden US-Dollar bei der Börse Bybit im Jahr 2025 übertreffen. Das US-amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) hatte den Bybit-Angriff zuvor Nordkorea zugeschrieben. Das Land hat eine Beteiligung an solchen Angriffen bestritten.
Zwei Blockchain-Analyseunternehmen erklärten, ihnen lägen starke Hinweise auf eine mögliche Verbindung zur nordkoreanisch unterstützten Lazarus Group vor, die auch unter dem Namen TraderTraitor bekannt ist. Die Untersuchung von Binance dauert jedoch an; eine abschließende Zuordnung der Täterschaft gibt es bislang nicht. Für Nutzer bleiben vor allem die Höhe der betroffenen Vermögenswerte, die eingefrorenen Gelder und der Zeitplan für die Wiederaufnahme der Auszahlungen entscheidend.