Die britische Steuerbehörde HM Revenue & Customs (HMRC) hat jedem von ihr identifizierten Milliardär mit britischem Steuerbezug einen eigenen Compliance-Manager zugewiesen. Das gilt auch für Personen, die in Großbritannien keine Steuererklärung abgeben. Die Behörde hat weder die Zahl der erfassten Personen noch deren Namen veröffentlicht. Weitere Einzelheiten werden in einem Programm zur Betreuung vermögender Steuerpflichtiger erwartet, das noch 2026 erscheinen soll.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Zahl der Milliardäre im Register. Entscheidend ist auch, wie HMRC grenzüberschreitendes Vermögen und die damit verbundenen Gesellschaften, Trusts und sonstigen Rechtsträger erfasst. Da Kryptoplattformen ab 2027 Kundendaten an Steuerbehörden übermitteln müssen, werden digitale Vermögenswerte zunehmend in einen umfassenderen steuerlichen Informationsrahmen einbezogen.
HMRC ordnet Vermögen und verbundene Rechtsträger zu
Das National Audit Office teilte im vergangenen Jahr mit, dass HMRC Compliance-Manager für rund 15.000 vermögende Steuerpflichtige eingesetzt hatte. Das entsprach ungefähr 2 Prozent dieser Gruppe. Die Zuweisungen richteten sich dabei in erster Linie nach dem steuerlichen Risiko und nicht allein nach der Höhe des persönlichen Vermögens.
Der parteiübergreifende Public Accounts Committee des britischen Parlaments hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Zahl der Milliardäre im Vereinigten Königreich zwar vergleichsweise gering sei, die damit verbundenen Vermögenswerte und Steuerverpflichtungen jedoch erheblich seien. HMRC konnte bislang trotzdem nicht feststellen, wie viel Steuern Milliardäre insgesamt zahlen. Diese Informationslücke trug zur Einrichtung des neuen Registers bei.
Für den Aufbau nutzte HMRC eigene Steuerdaten, öffentlich zugängliche Informationen sowie Daten anderer staatlicher Stellen. Jeder Compliance-Manager untersucht eine vermögende Person und die mit ihr verbundenen Unternehmen, Trusts und weiteren rechtlichen Strukturen. Damit soll sich persönliches Vermögen besser mit Vermögenswerten verknüpfen lassen, die über komplexe nationale und internationale Strukturen verteilt sein können.
HMRC hat bisher nicht erklärt, ob das Register ausschließlich im Vereinigten Königreich steuerlich ansässige Personen umfasst. Auch eine konkrete Vermögensgrenze wurde nicht genannt.
Krypto-Vermögen ist kein eigenes Aufnahmekriterium
Die Steuerbehörde hat nicht bestätigt, ob Milliardäre in dem Register berücksichtigt werden, deren Vermögen teilweise oder überwiegend aus Krypto-Assets besteht. Aus Sicht der Steuerverwaltung entscheidet die Anlageklasse selbst – also etwa Token, Immobilien oder eine andere Vermögensform – nicht zwingend darüber, ob eine Person in die Betreuung vermögender Steuerpflichtiger fällt.
Die größere Veränderung könnte sich vielmehr aus der Menge und Qualität der künftig verfügbaren Daten ergeben. Das britische Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) ist im Januar 2026 in Kraft getreten. Nach diesem internationalen Standard müssen Plattformen Steuerbehörden Informationen über Kunden und Transaktionen bereitstellen. Nach den britischen Vorgaben sollen Börsen ab 2027 damit beginnen, Daten an HMRC zu übermitteln. Dadurch könnte die Behörde einen deutlich umfassenderen Einblick in Krypto-Bestände und Handelsaktivitäten erhalten.
HMRC verfügt bereits heute über bestimmte Informationen zu Einkünften aus Krypto-Assets. Nach Daten der britischen Regierung erklärten Steuerpflichtige im Steuerjahr 2024/25 Gewinne aus Krypto-Assets in Höhe von rund 1,38 Milliarden Pfund. Betroffen waren 17.600 Personen. Unter ihnen meldeten 240 Krypto-Millionäre zusammen Gewinne von etwa 717 Millionen Pfund.
HMRC verschickt mehr Erinnerungsschreiben zum Kryptohandel
Im selben Steuerjahr verschickte HMRC rund 65.000 Erinnerungsschreiben an Personen, bei denen der Verdacht auf Handel mit Krypto-Assets bestand. Im Vorjahr waren es 27.700 Schreiben gewesen. Die Briefe sollen Steuerpflichtige in der Regel dazu veranlassen, ihre Transaktionsunterlagen zu prüfen und ihre steuerlichen Erklärungspflichten zu erfüllen. Aus den öffentlich verfügbaren Informationen geht nicht hervor, ob alle Empfänger letztlich zu wenig Steuern gezahlt hatten.
Für vermögende Personen dürfte die nächste Phase über die Erfassung persönlicher Kontodaten hinausgehen. HMRC könnte Informationen aus Unternehmen, Trusts und ausländischen Plattformen miteinander abgleichen. Bei Haltern von Krypto-Assets könnten die von Börsen ab 2027 übermittelten Daten eine zusätzliche Grundlage schaffen, um die Vollständigkeit von Steuererklärungen zu prüfen.
HMRC will sein Programm zur Einhaltung steuerlicher Pflichten bei vermögenden Personen voraussichtlich bis Ende 2026 veröffentlichen. Bis dahin bleiben Umfang und genaue Kriterien des Registers offen. Im darauffolgenden Jahr sollen die von Börsen im Rahmen von CARF übermittelten Kundendaten in die Datensysteme der Behörde einfließen. Ob das derzeitige Register bereits Milliardäre mit Krypto-Vermögen umfasst, hat HMRC bislang nicht bestätigt.