Juli-Inflationsdaten entsprechen den Erwartungen
Das US-Arbeitsministerium meldete für Juli eine Verbraucherpreisinflation (CPI) von 3,4 % gegenüber dem Vorjahr, genau wie von Analysten prognostiziert. Die Kerninflation – ohne Lebensmittel und Energie – fiel leicht auf 2,5 % und lag damit etwas unter dem Juni-Wert von 2,6 %. Auf Monatsbasis stieg der Index im Juli um 0,1 %, nachdem er im Juni aufgrund gesunkener Energiepreise noch um 0,4 % gefallen war. Die Zahlen zeigen, dass sich die Inflationsraten zwar etwas abgeschwächt haben, jedoch weiterhin über dem langfristigen Ziel der Fed von 2 % liegen.
September-Zinsschritte der Fed bleiben offen
Laut Fed-Futures liegt die Wahrscheinlichkeit, die Zinsen bei der September-Sitzung unverändert zu lassen, bei 54,1 %, während die Chance auf eine Erhöhung um 25 Basispunkte bei 45,9 % steht. Diese Einschätzung hat sich in jüngster Zeit verändert, da zuvor noch eine größere Zinserhöhung als wahrscheinlich galt. Ein schwächer als erwarteter Arbeitsmarktbericht für Juli – mit einem Rückgang von 23.000 Stellen anstelle eines Plus von 80.000 – hat vorübergehend den Druck auf eine Zinserhöhung gemindert. Das Zusammenspiel von moderater Inflation und gedämpftem Arbeitsmarkt sorgt für Unsicherheit in Bezug auf die weitere geldpolitische Ausrichtung.
Uneinigkeit innerhalb der Fed bleibt
Seit dem Amtsantritt im Mai hält Fed-Präsident Kevin Walsh den Leitzins im Bereich von 3,50 % bis 3,75 %. Dabei gibt es nach wie vor unterschiedliche Meinungen im Offenmarktausschuss: Drei Mitglieder stimmten im Juli für eine Zinsanhebung, was auf weiterhin bestehende hawkish Stimmen hindeutet. Die präsentierten Inflationszahlen reichen momentan nicht aus, um eine eindeutige Wende in der Zinspolitik zu rechtfertigen, weshalb sich der Markt auf eine divergent bleibende Haltung einstellt.
Bitcoin reagiert zurückhaltend, Marktstimmung bleibt zwiegespalten
Nach Veröffentlichung der Daten bewegte sich der Bitcoin-Kurs um die Marke von 64.000 US-Dollar und verzeichnete lediglich einen leichten Rückgang von 0,2 % innerhalb von 24 Stunden. Diese Reaktion spiegelt eine abwartende Marktstimmung wider: Weder traten überraschende Inflationssteigerungen auf, die den Kurs massiv belasten könnten, noch wurden Softersignale für Zinssenkungen erzeugt. André Grachev, Mitgründer der Digital-Asset-Handelsfirma DWF Labs, beobachtet, dass die Absicherung gegen Kursverluste im Optionsmarkt weiterhin höher bewertet wird als die Absicherung gegen Kursgewinne oberhalb von 70.000 US-Dollar. Dies zeigt, dass die Marktteilnehmer die geldpolitische Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen.
Brancheneinschätzungen zu Inflation und Liquidität
Fabian Dori, CIO der Schweizer Digitalbank Sygnum, sieht in den Inflationszahlen eine Bestätigung für die allmähliche Abkühlung der Wirtschaft ohne akutes Rezessionsrisiko. Sollte sich der Rückgang der Energiepreise fortsetzen, könnten digitale Vermögenswerte davon profitieren und Stabilität zeigen. Er weist zugleich auf langfristige Liquiditätsfaktoren hin, die den Markt stärker beeinflussen, darunter Staatsanleihenbestände, Bankenregulierung, Private-Equity-Kredite und der Einsatz von Stablecoins.
Egi Jope, CIO der Vermögensverwaltung Theo, betont, trotz anhaltender geldpolitischer Zurückhaltung bleibe eine deutliche Diskrepanz zu Inflations- und Beschäftigungsdaten bestehen. Er bezeichnet die derzeitige Politik als „de facto locker“, sieht aber, dass Bitcoin in letzter Zeit weniger dynamisch agiert, während Gold eine aktivere Rolle spielt. Energiepreise und geldpolitische Unsicherheiten bleiben folglich zentrale Einflussfaktoren.
Ausblick auf weitere US-Konjunkturdaten
Vor der bevorstehenden Fed-Entscheidung werden der Arbeitsmarktbericht für August sowie die Kern-Personalausgaben (Core PCE) genau beobachtet. Sollten diese Daten die Juli-Entwicklung widerspiegeln, dürfte eine Zinspause wahrscheinlicher werden, was auch im digitalen Asset-Markt für Ruhe sorgen könnte. Andererseits würde eine erneute Beschleunigung der Inflation die Aussicht auf Zinserhöhungen verstärken und die Belastbarkeit von Kryptowährungen einer weiteren Prüfung unterziehen.