- Der Ölpreis ist stark gefallen und hat ein Viermonatstief erreicht, was die Inflationssorgen lindert und die Renditen von US-Staatsanleihen durchweg sinken lässt. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen erreichte mit 4,137 % ein Wochentief.
- Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im September die Zinsen anhebt, wird von den Fed-Funds-Futures-Händlern weiterhin mit 68 % bewertet. Der Markt richtet seine Aufmerksamkeit vollständig auf den bald veröffentlichten Kern-PCE-Preisindex für Mai.
- Die vom US-Finanzministerium ausgegebenen 70 Milliarden Dollar an fünfjährigen Staatsanleihen stießen auf schwache Nachfrage, wobei die Rendite mit 4,20 % den höchsten Stand seit Januar 2025 erreichte und einen Tail-Effekt auslöste.
Rückgang der Energiepreise löst Neubewertung am Anleihemarkt aus
Da die im Hormus-Straße festsitzenden Öltanker nach und nach abfahren, verschwindet die Unterbrechungsprämie, was zu einem starken Rückgang des Brent-Ölpreises um 3 % an einem Tag führt und direkt eine Short-Covering-Rallye am US-Anleihemarkt auslöst. Als wichtiger Indikator für mittelfristige Inflationserwartungen ist die fünfjährige Break-even-Inflationsrate von 2,74 % im Mai auf 2,20 % deutlich gesunken. Da Energiekosten ein wichtiger Faktor für die Erhöhung der Kerninflation sind, hat der Rückgang der Ölpreise kurzfristig die Angst des Anleihemarktes vor kostengetriebener Inflation gemildert, was zu einem Rückgang der Renditen von Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg führte.
Zinserhöhungspreisgestaltung vor dem Kern-PCE
Trotz der sinkenden Ölpreise spiegeln die absoluten Niveaus der Renditen von lang- und kurzfristigen Staatsanleihen weiterhin den Druck einer Straffung der Geldpolitik wider. Der Markt wartet derzeit auf den am Donnerstag veröffentlichten Inflationsbericht der US-Personalausgaben für Mai. Derzeit prognostizieren die Institute allgemein, dass der Kern-PCE-Preisindex im Mai um 0,3 % im Monatsvergleich steigen wird, während der Anstieg im Jahresvergleich 3,4 % erreichen wird, und der gesamte PCE-Anstieg im Jahresvergleich wird voraussichtlich 4,1 % betragen. Sollte der Kerninflationswert im Monatsvergleich nicht wie erwartet verlangsamt werden, könnte die Erwartung des Marktes, dass die Fed die Zinserhöhungen wieder aufnimmt, weiter gestärkt werden.
Abflachung der Renditekurve und Laufzeitprämie
Unter dem Einfluss der unklaren Zinserhöhungspfad zeigt die US-Staatsanleihen-Renditekurve weiterhin eine flache Struktur, wobei der Spread zwischen zweijährigen und zehnjährigen Staatsanleihen auf 25,9 Basispunkte weiter schrumpft. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel auf 4,398 %, den niedrigsten Stand seit dem 11. Mai; die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihen sank ebenfalls auf 4,849 %. Marktanalysten weisen darauf hin, dass mit dem Anstieg des Unsicherheitsindex der Geldpolitik die Anforderungen der Investoren an die Risikoprämie für langfristige Anleihen steigen könnten, was kurzfristig ein Aufwärtsrisiko für die Laufzeitprämie darstellt.
Verschiebung der Forward Guidance und Angebotsdruck
Die Fed hielt auf ihrer Juni-Sitzung den Leitzins unverändert, aber der neue Vorsitzende Walsh reichte keine persönlichen Prognosen im Dot-Plot ein, was Spekulationen auslöste, dass er die Forward Guidance schrittweise aufgibt. Sollte das Dot-Plot-System in Zukunft abgeschafft oder geändert werden, könnte der Markt aufgrund des Verlusts der politischen Verankerung stärker schwanken. Gleichzeitig lag die Rendite der am Mittwoch vom US-Finanzministerium ausgegebenen 70 Milliarden Dollar an fünfjährigen Staatsanleihen bei 4,20 %, fast 1 Basispunkt über der vor der Emission gehandelten Rendite, was zeigt, dass die Bereitschaft des Primärmarktes, mittelfristige Staatsanleihen zu absorbieren, unter dem Druck der wöchentlichen Emission von 183 Milliarden Dollar marginal unter Druck geraten ist.