- Der Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, Kashkari, bekräftigte bei einer Veranstaltung der Handelskammer in St. Paul, dass die Fed die Bekämpfung der Inflation äußerst ernst nimmt und betonte, dass die geopolitische Prämie aufgrund des jüngsten Konflikts im Iran den Aufwärtsdruck auf die Preise verstärkt.
- Die Einschätzung des Arbeitsmarktes durch die Entscheidungsträger hat sich marginal verbessert. Kashkari, einer der Mitglieder, die bei der April-Sitzung gegen die Entscheidung gestimmt haben, plädiert weiterhin dafür, die Option einer Zinserhöhung in der geldpolitischen Erklärung beizubehalten, was seine Vorsicht gegenüber einer zu frühen Lockerung zeigt.
- In Bezug auf die bevorstehende Bestätigung von Kevin Walsh als neuer Vorsitzender der Fed durch den Senat und die Forderungen der Exekutive nach Zinssenkungen betonte Kashkari, dass der Entscheidungsmechanismus des Federal Open Market Committee kollektiver Natur ist. Der Vorsitzende hat nur eine von zwölf Stimmen, und die Politik muss durch Konsens gesteuert werden.
Inflationspersistenz und Neupreisgestaltung der geopolitischen Prämie
Die jüngsten Entwicklungen der Makrodaten formen die Markterwartungen bezüglich des geldpolitischen Kurses der Fed neu. Kashkaris Äußerungen heben die Besorgnis des internen Falkenlagers über das aktuelle Preisniveau hervor. Obwohl der Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben in den letzten Quartalen Anzeichen einer Verlangsamung zeigte, führt der durch den Konflikt im Iran verursachte Störfall in der Ölversorgungskette zu einer Ausbreitung der Energiepreise auf die allgemeine Inflation. Diese angebotsseitig bedingte importierte Inflation schränkt den politischen Spielraum der Fed bei der Nachfragesteuerung erheblich ein. Sollte der Ölpreis hoch bleiben, könnte der Anstieg der Wareninflation die Bemühungen zur Abkühlung der Dienstleistungsinflation zunichtemachen und die Märkte zwingen, ihre Erwartungen an den Endwert des Federal Funds Rate in diesem Jahr neu zu bewerten.
Politische Implikationen der marginalen Verbesserung des Arbeitsmarktes
In Bezug auf die Beschäftigungsdaten stellte Kashkari fest, dass sich der Arbeitsmarkt im Vergleich zu Anfang des Jahres leicht verbessert hat. Diese Aussage spiegelt wider, dass das Missverhältnis zwischen der Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze und der offenen Stellenquote allmählich behoben wird. Doch die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet sie eine Grundlage für eine sanfte Landung der US-Wirtschaft; andererseits könnte der Trend zu einem soliden Lohnwachstum in eine anhaltende Kaufkraft der Verbraucher umschlagen und damit der Inflation eine dauerhaftere Grundlage bieten. In diesem Zusammenhang könnte ein zu frühes Signal der Fed für Zinssenkungen zu einer zu schnellen Lockerung der finanziellen Bedingungen führen und die Ergebnisse des vorherigen Straffungszyklus gefährden.
Machtbalance im Federal Open Market Committee
Mit dem Fortschreiten des politischen Zyklus in Washington rückt der Führungswechsel bei der Fed in den Fokus der Kapitalmärkte. Donald Trump hat klar seine Erwartung geäußert, dass unter der neuen Führung ein Zinssenkungszyklus eingeleitet wird, was die Unabhängigkeit der Zentralbank unter öffentliche Beobachtung stellt. Kashkaris Antwort auf diese Frage zeichnete ein klares Bild der internen Governance-Struktur des Federal Open Market Committee. Obwohl der Vorsitzende bei der Agenda-Setzung und der Kommunikation mit dem Kongress außergewöhnlichen Einfluss hat, muss die endgültige Entscheidung über den Leitzins nach gründlicher Debatte und Abstimmung der stimmberechtigten Mitglieder getroffen werden. Dieses institutionelle Design glättet mechanisch den Einfluss eines Führungswechsels auf die Kontinuität der Geldpolitik.
Potenzielle Aufwärtskorrektur des Endzinssatzes
Bei der geldpolitischen Sitzung im April plädierte Kashkari dafür, in der nachfolgenden Erklärung eine Offenheit für Zinserhöhungen zu zeigen, was in der aktuellen komplexen externen Umgebung besonders wichtig erscheint. Sollte sich die Inflationsdaten in den nächsten zwei Monaten als hartnäckiger erweisen oder geopolitische Konflikte zu einem strukturellen Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf den Rohstoffmärkten führen, ist es nicht ausgeschlossen, dass mehr Mitglieder in der Punktprognose der wirtschaftlichen Projektionen den Zinsmittelwert anheben. Marktteilnehmer verarbeiten derzeit hauptsächlich das Ausmaß der Zinssenkungen in diesem Jahr, aber die Preisgestaltung der Tail-Risiken auf dem Optionsmarkt beginnt bereits, den Bedarf an Absicherung gegen eine unveränderte oder sogar erneut straffere Politik widerzuspiegeln.