- US-Präsident Trump hat den Plan für einen Militärschlag gegen den Iran abgesagt, wodurch die Sorgen des Marktes über eine Eskalation des geopolitischen Konflikts in der Straße von Hormus deutlich abnahmen und die internationalen Ölpreise um über 2% fielen.
- Die Brent- und WTI-Rohöl-Futures fielen im Tagesverlauf um jeweils über 2 Dollar und unterschritten die Marken von 89 Dollar bzw. 86 Dollar, womit sie die gesamte geopolitische Prämie, die Anfang der Woche durch gegenseitige Angriffe entstanden war, wieder abgaben.
- Die OPEC hat zum zweiten Mal in Folge die Prognose für das globale Öl-Nachfragewachstum im Jahr 2026 auf 970.000 Barrel pro Tag gesenkt, wobei die schwache Nachfrageprognose und die Entspannung der Angebotsseite gemeinsam Druck auf die Ölpreise ausüben.
Geopolitische Prämie schnell abgegeben
US-Präsident Trump stoppte in letzter Minute den Angriffsplan gegen den Iran und erklärte, dass die Verhandlungen mit Teheran einen Durchbruch erzielt hätten. Die US-Seite gab bekannt, dass ein Friedensabkommen zur Wiedereröffnung der Schifffahrt in der Straße von Hormus möglicherweise bereits an diesem Wochenende unterzeichnet werden könnte. Obwohl die iranische Regierung vorsichtig bleibt und erklärt, dass noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde, hat der Rohstoffmarkt schnell und entschlossen reagiert. Am Freitag während der asiatischen Handelssitzung fiel der Brent-Rohöl-Future um 2,11 Dollar, ein Rückgang von 2,3%, auf 88,27 Dollar pro Barrel; der WTI-Rohöl-Future fiel um 1,90 Dollar, ein Rückgang von 2,2%, auf 85,81 Dollar pro Barrel.
Fragiles Waffenstillstandsabkommen und potenzieller Angebotsschock
Obwohl die geopolitische Pattsituation vorübergehend entschärft wurde, bleiben Finanzinstitute hinsichtlich der langfristigen Stabilität der Rohölversorgungskette vorsichtig. Die ING wies in ihrem neuesten Bericht darauf hin, dass die Annahme, dass der Waffenstillstand anhalten wird, mit Vorsicht zu genießen ist, da es an wesentlichen Fortschritten in den Nuklearverhandlungen mangelt und das Abkommen, das möglicherweise an diesem Wochenende unterzeichnet wird, leicht scheitern könnte. Analysten warnen, dass, wenn das tatsächliche Angebot auf dem Rohstoffmarkt bis Ende Juli keine wesentliche Erholung zeigt, der globale Rohölmarkt einen dramatischen Wendepunkt in den Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage erleben könnte, wobei die Lagerbestände niedrig sind und die saisonale Nachfrage im Sommer zunimmt, was die Ölpreise in der zweiten Jahreshälfte auf 120 bis 130 Dollar pro Barrel treiben könnte.
Zweifache Senkung der Nachfrageprognosen
Während die Störungen auf der Angebotsseite nachlassen, verschlechtert sich auch die Unterstützung der Fundamentaldaten auf der Nachfrageseite marginal. Die OPEC hat in ihrem am Donnerstag veröffentlichten neuesten Monatsbericht die Prognose für das globale Öl-Nachfragewachstum im Jahr 2026 von zuvor 1,17 Millionen Barrel pro Tag auf 970.000 Barrel pro Tag gesenkt. Dies ist der zweite Monat in Folge, in dem die Organisation ihre Prognose für die Ölnachfrage im Jahr 2026 senkt, was hauptsächlich die Belastung des Energieverbrauchs durch die verlangsamte Erholung der Kernwirtschaften weltweit widerspiegelt. Das Nachlassen der geopolitischen Risikoprämie auf der Angebotsseite und die anhaltend sinkenden Erwartungen auf der Nachfrageseite haben kurzfristig eine Resonanz erzeugt, die den Anpassungsdruck auf die Rohölpreise verstärkt.
Wichtige technische Unterstützung und Neubewertung der Optionspreise
Aus technischer Sicht und in Bezug auf die Optionsmarktpreise liegt der Fokus des kurzfristigen Kampfes zwischen Bullen und Bären auf dem Verlust oder Gewinn wichtiger Preisbereiche. IG-Marktanalyse zeigt, dass, obwohl die Abkühlung der geopolitischen Krise zu einer vorübergehenden Gewinnmitnahme bei Long-Positionen geführt hat, die gesamte Risikostruktur des Rohölmarktes weiterhin aufwärts gerichtet bleibt, solange die Preise für Brent und WTI-Rohöl über den wichtigen technischen Unterstützungsniveaus von etwas über 80 Dollar pro Barrel bleiben. Sollte das Friedensabkommen nicht wie geplant umgesetzt werden oder die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus erneut bedroht sein, wird die Volatilitätsprämie auf dem Optionsmarkt wieder ansteigen und eine Neubewertung der Marktpreise erzwingen.