Ein attraktives Setup am Devisenmarkt setzt nicht zwangsläufig ein hohes Risiko voraus. Entscheidend ist ein technisches Niveau nahe am Einstieg, das die ursprüngliche Einschätzung bestätigen oder widerlegen kann. Hält dieses Niveau, kann sich das Währungspaar wie erwartet entwickeln. Wird es gebrochen, lässt sich die Position mit einem vergleichsweise begrenzten Verlust schließen.
Dahinter steht der Grundgedanke, mit einem klar definierten kleineren Risiko ein größeres mögliches Aufwärtspotenzial zu verfolgen. Das bedeutet nicht, dass der Trade profitabel sein wird. Der Händler weiß vielmehr bereits vor dem Einstieg, wie viel er maximal verlieren kann und in welche Richtung sich der Markt bewegen muss, damit die Position weiterhin sinnvoll bleibt.
Technische Marken begrenzen das Risiko
Gleitende Durchschnitte, Fibonacci-Retracements, frühere Hochs und Tiefs sowie Trendlinien werden häufig genutzt, um mögliche Einstiegs- und Ausstiegsbereiche zu bestimmen. Keine dieser Marken garantiert eine Umkehr. Jede kann jedoch einen konkreten Bezugspunkt für den Handelsplan liefern.
Befindet sich ein Währungspaar beispielsweise in einem Aufwärtstrend und fällt auf einen steigenden 100-Stunden-Durchschnitt zurück, beobachten Händler, ob dieser Durchschnitt erneut Käufer anzieht. Wer in der Nähe dieser Marke kauft, kann einen Bruch darunter als Hinweis werten, dass die ursprüngliche Einschätzung nicht mehr gültig ist, und die Position entsprechend schließen.
Ein gleitender Durchschnitt garantiert keine Erholung, und kein technischer Indikator bietet Gewissheit. Sein Nutzen liegt darin, das Risikomanagement an einem konkreten Kursniveau auszurichten. So kann bereits vor dem Einstieg festgelegt werden, wo der Ausstieg erfolgt, falls sich die Analyse als falsch erweist.
Vor dem Einstieg die These prüfen
Vor der Eröffnung einer Position sollte eine Frage beantwortet werden: Bei welchem Kurs ist die eigene Einschätzung nicht mehr gültig?
Liegt dieses Niveau relativ nahe am Einstieg und wird es durch das Marktverhalten bestätigt, lässt sich das potenzielle Risiko meist leichter kontrollieren. Fehlt ein klarer Punkt für die Widerlegung der These, muss der Stop möglicherweise deutlich weiter entfernt platziert werden. Im Verlauf des Trades besteht dann zudem die Gefahr, dass die tolerierte Verlustspanne schrittweise ausgeweitet wird.
Ziel ist nicht, Verluste vollständig auszuschließen. Verluste gehören zum Handel. Wichtiger ist, jeden einzelnen Verlust in einem akzeptablen Rahmen zu halten und profitablen Positionen zugleich genügend Raum für ihre Entwicklung zu geben. Technische Marken helfen daher nicht nur bei der Begründung eines Einstiegs, sondern auch bei der Festlegung des Ausstiegs.
Chance-Risiko-Verhältnis vorab berechnen
Kauft ein Händler nahe einer technischen Unterstützung und begrenzt das Risiko auf 20 Pips, während das nächste wichtige Ziel 60 Pips über dem Einstieg liegt, beträgt das mögliche Gewinnpotenzial ungefähr das Dreifache des möglichen Verlusts.
Das bedeutet nicht, dass der Trade tatsächlich 60 Pips Gewinn bringen wird. Es beschreibt lediglich eine vergleichsweise günstige Struktur zwischen dem festgelegten Risiko und der möglichen Rendite. Sind durchschnittliche Gewinntrades größer als durchschnittliche Verlusttrades, muss ein Händler nicht bei jeder Position richtig liegen. Das langfristige Ergebnis hängt dennoch von Wahrscheinlichkeiten sowie von der Verteilung der Gewinne und Verluste ab.
Umgekehrt kann auch eine hohe Trefferquote das Handelskonto belasten, wenn die Verlusttrades regelmäßig größer ausfallen als die Gewinntrades. Einstiegskurs, Stop-Level, Kursziel und Positionsgröße müssen deshalb als Bestandteile eines einheitlichen Plans betrachtet werden.
Bei einem Markenbruch den Plan einhalten
Nach der Eröffnung eines Trades sollte das zu Beginn ausgewählte technische Niveau der wichtigste Bezugspunkt bleiben. Hält eine Unterstützung oder ein Widerstand und bewegt sich der Kurs anschließend wie erwartet, kann der Händler das nächste technische Ziel beobachten. Je nach Handelsplan lässt sich der Stop im weiteren Verlauf anpassen, um das verbleibende Risiko zu reduzieren oder einen Teil des bestehenden Gewinns abzusichern.
Wird eine wichtige Marke dagegen eindeutig gebrochen, sollte dieses Signal ernst genommen werden. Wer darauf wartet, dass sich der Markt von selbst wieder dreht, kann aus einem kontrollierbaren kleinen Verlust einen deutlich größeren machen. Käufer oder Verkäufer mögen an der betreffenden Marke zunächst eine Gelegenheit gesehen haben. Dass sie den Kurs anschließend nicht wie erwartet bewegen konnten, ist jedoch selbst eine neue Information über das Marktgleichgewicht.
Ein weiteres häufiges Problem ist ein zu weit gesetzter Stop. Ein größerer Abstand verringert zwar die Wahrscheinlichkeit, dass kurzfristige Schwankungen die Position auslösen. Gleichzeitig steigt aber das eingesetzte Kapitalrisiko. Wird der Stop nach einer Bewegung gegen die Position noch weiter entfernt, ersetzt die Emotion die ursprüngliche Disziplin.
Kontrollierter ist es, Einstieg, Ungültigkeitsniveau und mögliches Kursziel vor der Eröffnung festzulegen. Die Positionsgröße wird anschließend an den Stop-Abstand angepasst, sodass ein ausgelöster Stop weiterhin zu einem akzeptablen Verlust führt.
GBP/USD testet Unterstützung bei 1,3321
GBP/USD liefert dafür ein konkretes Beispiel. Das Währungspaar notiert seit den vergangenen beiden Handelssitzungen unter einem fallenden 100-Stunden-Durchschnitt und unter dem 50%-Mittelpunkt der jüngsten Handelsspanne bei 1,34067. Diese Signale zeigen, dass Verkäufer weiterhin vergleichsweise aktiv sind.
Gleichzeitig hat das Paar wiederholt Unterstützung in einer früheren Swing-Zone zwischen 1,3321 und 1,3343 gefunden. GBP/USD war am vergangenen Donnerstag und Freitag in diesen Bereich gelaufen und hatte sich anschließend erholt. Im Verlauf dieser Handelswoche kehrte das Paar in die Zone zurück und markierte den niedrigsten Stand seit dem 29. Juli. Am unteren Rand des Swing-Bereichs traten jedoch erneut Käufer auf.
Nachhaltiger Aufwärtsdruck fehlt dem Markt bislang. Zugleich ist es ihm nicht gelungen, die Unterstützungszone klar nach unten zu verlassen. Damit wird 1,3321 für kurzfristig orientierte Händler zu einer wichtigen Beobachtungsmarke. Ein Kauf nahe der Unterstützung würde nicht bedeuten, dass sich der übergeordnete technische Trend ins Positive gedreht hat. Das Niveau bietet jedoch einen relativ klaren Punkt, an dem sich das Risiko definieren lässt.
Stop etwa 10 bis 15 Pips unter der Unterstützung
Wer nahe 1,3321 kauft, könnte einen Stop ungefähr 10 bis 15 Pips unterhalb dieser Marke in Betracht ziehen. Bricht das Paar unter das Tief der Swing-Zone und bleibt darunter, wäre die ursprüngliche Handelslogik widerlegt. Die Position sollte dann entsprechend dem festgelegten Plan geschlossen werden.
Natürlich ist nicht garantiert, dass die Unterstützung hält. Sie ermöglicht jedoch eine Schätzung des möglichen Verlusts, bevor der Trade eröffnet wird. In diesem Beispiel lässt sich das Risiko auf rund 10 bis 15 Pips unterhalb von 1,3321 begrenzen, anstatt die Ausstiegsentscheidung erst nach einem weiteren Kursrückgang zu treffen.
Erste Kursziele liegen bei 1,3343 und 1,3371
Hält die Unterstützung bei 1,3321, müsste GBP/USD zunächst die Oberseite der Swing-Zone bei 1,3343 zurückerobern. Ein Anstieg über diese Marke würde einen kurzfristigen Fortschritt der Käufer anzeigen, den übergeordneten technischen Bias aber noch nicht verändern.
Der wichtigere Widerstand liegt am fallenden 100-Stunden-Durchschnitt, der derzeit nahe 1,3371 verläuft. Erst ein Bruch über diesen Durchschnitt und eine anhaltende Bewegung darüber würden darauf hindeuten, dass die Kontrolle der Verkäufer über den kurzfristigen Trend nachlässt. Darüber hinaus rücken das 50%-Retracement bei 1,34067 sowie der 200-Stunden- und der 100-Tage-Durchschnitt bei rund 1,3432 in den Blick.
Von der Unterstützung bei 1,3321 bis zum Mittelpunkt bei 1,34067 ergibt sich ein mögliches Aufwärtspotenzial von etwa 60 bis 70 Pips. Dem steht ein definiertes Abwärtsrisiko von rund 10 bis 15 Pips gegenüber. Das ergibt ein vergleichsweise günstiges Chance-Risiko-Verhältnis, bedeutet aber nicht, dass der Kurs eines der Ziele erreichen wird.
Das Risiko lässt sich bestimmen, der Gewinn nicht
Bei einem solchen Trade kann das Risiko vor dem Einstieg geschätzt werden, der spätere Gewinn jedoch nicht. GBP/USD könnte sich nur moderat von der Unterstützung erholen, bei 1,3343 ins Stocken geraten oder bereits vor dem fallenden 100-Stunden-Durchschnitt erneut auf Verkaufsdruck stoßen.
Erst wenn das Paar diese Hürden nacheinander überwindet, würde 1,34067 zu einem realistischeren Beobachtungsniveau. Auch dann wäre ein Kauf an der Unterstützung lediglich ein Handelsversuch mit vergleichsweise klar definiertem Risiko. Am übergeordneten Marktbild, in dem die Verkäufer weiterhin im Vorteil sind, würde sich dadurch nicht automatisch etwas ändern.
Im Mittelpunkt des Plans steht daher zunächst die Frage, an welchem Punkt die Analyse widerlegt wäre. Anschließend werden Positionsgröße und Stop-Abstand an dieses Risiko angepasst. Gibt 1,3321 nach, sollte der begrenzte Verlust akzeptiert werden. Hält die Unterstützung und überwindet GBP/USD die darüberliegenden Marken nacheinander, kann sich die Position entsprechend dem vorab festgelegten Plan weiterentwickeln.