Ein Verbund bislang nicht identifizierter Wallets hat rund 290 Millionen USDC wiederholt um Mitternacht zwischen Aave und Sky verschoben. Während die Mittel vorübergehend abflossen, stieg Aaves mediane Auslastung im Oktober auf 99,6 Prozent und der annualisierte mediane Kreditzins von 4,5 auf 13,8 Prozent. Für Einleger stand in dieser Zeit weniger USDC zur Auszahlung bereit; zugleich verteuerten sich Kredite aus dem Pool.
Transfers in 394 aufeinanderfolgenden Nächten
Das Blockchain-Analyseunternehmen Bitquery teilte am 28. Oktober mit, dass die Transfers jeweils ungefähr um Mitternacht UTC stattfinden. Etwa 134 Millionen USDC stammen aus Aave, der Rest aus Sky. Seit dem 30. September 2025 bewegte der Wallet-Verbund die Stablecoins 394 Nächte in Folge zu dieser Uhrzeit. Frühere nächtliche Transfers gehen Bitquery zufolge bis in den Juli 2024 zurück.
Dauerhaft verlassen die Mittel die Protokolle in der Regel nicht: Nach etwa 30 Minuten kehren die USDC meist zurück. Der Liquiditätsengpass und der Zinsanstieg konzentrieren sich daher auf die Zeit zwischen Abfluss und Rückkehr. Solange das Geld fehlt, kann Aaves Pool jedoch kaum frei verfügbare USDC enthalten. Das kann Einleger daran hindern, ihre Mittel kurzfristig abzuheben.
Aave standen zeitweise weniger als 46 Millionen USDC zur Verfügung
Die mediane Auslastung von Aaves USDC-Pool erhöhte sich im Oktober von 94 auf 99,6 Prozent. Damit war nahezu das gesamte eingezahlte Kapital verliehen. An sechs Nächten erreichte die Auslastung laut Bitquery 100 Prozent; für Auszahlungen blieb dann fast kein unverliehener USDC-Bestand übrig.
Die Transaktionen vom 26. auf den 27. Oktober zeigen die Größenordnung: Vor dem Transfer waren bei Aave rund 173 Millionen USDC verfügbar. Anschließend wurden 134,1 Millionen USDC abgezogen – etwa 78 Prozent des verfügbaren Betrags. Bis zur Rückkehr der Mittel blieben weniger als 46 Millionen USDC für andere Einleger unmittelbar verfügbar.
Aave passt die Kreditzinsen automatisch an Angebot und Nachfrage im jeweiligen Pool an. Bitquery-Daten zufolge stieg der mediane annualisierte Kreditzins für USDC nach dem Abfluss von 4,5 auf 13,8 Prozent und sank wieder, als die Mittel zurückkehrten. Der höhere Satz galt nur, solange die Liquiditätslücke bestand. Wie viel zusätzliche Zinsen Kreditnehmer zahlten, hing deshalb von der Dauer des Engpasses ab.
Wallet-Inhaber und möglicher Anreiz sind unklar
Wem die Wallets gehören und warum die Mittel bewegt werden, ist nicht bekannt. Weil die Transfers regelmäßig um Mitternacht stattfinden und die USDC in einer einzelnen Wallet bündeln, wurde über einen Zusammenhang mit Stablecoin-Prämien spekuliert, die anhand eines Kontostands zu einem bestimmten Zeitpunkt berechnet werden könnten. Bitquery zufolge könnte ein täglicher Kontostand-Snapshot theoretisch Vorteile für Inhaber bringen. Belege dafür, dass die Wallets zusätzliche Prämien erhielten, gibt es jedoch nicht.
Coinbase hat nicht öffentlich erläutert, zu welchem Zeitpunkt es die Bestände für seine USDC-Prämien erfasst. Auch die Untersuchung konnte nicht feststellen, ob die Wallet zusätzliche Zahlungen erhielt. Daten von Aavescan zeigen, dass Aaves Kreditzins von 13,27 Prozent um Mitternacht UTC am 28. Oktober auf 5,45 Prozent um Mitternacht am 29. Oktober fiel. Bei der jüngsten Beobachtung hatte sich der Liquiditätsdruck damit abgeschwächt. Eigentümer und Motiv der Wallets sowie eine mögliche Fortsetzung der Transfers bleiben ungeklärt.