Twilio hat im dritten Quartal Umsatz und bereinigten Gewinn stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Der Ausblick für das laufende Quartal und Anzeichen eines nachlassenden organischen Wachstums dämpften jedoch die Stimmung: Nach Vorlage der Zahlen am Donnerstag nach US-Börsenschluss verlor die Aktie im nachbörslichen Handel mehr als 12 Prozent und notierte bei 210,98 US-Dollar.
Umsatz steigt um 20 Prozent, bereinigter Gewinn um 32 Prozent
Im Quartal bis Ende September erzielte der Cloud-Kommunikationsanbieter einen bereinigten Gewinn von 1,65 US-Dollar je Aktie. Das waren 32 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf 1,56 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten mit 1,47 US-Dollar Gewinn je Aktie und Erlösen von 1,515 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Die übertroffenen Prognosen räumten Fragen zur Zusammensetzung und Beständigkeit des Wachstums nicht aus. Rund drei Viertel des Umsatzes stammen aus nutzungsabhängigen Diensten, während auch das Abo-Geschäft wächst. Anleger achten darauf, ob Twilios organisches Wachstum im Kerngeschäft das bisherige Tempo halten kann.
Q4-Prognose leicht über Konsens, Aktie gibt dennoch nach
Für das im Dezember endende Quartal erwartet Twilio einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden US-Dollar, einschließlich Beiträgen aus Übernahmen. Die Analystenschätzung lag bei 1,583 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stellte das Unternehmen 1,48 bis 1,53 US-Dollar in Aussicht; der Konsens betrug 1,49 US-Dollar.
Trotz der leicht über den Erwartungen liegenden Umsatzprognose fiel die Aktie nachbörslich deutlich. Vor der Zahlenvorlage hatte sie 2026 rund 70 Prozent zugelegt und am 6. Oktober mit 308,40 US-Dollar ein Hoch erreicht. Die Reaktion spiegelt die Abwägung der Anleger zwischen den Wachstumssignalen und dem Ausblick einerseits und dem starken vorherigen Kursanstieg andererseits wider.
Voice AI erweitert Twilios Angebot für Unternehmen
Auch Twilio Voice AI rückt stärker in den Blick. Mit dem neuen Produkt können Unternehmen Sprachagenten entwickeln, die Kunden am Telefon verstehen und natürlich antworten sollen. Dadurch kann der Bedarf an menschlichen Mitarbeitern für bestimmte Anrufe sinken.
Twilio wurde 2008 gegründet und bietet eine Cloud-Kommunikationsplattform. Entwickler können über Programmierschnittstellen (APIs) Sprach-, Text- und Videofunktionen in Anwendungen integrieren. CEO Khozema Shipchandler, der das Amt im Januar 2024 übernahm, konzentriert sich auf Kostensenkungen, höhere operative Margen und die Neuausrichtung älterer Technologiebereiche auf Anwendungen für Unternehmens-KI.
Anleger beobachten Margen und Wachstumstempo
Twilio ist weiterhin stark von nutzungsabhängigen Erlösen geprägt. Das wachsende Abo-Geschäft gibt zugleich Aufschluss darüber, wie sich der Umsatzmix verändert. Die Kursreaktion zeigt, dass ein Umsatz- und Gewinnplus gegenüber den Quartalserwartungen die Sorgen um das künftige Wachstum nicht beseitigte – besonders nach den kräftigen Kursgewinnen vor der Veröffentlichung.
Vor den Zahlen lag Twilios Composite Technical Rating bei 95 von 99 Punkten; das Accumulation/Distribution-Rating betrug D. Das Composite-Rating bündelt mehrere Kennzahlen zur Aktie. Das Accumulation/Distribution-Rating bewertet anhand der Kurs- und Volumenentwicklung der vorangegangenen 13 Wochen den Kauf- und Verkaufsdruck. Beide Indikatoren erfassen andere Faktoren als die Gewinnprognose des Unternehmens.