Samsung Electronics und SK hynix haben im dritten Quartal jeweils Rekordergebnisse erzielt, doch die Aktien entwickelten sich unterschiedlich. Samsung verlor am Donnerstag im südkoreanischen Handel 4,1 Prozent, während SK hynix im Wochenverlauf 19,2 Prozent zulegte. Im Fokus der Anleger stehen neben der Nachfrage nach KI-Speicherchips auch die konkreten Ausschüttungen an Aktionäre und die Frage, wie lange die hohen Chippreise Bestand haben.
Samsung meldet Rekordumsatz und -betriebsgewinn
Samsung erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von 19,53 Billionen Won, umgerechnet rund 145,8 Milliarden US-Dollar, und einen Betriebsgewinn von 10,74 Billionen Won beziehungsweise etwa 80,4 Milliarden US-Dollar. Beide Werte waren Rekorde. Der Betriebsgewinn lag 782,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Nach Unternehmensangaben ist Samsung das erste südkoreanische Technologieunternehmen mit einem Betriebsgewinn von mehr als 10 Billionen Won.
SK hynix kam auf einen Umsatz von 10,46 Billionen Won (rund 78,1 Milliarden US-Dollar) und einen Betriebsgewinn von 8,33 Billionen Won (etwa 62,2 Milliarden US-Dollar). Damit überschritt der Umsatz erstmals die Marke von 10 Billionen Won. Beide Unternehmen übertrafen ihre eigenen Erwartungen und die Analystenschätzungen. Anleger bewerteten die Ergebnisse und die anschließenden Schritte der Konzerne jedoch unterschiedlich.
Samsungs Ausschüttungsplan bleibt offen
Die Samsung-Aktie war vor der Veröffentlichung der Zahlen gestiegen, drehte dann aber und schloss am Donnerstag 4,1 Prozent im Minus. Damit gab sie einen Teil der Kursgewinne vom Vortag wieder ab, als Halbleiterwerte zugelegt hatten. Die kurzfristige Enttäuschung galt weniger den Geschäftszahlen als den fehlenden Details dazu, wie Samsung zusätzliche Mittel an die Aktionäre zurückgeben will.
Samsung hat für das dritte Quartal eine Gesamtdividende von 30 Billionen Won, rund 22,4 Milliarden US-Dollar, angekündigt. Zusätzlich stellte der Konzern weitere Rückzahlungen an Aktionäre in Höhe von 55 bis 75 Billionen Won in Aussicht. Wie viel davon auf Bardividenden und wie viel auf Aktienrückkäufe entfällt, ist noch offen. Eine Entscheidung soll erst bei einer Verwaltungsratssitzung Ende Januar fallen. Beide Formen können langfristigen Aktionären zugutekommen; Zeitpunkt und Umfang möglicher kurzfristiger Barausschüttungen bleiben jedoch unklar.
SK hynix hat seine Pläne konkreter beziffert: Das Unternehmen will in diesem Jahr insgesamt 100 Milliarden Won an die Aktionäre zurückgeben, darunter mindestens 30 Milliarden Won an Dividenden. Am Mittwoch kündigte es eine Dividende für das dritte Quartal von 14 Milliarden Won sowie einen Aktienrückkauf im Umfang von 20 Milliarden Won an. Einen weiteren, im August angekündigten Rückkauf über 40 Milliarden Won hatte SK hynix bereits in der Vorwoche abgeschlossen. Die Dividende beträgt 20.000 Won je Aktie. Sie wird zur Hälfte aus dem Gewinn finanziert und zur Hälfte als Sonderdividende aus Erlösen der Beteiligung am japanischen Unternehmen Kioxia Holdings.
Halbleiteraktien entwickeln sich unterschiedlich
SK hynix konzentriert sich auf High-Bandwidth Memory (HBM), das in Prozessoren für KI-Anwendungen eingesetzt wird. Samsung ist breiter aufgestellt und produziert unter anderem Unterhaltungselektronik und Speicherchips. Im abgelaufenen Quartal trug das Speicherchipgeschäft jedoch einen großen Teil zum Rekordergebnis bei. Die US-amerikanische Micron Technology verlor am Donnerstag 4,0 Prozent und damit ähnlich viel wie Samsung. Micron hatte zuletzt am 30. September Geschäftszahlen vorgelegt und an diesem Tag keine neuen Unternehmensnachrichten veröffentlicht. Der Kursrückgang spiegelte die Enttäuschung über Samsung und Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, wider.
Bei Halbleiteraktien kommt es häufig zu einem „Sell the News“-Effekt: Steigende Erwartungen können dazu führen, dass selbst besser als prognostizierte Ergebnisse keinen weiteren Kursanstieg auslösen. Zugleich investieren große Cloudanbieter wie Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle weiter in KI-Infrastruktur. Auch SpaceX zählt zu den in diesem Zusammenhang genannten großen Käufern. Diese Ausgaben können die Speichernachfrage stützen. Zweifel daran, ob Cloudunternehmen zu viel investieren, können dagegen auf die Zulieferer durchschlagen.
Steigende Speicherpreise werfen Fragen zum Zyklus auf
Die Preisentwicklung bei verschiedenen Speichertypen wird zu einem wichtigen Beobachtungspunkt am Markt. Der Datendienstleister TrendForce und seine Sparte DRAMeXchange melden einen Anstieg der HBM-Vertragspreise um 70 bis 140 Prozent. Server-DRAM verteuerte sich um 270 Prozent, herkömmliches DRAM für PCs und Laptops um 150 bis 200 Prozent. Gerade bei diesen reiferen, stärker standardisierten Produkten waren die Preise langfristig häufig unter Druck. Das Ausmaß der jüngsten Steigerungen schürt daher Fragen zur Dauerhaftigkeit des aktuellen Zyklus.
Die operative Marge von SK hynix erreichte im dritten Quartal 80 Prozent. Das spiegelt das knappe Angebot und das hohe Preisniveau wider, macht die Erträge aber zugleich anfällig, falls sich diese Bedingungen abschwächen. Das Unternehmen rechnet bis 2030 mit einem strukturellen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Speicherchips. Kunden hätten Kapazitäten für das gesamte Jahr 2027 und einen Teil des Jahres 2028 gebucht. Samsung erwartet, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur auch im kommenden Jahr anhalten und die Nachfrage nach HBM, Server-DRAM und Solid-State-Drives stützen. Für 2026 erwartet Samsung, dass die KI-getriebene Nachfrage deutlich stärker wächst als das Branchenangebot.
TrendForce prognostiziert für 2027 einen Anstieg der HBM-Preise um 122 Prozent und ein Wachstum des gesamten DRAM-Markts um 46 Prozent. Die stärkere Ausrichtung der Hersteller auf HBM könnte jedoch das Angebot an günstigeren PC-Chips verknappen. Die Gesamtproduktion von PC-Chips dürfte 2027 leicht zurückgehen. Der Ausbau von Halbleiterkapazitäten dauert Jahre und erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. TSMC hat 265 Milliarden US-Dollar für den Ausbau seines großen Waferfertigungskomplexes in Phoenix, Arizona, vorgesehen; zusätzliche Kapazitäten stehen dadurch aber nicht sofort zur Verfügung. IDC rechnet nicht damit, dass die Chippreise 2027 wieder das Niveau von 2025 erreichen.
Preise für günstige DRAM-Chips bleiben ein Signal
Hohe Preise und knappes Angebot sind in der Vergangenheit auch einer späteren Korrektur vorausgegangen. Zwischen dem Frühjahr und dem Jahresende 2024 verlor die Samsung-Aktie fast 40 Prozent, als ein Überangebot an Speicherchips den Markt belastete. Die Preise für konventionelles DRAM und andere günstigere Produkte bieten daher einen Anhaltspunkt dafür, ob der Wettbewerbsdruck zurückkehrt. Auch der chinesische Speicherhersteller ChangXin Memory Technologies (CXMT) könnte bei günstigeren Chips zu einem zusätzlichen Wettbewerber werden.
Die Aktie von Kioxia zeigt, wie stark die Schwankungen im Halbleitersektor ausfallen können. Zum Rekordschluss am 22. Juni 2026 lag sie 941,8 Prozent über dem Stand zum Ende des Vorjahres; anschließend fiel sie 60,0 Prozent vom Höchststand. Die Beteiligung von SK hynix an Kioxia ist zugleich mit der Sonderdividende verknüpft. Neben KI-Aufträgen und Geschäftszahlen zählen bei Speicheraktien deshalb auch die Umsetzung der Ausschüttungspläne und mögliche Schwächen bei den Preisen für konventionelles DRAM zu den relevanten Indikatoren.