Ethos Technologies (Nasdaq: LIFE) legte den Preis für den Börsengang am 29. Januar auf 19 US-Dollar je Aktie fest. Zum Ende des ersten Handelstags notierte die Aktie jedoch bei 16,85 US-Dollar und damit 2,15 US-Dollar unter dem Ausgabepreis. Am 12. Februar fiel sie bis auf 9,45 US-Dollar. Damit belief sich der maximale Rückgang vom IPO-Preis innerhalb von rund zwei Wochen auf etwa 50 Prozent; gegenüber dem ersten Schlusskurs war der Verlust noch deutlicher. Die frühe Kursentwicklung zeigt, dass neu gelistete Unternehmen gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, Gewinnmitnahmen und Verkaufsdruck durch Anleger konfrontiert sein können, die auf Verlusten sitzen. Damit rückt auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Gewinne schrittweise realisiert und Rückschläge begrenzt werden.
Vom IPO-Verlust zur ersten Erholung
Anschließend erholte sich die Ethos-Aktie zunächst schnell und erreichte ein kurzfristiges Hoch von 13,97 US-Dollar, bevor sie wieder nachgab. Im März markierte sie bei 9,69 US-Dollar ein Tief. Damit blieb sie über dem Tief vom 12. Februar bei 9,45 US-Dollar und bildete kein klassisches Doppelboden-Muster. Der Schlusskurs von 9,85 US-Dollar am 20. März stellte dennoch einen markanten Ausverkauf mit anschließender Stabilisierung dar.
Mitte April überwand die Aktie das zwischenzeitliche Hoch von 13,97 US-Dollar. Zuvor hatte der Markt am 8. April einen sogenannten Follow-through-Tag verzeichnet, der ein günstigeres Umfeld für einen neuen Aufwärtsschub schuf. Für Anleger, die das Unternehmen beobachteten und bereit waren, eine aggressive Position in einer neu notierten Aktie einzugehen, stellte der Ausbruch ein frühes Einstiegssignal dar. Zu diesem Zeitpunkt lag die Aktie allerdings noch rund 26 Prozent unter ihrem Hoch nach dem Börsengang von 19 US-Dollar.
71 Prozent Plus vom Kaufpunkt bei 19 US-Dollar
Anleger, die im Bereich zwischen 14 und 19 US-Dollar gekauft hatten, wechselten mit dem Kursanstieg allmählich von potenziellen Verkäufern zu Haltern, die auf den Einstandskurs, die Rückgewinnung ihres Kapitals oder einen moderaten Gewinn warteten. Solche zuvor im Verlust liegenden Positionen können zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen, wenn sich der Kurs dem ursprünglichen Einstieg nähert.
Ethos setzte den Anstieg Ende April dennoch fort und beschleunigte ihn zwischen dem 5. und 7. Mai, als das Unternehmen seine Zahlen für das erste Quartal vorlegte. Der Nettoverlust belief sich auf 3,57 US-Dollar je Aktie, verglichen mit einem Gewinn von 0,19 US-Dollar je Aktie im Vorjahresquartal. Der Umsatz mehr als verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 193,1 Millionen US-Dollar.
Ausgehend von 19 US-Dollar als Referenz für den Kaufpunkt stieg die Aktie in den folgenden Sitzungen um bis zu 71 Prozent. Das lag deutlich über der Spanne von 20 bis 25 Prozent, die häufig als Bereich für Gewinnmitnahmen beobachtet wird. Vom 12. bis zum 15. Mai fiel die Aktie jedoch vier Handelstage in Folge und gab bei hohem Volumen kurzfristig einen Teil des vorherigen Anstiegs wieder ab. Bei einer Aktie nach einem Ausbruch deutet ein Rückgang unter hohem Handelsvolumen auf eine Veränderung bei Angebot und Nachfrage hin. Zugleich zeigt sich, dass ein Buchgewinn nicht mit einem tatsächlich gesicherten Ertrag gleichzusetzen ist.
Deutlicher Rücksetzer und neue Bodenbildung
Bis Ende Juni fiel Ethos auf 15,11 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Der Kurs lag wieder unter der Kaufzone um 19 US-Dollar, während sich der Gewinn gegenüber dem offensiveren Einstieg bei 13,97 US-Dollar auf weniger als 8 Prozent verringert hatte.
Anschließend fand die Aktie Unterstützung und begann, eine neue, tiefe tassenförmige Basis auszubilden. Der Rückgang vom Hoch zum Tief von 54 Prozent war deutlich größer als die Korrekturen, die bei vielen erfolgreichen Ausbruchsmustern zu beobachten sind. Um das frühere Hoch von 32,50 US-Dollar wieder zu erreichen, wäre vom Tief aus ein Anstieg von rund 115 Prozent erforderlich. Eine Reihe kräftiger Aufwärtstage von Ende Juli bis Anfang August führte die Aktie dennoch auf neue Hochs. Das zeigte, dass Käufer trotz der kurzen Börsenhistorie weiterhin aktiv waren.
In dieser Woche testet die Aktie ihren exponentiellen gleitenden 21-Tage-Durchschnitt. Sollte eine spätere Korrektur in der Nähe dieser Linie Unterstützung finden, könnte dies darauf hindeuten, dass institutionelle Käufer nach einer Schwächephase weiterhin einsteigen. Solange sowohl die Aktie als auch der 21-Tage-Durchschnitt weiter steigen, wäre noch kein eindeutiger technischer Bruch des Aufwärtstrends erkennbar. Im Tageschart weist Ethos zudem weiterhin eine Folge höherer Hochs und höherer Tiefs auf. Kurzfristig orientierte Händler werden daher auf eine Erholung nahe der 21-Tage-Linie achten. Das Muster ändert jedoch nichts am hohen Volatilitätsprofil eines neu gelisteten Unternehmens.
Gewinnerwartungen verbessern sich weiter
Ethos wurde 2016 gegründet und nutzt maschinelles Lernen sowie Data Science, um den Antrag auf eine Lebensversicherung zu vereinfachen. Dadurch können die meisten Antragsteller auf eine herkömmliche medizinische Untersuchung verzichten. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen einen Nettoverlust von 2,10 US-Dollar je Aktie. Der Quartalsverlust von 3,57 US-Dollar je Aktie im ersten Quartal belastet diese Prognose maßgeblich. Die Markterwartungen sehen den Übergang in die Gewinnzone im September- und Dezemberquartal vor. Für 2027 wird anschließend ein Jahresgewinn von 0,96 US-Dollar je Aktie erwartet.
Ethos weist ein IBD Composite Rating von 74 und ein Relative Strength Rating von 95 auf. Damit hat sich die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten besser entwickelt als 95 Prozent der Unternehmen in der Datenbank. Dem steht ein EPS Rating von 20 gegenüber, das die kurze Gewinnhistorie und die Belastung durch den Verlust im ersten Quartal widerspiegelt. Die Differenz zwischen dem Composite Rating und der relativen Stärke zeigt, dass die Kursdynamik derzeit stärker ist als das Gewinnprofil des Unternehmens. Beide Kennzahlen müssen daher getrennt betrachtet werden, statt allein aus der Aktienkursentwicklung auf die Ertragslage zu schließen.
Ausbau von IUL und Sportmarketing
Am 21. Juli kündigte Ethos eine Ausweitung des Versicherungsschutzes für sein Produkt Accumulation Indexed Universal Life an. Die Police wird von der North American Company for Life and Health Insurance gezeichnet und bietet nun Versicherungsschutz von bis zu 2 Millionen US-Dollar für Kinder ab 17 Jahren. Eine fondsgebundene indexierte Lebensversicherung ist ein langfristiges Versicherungsprodukt, bei dem sich der Barwert der Police unter möglichen Steuervorteilen entwickeln kann. Sobald das Kind 18 Jahre alt ist, können die Eltern die Eigentümerschaft an der Police übertragen.
Für den Markenaufbau setzt das Unternehmen zudem auf Partnerschaften im Sport. Am 13. August wurde die Fox-Sports-Reporterin Erin Andrews neue Sports Partnerin von Ethos. Sie beteiligt sich an Marketingaktivitäten, die den Bekanntheitsgrad von Versicherungsprodukten in Haushalten erhöhen und deren Zugang erleichtern sollen. Der frühere Schlagmann der Boston Red Sox, David Ortiz, und der ehemalige NFL-Quarterback Boomer Esiason waren zuvor als Markenbotschafter tätig.
Für die nächste Phase wird entscheidend sein, ob sich das Umsatzwachstum schrittweise in Gewinne übersetzen lässt und ob der Markt die in der frühen Handelsphase entstandenen Positionen mit Buchverlusten aufnehmen kann. Zu den wichtigen Beobachtungspunkten zählen, ob der 21-Tage-Durchschnitt hält, ob erneut ein Rückgang unter hohem Volumen einsetzt und ob das Unternehmen seine Gewinnerwartungen in den kommenden Quartalen erfüllt.