SEC schlägt Rahmen für konforme Krypto-Finanzierungen vor
Am 18. August 2026 legte die US Securities and Exchange Commission (SEC) einen Entwurf für die "Regulierung von Krypto-Assets" vor. Ziel ist es, erstmals einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, der den rechtssicheren Verkauf von Token an Investoren in den USA ermöglicht. Dabei erhalten Krypto-Projekte auch erstmals eine definierte Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen aus der Regulierung als Wertpapier herauszutreten.
Zwei Finanzierungsoptionen mit strengen Offenlegungspflichten
Der Vorschlag sieht zwei Arten von Ausnahmeregelungen vor: Erstens eine Einmalfinanzierung bis 5 Millionen US-Dollar innerhalb von vier Jahren. Zweitens eine Option, jährlich bis zu 75 Millionen US-Dollar zu beschaffen, die jedoch strengeren Transparenzvorgaben unterliegt. Letztere erfordert unter anderem regelmäßige Berichte sowie öffentlich zugängliche Finanzunterlagen, die Bundesbehörden Vorrang vor einzelnen Bundesstaaten einräumen.
Dieser Ansatz ähnelt teilweise früheren ICO-Mechanismen, setzt allerdings klare Obergrenzen und auf Transparenz, um die früheren unregulierten Risiken einzudämmen. Er baut auf den gemeinsamen Leitlinien der SEC und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) vom März 2026 auf, welche die Einordnung von Token als Investmentverträge präzisieren.
XRP-Streit und Exit-Bedingungen im Zentrum
Besondere Aufmerksamkeit erregt der Entwurf wegen der Bezugnahme auf die jahrelange Rechtsauseinandersetzung zwischen SEC und Ripple. Anfang 2020 verklagte die SEC das Unternehmen mit der Begründung, der XRP-Verkauf stelle ein nicht registriertes Wertpapierangebot dar. Ein Urteil von Richterin Analisa Torres im Jahr 2023 erkannte an, dass XRP an sich kein Wertpapier sei, wertete aber bestimmte Verkaufspraktiken als rechtswidrig. Der Fall endete im August 2025.
Kernpunkt der neuen Regeln ist die erstmals klar definierte Möglichkeit für Token, durch die Erfüllung oder dauerhafte Einstellung wesentlicher Managementaktivitäten aus der Wertpapierregulierung auszutreten. SEC-Chef Paul S. Atkins bezeichnete diese "sichere Häfen" genannte Regelung als Schließung einer juristischen Grauzone, die Projekten einen klareren legalen Ausstieg ermöglicht.
Branchenreaktionen bleiben zurückhaltend, XRP-Markt stabil
Nach Veröffentlichung des Entwurfs reagierte der Markt zunächst ohne größere Ausschläge. Der XRP-Kurs pendelte um die 1 US-Dollar-Marke mit einer Marktkapitalisierung von etwa 62,7 Milliarden US-Dollar, womit er zu den zehn größten Kryptowährungen zählt.
Fachleute bewerten die Initiative als potenziellen Fortschritt zur institutionellen Etablierung der US-Kryptomärkte durch mehr Konformität. Die endgültige Wirkung wird jedoch von den Ergebnissen der noch laufenden öffentlichen Konsultation, die 60 Tage angesetzt ist, und der anschließenden regulatorischen Umsetzung abhängen.
SEC bittet Investoren und Branchenvertreter, bis Ende Oktober 2026 Stellung zum Vorschlag zu nehmen, wobei besonders die langfristigen Konsequenzen für Token-Emissionen und Handelsaktivitäten im Fokus stehen.