- Die Renditen von Staatsanleihen in der Eurozone gingen am Dienstag leicht zurück, während die Ölpreise in der Nähe eines Viermonatstiefs verharrten, was die Sorgen über Inflationsdruck milderte. Investoren konzentrieren sich auch auf die möglicherweise in dieser Woche in Doha, Katar, stattfindenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran, wodurch das Energierisiko zu einer entscheidenden Variable bei der Preisbildung am Anleihemarkt wird.
- Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen fiel um 1 Basispunkt auf 2,893 % und liegt damit leicht über dem Viermonatstief; die zweijährige Rendite, die empfindlicher auf die Zinserwartungen der Europäischen Zentralbank reagiert, sank ebenfalls um 1 Basispunkt auf 2,532 %. Die Veränderungen der Renditekurve sind insgesamt begrenzt, was darauf hindeutet, dass der Markt weiterhin auf klarere Datenhinweise wartet.
- Brent-Rohöl fiel am Dienstag um 1,4 % auf 72,35 USD pro Barrel. Da Öl wieder durch die Straße von Hormus transportiert wird, sind die Preise auf das Niveau von Ende Februar zurückgefallen, was die Sorgen über einen weiteren Anstieg der Inflation durch jüngste Energieschocks abschwächt.
Rückgang der Ölpreise dämpft Inflationssorgen
Die Abkühlung der Energiepreise wird zum zentralen Fokus des Anleihemarktes. Daten aus Frankreich, die am Dienstag veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Inflationsrate im Juni erstmals in diesem Jahr aufgrund des Rückgangs der Energiepreise nachgelassen hat und von einem mehr als zweijährigen Hoch zurückgegangen ist. Die Inflationsdaten der Eurozone werden am Mittwoch veröffentlicht, und Händler hoffen, daraus ableiten zu können, ob der Preisdruck insgesamt nachlässt. Sollte der Energiesektor weiterhin die Gesamtinflation belasten, könnten die Renditen langfristiger Staatsanleihen weiter gestützt werden.
US-Iran-Gespräche beeinflussen Risikostimmung
Am vergangenen Wochenende beschuldigten sich die USA und der Iran gegenseitig, was die Aussichten auf ein Friedensabkommen erneut belastete. Das Weiße Haus erklärte jedoch, dass es in dieser Woche einen Gesandten nach Doha schicken werde, um die Gespräche über das Abkommen fortzusetzen. Sollten die Verhandlungen Fortschritte machen, könnte das Risiko im Energietransport weiter sinken; verschlechtert sich die Lage jedoch erneut, könnten die Ölpreise und sichere Anlagen wieder anziehen. Für den europäischen Anleihemarkt werden geopolitische Variablen hauptsächlich über die Ölpreise und Inflationserwartungen vermittelt.
EZB-Sitzung bietet politische Hinweise
Die Europäische Zentralbank hält in dieser Woche ihre jährliche geldpolitische Konferenz in Sintra, Portugal, ab, bei der unter anderem die politische Entscheidungsträgerin Schnabel am Dienstag sprechen wird. Der Geldmarkt erwartet nach der Zinserhöhung Anfang dieses Monats, dass die EZB in diesem Jahr um weitere 25 Basispunkte anheben wird, weshalb die kurzfristigen Renditen empfindlich auf politische Äußerungen reagieren. Investoren werden darauf achten, ob die Beamten den Rückgang der Energiepreise herunterspielen oder betonen, dass die Kerninflation und der Lohndruck weiterhin beobachtet werden müssen.
Anleihemarkt wartet auf Daten zur Bestätigung der Richtung
Der aktuelle Trend zeigt, dass der Rückgang der Ölpreise die Inflationsprämie schwächt, aber der Anleihemarkt hat noch keine einseitige Einschätzung getroffen. Sollte die Inflation in der Eurozone weiter nachlassen, könnten die langfristigen Renditen in der Nähe der jüngsten Tiefststände bleiben; sollten jedoch die Dienstleistungspreise oder die Kerninflation hartnäckig bleiben, könnte die Marktpreisbildung für weitere Zinserhöhungen die Renditen wieder ansteigen lassen. Kurzfristig werden Händler auch die Äußerungen der Sintra-Konferenz, die Schwankungen auf dem Energiemarkt und die geopolitischen Entwicklungen berücksichtigen, um zu bewerten, ob der Zinspfad der Eurozone neu bewertet werden muss. Dies führt dazu, dass jedes Inflations- und Politiksignal kurzfristige Schwankungen verstärken könnte. Der Markt bleibt daher vorsichtig.