- Die Bank von Japan (BOJ) hat auf ihrer Sitzung am Dienstag beschlossen, den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,0 % anzuheben. Diese Maßnahme hebt den Schlüsselzins Japans auf den höchsten Stand seit 31 Jahren und markiert eine deutliche Beschleunigung des seit 2024 eingeleiteten Prozesses der Normalisierung der Geldpolitik.
- Der Zinsbeschluss wurde mit sieben zu eins Stimmen angenommen. Das Ratsmitglied Asada Toru stimmte dagegen, während der Gouverneur Kazuo Ueda aufgrund einer Krankheit an der Sitzung nicht teilnehmen konnte. Die stellvertretende Gouverneurin Shinichi Uchida leitete die reguläre Pressekonferenz und erläuterte die zukünftigen Richtlinien.
- Aufgrund dieses Beschlusses schwankte der Yen gegenüber dem US-Dollar kurzfristig und gab die vorherigen Gewinne ab, indem er von einem Tageshoch von 160,05 auf etwa 160,21 zurückfiel. Der Markt richtet nun seine Aufmerksamkeit auf die Richtlinien und die Geschwindigkeit der Margenverengung zwischen den Zinsen in Japan und den USA.
Struktur der Entscheidungsfindung und Abwesenheit der Führung
In der viel beachteten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Bank von Japan wurde der Zinsbeschluss mit sieben zu einer Stimme angenommen. Das Ratsmitglied Asada Toru äußerte Vorbehalte gegen die Zinserhöhung und stimmte dagegen. Bemerkenswert ist, dass Gouverneur Kazuo Ueda aufgrund einer Leberzysteninfektion im Krankenhaus behandelt wird und als erster Leiter der Bank seit 2010 an einer Zinsentscheidungssitzung nicht teilnehmen konnte. Obwohl Kazuo Ueda nicht persönlich anwesend war, reichte er schriftlich seine makroökonomischen Ansichten beim Rat ein. Die nachmittägliche Pressekonferenz wurde von der stellvertretenden Gouverneurin Shinichi Uchida geleitet, deren Aussagen über den weiteren Zinserhöhungspfad direkt die Preisbildungsmodelle für den Yen im mittleren bis langen Zeitraum beeinflussen werden.
Makroinflationsindikatoren und der Schein der politischen Intervention
Obwohl die Bank von Japan zur Eindämmung des Abwertungsdrucks auf die Landeswährung die Liquidität weiter verknappt, zeigen die neuesten makroökonomischen Daten komplexe widersprüchliche Signale. Die Daten zeigen, dass die Kerninflationsrate Japans im April auf 1,4 % gesunken ist, den niedrigsten Stand seit März 2022, und auch die Gesamtinflationsrate bei 1,4 % bleibt, was den vierten Monat in Folge unter dem von der Bank von Japan gesetzten langfristigen Inflationsziel von 2 % liegt. Die meisten Marktanalysten weisen jedoch darauf hin, dass die aktuelle Schwäche der Inflationsdaten hauptsächlich durch staatliche Eingriffe unterdrückt wird, einschließlich der Senkung der Benzinsteuer und der umfassenden Einführung einer gebührenfreien Schulpolitik, die kurzfristigen fiskalischen Subventionen könnten in gewissem Maße den potenziellen importierten Inflationsdruck verschleiern.
Politisches Ringen und zusätzlicher fiskalischer Druck
Während die Normalisierung der Geldpolitik beschleunigt wird, steht die Bank von Japan vor mehreren Einschränkungen von der fiskalischen und politischen Seite. Premierministerin Sanae Takaichi hat zuvor öffentlich ihre Präferenz für eine weitere Lockerung der Geldpolitik geäußert, was von internationalen Investoren als potenzielles politisches Hindernis für weitere Zinserhöhungen der Bank angesehen wird. Der schwache Yen kann zwar die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Exportunternehmen stärken, aber die dadurch verursachten steigenden Importkosten belasten die Staatsfinanzen erheblich. Die Regierung von Sanae Takaichi hat kürzlich einen zusätzlichen Haushalt in Höhe von 3 Billionen Yen verabschiedet, um den Haushalten des Landes Energiekostenzuschüsse zu gewähren. Diese Kombination aus fiskalischer Expansion und geldpolitischer Straffung könnte die Unsicherheit im makroökonomischen Betrieb erhöhen.
Entspannung der geopolitischen Lage und Zinserhöhungserwartungen
Die marginale Verbesserung des geopolitischen Umfelds bietet der Bank von Japan mehr Spielraum für politische Überlegungen. Mit der vorläufigen Einigung zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus zeigen sich Anzeichen einer Entspannung der Endrisiken in den globalen Lieferketten und Energiepreisen, was den japanischen Entscheidungsträgern hilft, den Übertragungsweg der Auslandrisiken auf die heimische Inflation klarer zu bewerten. Informierte Kreise berichten, dass, wenn die makroökonomische Inflation nach dem Auslaufen der fiskalischen Subventionen eine Erholungsresistenz zeigt, die Beamten glauben, dass es später in diesem Jahr noch Raum für eine weitere Anhebung des Leitzinses gibt. Sollte jedoch die US-Wirtschaft unerwartet verlangsamen und die Fed zu unerwarteten Zinssenkungen zwingen, wird die passive Verengung der Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA die Bank von Japan zwingen, das Tempo ihrer Straffungspolitik neu zu bewerten.