- Die USA und Iran haben eine vorläufige Rahmenvereinbarung zur Beendigung des Konflikts und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus getroffen, was zu einem deutlichen Rückgang der Rohöl-Futures-Preise an einem Tag führte und den niedrigsten Schlusskurs seit März erreichte. Dies hat auf makroökonomischer Ebene die tiefen Sorgen der globalen Märkte über steigende Inflation erheblich gemildert.
- Die drei großen Indizes der Wall Street schlossen den dritten Handelstag in Folge im Plus, wobei der Nasdaq Composite Index um über drei Prozent zulegte und den größten Tagesgewinn seit zweieinhalb Monaten verzeichnete. Der Philadelphia Semiconductor Index erreichte ebenfalls ein Allzeithoch, angetrieben von starken Käufen im Technologiesektor.
- Globale Makroinvestoren konzentrieren sich intensiv auf die Fed-Sitzung am Mittwoch, die die erste Zinsentscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Walsh sein wird, der letzten Monat Powell abgelöst hat. Der Markt bleibt hochsensibel gegenüber der marginalen Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung vor Jahresende.
Entspannung der geopolitischen Lage löst Neubewertung der Energie aus
Angetrieben durch die positive Nachricht der vorläufigen Einigung zwischen den USA und Iran, wurde der Druck auf die globalen Rohstoff- und Kapitalmärkte erheblich gelindert. Der Preis für West Texas Intermediate Rohöl-Futures fiel an einem Tag um 4,9 Prozent und erreichte den niedrigsten Stand seit März dieses Jahres. Obwohl die Rahmenvereinbarung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus voraussichtlich erst am Freitag in der Schweiz offiziell unterzeichnet wird und noch nicht vollständig sensible Themen wie das Nuklearprogramm abdeckt, zeigt sich die Wirkung der Risikoprämienfreisetzung auf die Ölversorgungskette sofort. Der signifikante Rückgang der Ölpreise senkte direkt die erwarteten Energiekosten der börsennotierten Unternehmen, was den Energiesektor des S&P 500 Index um 3,6 Prozent sinken ließ und ihn zum schlechtesten Sektor des Tages machte. Gleichzeitig legten Aktien traditioneller Transportunternehmen, die stark auf Energiekosten reagieren, allgemein zu, wobei United Airlines um 3,9 Prozent stieg und Norwegian Cruise Line sowie Carnival Corporation ebenfalls deutliche Gewinne verzeichneten.
Starke Erholung des Technologiesektors und IPO-Anreize
Da der Rückgang der Ölpreise auf makroökonomischer Ebene die durch Kosten getriebene Inflation auf Unternehmensgewinne abmilderte, kam es zu einer marginalen Neubewertung des Risikos an den Kapitalmärkten, was Investoren dazu veranlasste, sich erneut auf wachstumsstarke Vermögenswerte, insbesondere im Bereich Informationstechnologie, zu konzentrieren. Der Nasdaq Composite Index stieg um 3,07 Prozent und verzeichnete den größten prozentualen Tagesgewinn seit dem 31. März. Der Informationstechnologiesektor führte die elf Hauptsektoren des S&P 500 Index an und stieg insgesamt um 3,4 Prozent. Der Philadelphia Semiconductor Index erreichte ebenfalls ein neues Allzeithoch, nachdem er sich nach einem Rückgang von über zwölf Prozent von seinem jüngsten Hochpunkt an drei aufeinanderfolgenden Handelstagen stark erholt hatte. Bei den Einzelwerten stieg der Chiphersteller Nvidia um 3,5 Prozent, während Micron Technology, angetrieben durch deutliche Kurszielanhebungen mehrerer Broker, um 10,5 Prozent zulegte. Darüber hinaus wurde das Raumfahrtunternehmen SpaceX am zweiten Tag nach seinem Börsengang weiterhin von Investoren stark nachgefragt, was zu einem Kursanstieg von fast 20 Prozent führte und die Marktkapitalisierung über die Zwei-Billionen-Dollar-Marke hob, was Vertrauen in potenzielle Börsengänge anderer Technologiegiganten stärkte.
Makropolitischer Fokus auf neuen Fed-Vorsitzenden
Obwohl das geopolitische Risiko kurzfristig zurückgegangen ist, haben globale Makroinvestoren ihren Fokus auf die bevorstehende Fed-Politikerklärung am Mittwoch gerichtet. Bemerkenswert ist, dass diese Sitzung erstmals vom neuen Fed-Vorsitzenden Walsh geleitet wird, der letzten Monat Powell abgelöst hat. Die im Mai veröffentlichten Inflationsdaten zeigen, dass der frühere Anstieg der Energiekosten bereits teilweise auf die Verbraucherpreise übergegangen ist, was der zukünftigen Geldpolitik Unsicherheit verleiht. Derzeit erwarten die Händler von Fed-Funds-Futures allgemein, dass die Fed auf der Sitzung in dieser Woche den aktuellen Zinskorridor beibehält. Laut dem CME FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis Ende des Jahres jedoch weiterhin bei etwa 42 Prozent, da die Kerninflation hartnäckig bleibt. Sollte die Kerninflation keinen klaren Abwärtstrend zeigen, könnte das Risiko einer Neubewertung der zukünftigen Leitzinsen am Markt erneut steigen.
Branchenübergreifende Bewertungsunterschiede und Übernahmevolatilität
Vor dem Hintergrund eines systematischen Anstiegs der Risikobereitschaft erreichte das gesamte Handelsvolumen an allen US-Börsen 212,9 Millionen Aktien, was leicht über dem durchschnittlichen Tagesniveau der letzten zwanzig Handelstage liegt. An der New Yorker Börse und dem Nasdaq-Markt überstieg die Anzahl der steigenden Aktien deutlich die der fallenden. Der Volatilitätsindex, der die Marktpanik misst, fiel den dritten Handelstag in Folge, was die entspannende Wirkung der geopolitischen Entspannung auf die Marktstimmung weiter bestätigt. Auf Einzelebene führten jedoch spezifische Übernahmeereignisse zu einer starken Differenzierung der Vermögenspreise. Die Aktien von Fox Corporation fielen um 16,8 Prozent, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, die Streaming-Plattform für 22 Milliarden Dollar zu übernehmen, da der Markt Bedenken hinsichtlich der Kapitalausgaben und des finanziellen Integrationsrisikos hatte. Auch die Aktien des Übernahmeziels Roku gerieten unter Druck und fielen leicht. Dies zeigt, dass selbst in einem insgesamt liquiden Bullenmarktumfeld spezifische Risiken, die durch besondere Geschäftsentscheidungen entstehen, zu spezifischen Bewertungsrückgängen führen können.