- Zehn Jahre nach dem britischen Referendum über den Austritt aus der EU stehen mehrere zentrale makroökonomische Indikatoren weiterhin unter Druck. Ein neues Modell von Wirtschaftswissenschaftlern der Stanford University schätzt, dass der Brexit bis 2025 zu einem kumulierten Verlust des britischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 6% bis 8% geführt hat. Der Wechselkurs des Pfunds gegenüber den wichtigsten Währungen hat sich bis heute nicht auf das Niveau vor dem Referendum 2016 erholt.
- Die Struktur des Arbeitsmarktes und das Migrationsmuster haben sich strukturell verändert. Obwohl die Nettozuwanderung zwischen Großbritannien und der EU zeitweise negativ war, stieg die Zahl der Nicht-EU-Migranten aufgrund von Arbeitskräftemangel im Inland, dem Zustrom internationaler Studenten und humanitären Visa-Programmen stark an, was die erwarteten Auswirkungen der EU-Migrationsbeschränkungspolitik ausglich.
- Die Verwaltungskosten für den Außenhandel sind erheblich gestiegen. Obwohl Großbritannien das Recht zur unabhängigen Handelspolitik erlangt hat, hat sich der marginale Einfluss der EU auf seine Wirtschaft nicht verringert. Daten aus dem Jahr 2025 zeigen, dass die EU weiterhin 41% der britischen Exporte und 50% der Importe ausmacht, wobei die Abhängigkeit der Lieferketten vom europäischen Kontinent hoch bleibt.
Verlangsamung des makroökonomischen Wachstums und langfristiger Druck auf den Wechselkurs
Statistische Modelle und historische Daten zeigen, dass die britische Makroökonomie in den letzten zehn Jahren unter mehreren externen Schocks schwach abgeschnitten hat. Trotz systemischer Risiken wie der globalen Pandemie, Unterbrechungen der Lieferketten und der Energiekrise wird der Brexit von der Mainstream-Ökonomik weiterhin als der zentrale strukturelle Faktor angesehen, der das potenzielle Wirtschaftswachstum Großbritanniens unterdrückt. Der langfristig niedrige Wechselkurs des Pfunds hat die Grenzkosten für importierte Waren in Großbritannien direkt erhöht. Vor dem Hintergrund der hohen Importabhängigkeit Großbritanniens bei Lebensmitteln und Konsumgütern hat sich die Abwertung des Wechselkurses auf den Endverbrauchermarkt übertragen, den makroökonomischen Inflationsdruck verschärft und die reale Kaufkraft der Haushalte verringert.
Rekonstruktion des Arbeitsmarktes und Migrationssubstitutionseffekt
Auf der Ebene des Arbeitsmarktes konnte die von der Brexit-Kampagne zuvor geforderte Verschärfung der Migrationspolitik den Druck auf die öffentlichen Dienstleistungen im Inland nicht wie erwartet lindern. Da einige Branchen in Großbritannien mit einem irreversiblen strukturellen Arbeitskräftemangel konfrontiert sind, musste die britische Regierung die Visapolitik anpassen. Das Ergebnis war, dass nach dem Rückzug der EU-Arbeitskräfte die Lücke durch Nicht-EU-Migranten gefüllt wurde, sodass die Gesamtzahl der Nettozuwanderung nicht wesentlich zurückging. Dies führte zu Zweifeln früherer Brexit-Befürworter an der Effizienz der Regierungspolitik, und die Kosten der Umstrukturierung des Arbeitskräfteangebots werden von den verschiedenen Branchen getragen.
Handelsautonomie und administrative Barrieren in der Lieferkette
In den außenwirtschaftlichen Beziehungen hat Großbritannien zwar formal eine unabhängige Position bei den Verhandlungen über Freihandelsabkommen etabliert, aber seine geowirtschaftliche Realität bestimmt, dass seine Abhängigkeit vom EU-Binnenmarkt schwer zu lösen ist. Die neuesten Handelsflussdaten von 2025 bestätigen, dass die EU weiterhin der größte Handelspartner Großbritanniens bleibt. Gleichzeitig müssen britische Unternehmen beim Export von Waren auf den europäischen Kontinent kompliziertere Zollanmeldeverfahren, Ursprungsregeln und Konformitätsanforderungen bewältigen. Diese nichttarifären Barrieren verlängern direkt die Logistikzyklen und erhöhen die täglichen Betriebskosten von kleinen und mittleren Unternehmen.
Verkürzung der politischen Stabilitätszyklen und Neugestaltung der politischen Erwartungen
Der Brexit hat nicht nur die wirtschaftlichen Grundlagen Großbritanniens neu gestaltet, sondern auch das politische System und die Kontinuität der Politik des Landes tiefgreifend beeinflusst. Seit dem Referendum 2016 hat die britische Politik beispiellose Turbulenzen erlebt, mit sechs aufeinanderfolgenden Premierministern innerhalb von zehn Jahren und starken Schwankungen in der Innen- und Außenpolitik. Diese politische Unsicherheit hat das Vertrauen ausländischer Investoren in britische Vermögenswerte in gewissem Maße geschwächt. Sollte der bilaterale Handelsrahmen zwischen Großbritannien und der EU in Zukunft nicht weiter optimiert werden, könnte das Bewertungsprämium für britische langfristige Vermögenswerte weiterhin dem Risiko einer Neubewertung ausgesetzt sein.