Coinbase hat im dritten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 719 Millionen Dollar erzielt und damit eine Serie von drei Verlustquartalen beendet. Ausschlaggebend waren vor allem Wertzuwächse bei den eigenen Kryptoanlagen. Das Handelsgeschäft blieb dagegen schwach: Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 35 Prozent, das Spot-Handelsvolumen ging gegenüber dem Vorquartal um 8 Prozent zurück. Zugleich gewinnen Prognosemärkte und Abonnements an Gewicht. Höhere Kosten für USDC-Prämien und schwankende Kryptokurse sorgen jedoch für Unsicherheit bei den Erträgen.
Handelsumsatz sinkt, bereinigtes EBITDA steigt
Am 29. Oktober meldete Coinbase einen Umsatz von 1,216 Milliarden Dollar. Damit lag er ungefähr auf dem Niveau des Vorquartals, aber 35 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Spot-Handelsvolumen mit Kryptowährungen fiel gegenüber dem Vorquartal um 8 Prozent auf 134,5 Milliarden Dollar. Die Transaktionserlöse gingen im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 590 Millionen Dollar zurück.
Finanzchefin Alesia Haas erklärte, Coinbase habe das bereinigte EBITDA zum 15. Quartal in Folge positiv gehalten. Es belief sich auf 333 Millionen Dollar, ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der bereinigte Nettogewinn lag hingegen bei 78 Millionen Dollar und damit deutlich unter dem ausgewiesenen Nettogewinn von 719 Millionen Dollar. Die Differenz geht vor allem auf Gewinne aus dem Krypto-Anlageportfolio des Unternehmens zurück.
Prognosemärkte erreichen annualisiert mehr als 200 Millionen Dollar
Prognosemärkte entwickeln sich zu einer neuen Wachstumsquelle für das Handelsgeschäft von Coinbase. Der annualisierte Nettoerlös aus diesem Bereich überstieg im Quartal nach Unternehmensangaben 200 Millionen Dollar. Seit dem Start verzeichnete das Geschäft eine durchschnittliche Wachstumsrate von 82 Prozent je Quartal. Die Zahl der täglich aktiven Händler stieg gegenüber dem Vorquartal um mehr als 60 Prozent. CEO Brian Armstrong bezeichnete das Angebot als eines der am schnellsten wachsenden Produkte in der Geschichte von Coinbase.
Prognosemärkte und Derivate machten zusammen rund ein Viertel der Handelserlöse aus. Kunden, die Kontrakte auf Ereignisse handelten, sorgten zudem für zusätzliche Aktivitäten im Krypto-Spotgeschäft. Der Anteil von Coinbase am weltweiten Kryptohandel stieg auf 10,7 Prozent, verglichen mit 5,6 Prozent ein Jahr zuvor. Zuwächse gab es sowohl im Spot- als auch im Derivatehandel.
Die Erlöse aus Abonnements und Dienstleistungen legten im Quartalsvergleich um 3 Prozent auf 570 Millionen Dollar zu. Das entsprach 49 Prozent des Nettoumsatzes. Haas zufolge hängen Einnahmen aus Prognosemärkten weniger stark von der Volatilität am Kryptomarkt ab. Sie können Coinbase damit weniger abhängig vom klassischen Kryptohandel machen. Das Unternehmen will weitere Ereigniskategorien aufnehmen und Prognosemärkte in zusätzliche Produkte integrieren. Außerdem arbeitet es an einer eigenen Abwicklungsinfrastruktur auf Basis von USDC.
Haas sagte zudem, Coinbase habe von der US-Commodity Futures Trading Commission die Genehmigung für eine eigene Designated Contract Market Clearing Organization (DCO) erhalten. Damit könnte das Unternehmen eigene Kontrakte anbieten und in weiteren Teilen des Geschäfts Erlöse erzielen.
Rekordbestand an USDC, aber höhere Prämienkosten
Der durchschnittliche USDC-Bestand in Coinbase-Produkten erreichte mit 22 Milliarden Dollar einen Rekordwert. Das waren 49 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und entsprach rund 30 Prozent des durchschnittlich umlaufenden USDC-Bestands. Die Stablecoin-Erlöse stiegen trotz der größeren Bestände nicht: Im dritten Quartal lagen sie bei 306,9 Millionen Dollar, 5,4 Prozent unter dem neu ausgewiesenen Vorjahreswert von 324,5 Millionen Dollar.
Die Kosten für USDC-Prämien erhöhten sich im selben Zeitraum um 15,8 Prozent von 111,6 Millionen auf 129,2 Millionen Dollar. Zieht man die ausgewiesenen Prämienkosten von den Stablecoin-Erlösen ab, ergibt sich eine Differenz von rund 177,7 Millionen Dollar. Im Vorjahr waren es 213 Millionen Dollar gewesen. Das entspricht einem Rückgang um etwa 35,3 Millionen Dollar beziehungsweise 16,6 Prozent. Diese Rechnung ist kein Maß für den Gewinn aus dem Stablecoin-Geschäft und berücksichtigt weitere damit verbundene Einnahmen und Ausgaben nicht.
Aus den Unternehmensunterlagen geht hervor, dass höhere durchschnittliche USDC-Bestände die Erlöse um 84,6 Millionen Dollar steigerten. Niedrigere Zinssätze minderten sie dagegen um 52,8 Millionen Dollar. Zinserträge aus den Reserveanlagen von USDC sind ein wichtiger Bestandteil der Einnahmen, die Coinbase und Circle untereinander aufteilen. Sinkende Zinsen können daher den ausschüttungsfähigen Betrag verringern. Haas zufolge wollen beide Unternehmen die Marktkapitalisierung und Nutzung von USDC ausbauen. Dafür könnten sie jeweils mit unterschiedlichen Partnern zusammenarbeiten, um mehr Teilnehmer in das Ökosystem einzubinden.
Krypto-Anlagegewinne tragen den Quartalsgewinn
Coinbase baute seine Bestände an Bitcoin und Ether weiter aus. Ende September hielt das Unternehmen 17.954 Bitcoin zu Anlagezwecken, 643 mehr als am 30. Juni. Der Ether-Bestand belief sich auf 152.649 und lag damit um 2.370 Einheiten höher. Einschließlich weiterer digitaler Vermögenswerte stieg der beizulegende Zeitwert des Anlageportfolios gegenüber dem Vorquartal um 51,5 Prozent – von 1,47 Milliarden auf rund 2,22 Milliarden Dollar.
Im Quartal verbuchte Coinbase etwa 715 Millionen Dollar an Gewinnen aus Kryptoanlagen. Damit entsprach dieser Beitrag nahezu dem Nettogewinn von 719 Millionen Dollar. Ohne diese Anlagegewinne und bestimmte weitere Posten betrug der bereinigte Nettogewinn 78 Millionen Dollar. Coinbase schätzt, dass ein hypothetischer Anstieg oder Rückgang der Kryptokurse um 50 Prozent den beizulegenden Zeitwert des Portfolios um rund 1,1 Milliarden Dollar verändern würde. Die daraus entstehenden Gewinne oder Verluste würden sich in den Geschäftszahlen niederschlagen. Trotz wachsender Beiträge aus Prognosemärkten, Abonnements und Stablecoins bleibt der Quartalsgewinn damit erheblich von den Kursbewegungen am Kryptomarkt abhängig.