An den Devisenmärkten steht eine ereignisreiche Woche bevor: Die Reserve Bank of Australia (RBA) und die Bank of England dürften die Zinsen anheben, während die US-Zwischenwahlen neue Unsicherheit über den politischen Kurs bringen könnten. Am Freitag liefern die Arbeitsmarktberichte aus den USA und Kanada frische Hinweise auf Beschäftigung und Lohnentwicklung. Für die Währungen kommt es darauf an, wie die Daten die Erwartungen an Wachstum, Inflation und weitere Zinsschritte verändern.
2. November: RBA-Entscheid und US-Industriedaten
Zum Wochenauftakt steht in den USA der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe an. Erwartet wird ein Anstieg auf 54,7 nach 54,5. Werte über 50 signalisieren eine Expansion. Neben dem Gesamtindex dürften die Preise, Auftragseingänge und Beschäftigungskomponente im Mittelpunkt stehen: Sie geben Hinweise auf den Inflationsdruck und die Widerstandsfähigkeit der Industrie.
Die RBA veröffentlicht ihren Zinsentscheid und ihre geldpolitische Erklärung, anschließend ist eine Pressekonferenz geplant. Am Markt wird eine Anhebung um 25 Basispunkte von 4,60 auf 4,85 Prozent erwartet. Für den australischen Dollar dürfte nicht allein die Entscheidung ausschlaggebend sein. Entscheidend ist auch, ob die Notenbank weitere Straffungen in Aussicht stellt oder signalisiert, dass das Zinsniveau bereits nahe genug an einer ausreichend restriktiven Haltung liegt, um die Nachfrage abzukühlen.
3. November: US-Zwischenwahlen rücken die Politik in den Vordergrund
Bei den US-Zwischenwahlen am Dienstag entscheidet sich, welche Partei das Repräsentantenhaus und den Senat kontrolliert. Das Ergebnis beeinflusst, wie viel Spielraum Präsident Donald Trump in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit für seine Gesetzesagenda hat. Im Senat gelten unter anderem die Rennen in Georgia, North Carolina, Maine und Michigan als besonders beachtet. Dazu zählen die Wahlkämpfe von Jon Ossoff in Georgia und Susan Collins in Maine sowie offene Sitze in North Carolina und Michigan. Auch der offene Sitz in New Hampshire steht im Blick.
Im Repräsentantenhaus könnten wenige umkämpfte Wahlkreise den Ausschlag geben, vor allem in Kalifornien, New York, Pennsylvania, Michigan und Arizona. Entscheidend könnten Vorstadtwähler und Wahlkreise sein, in denen das Rennen um die Präsidentschaft knapp ausfiel.
Die Märkte werden die möglichen Folgen für Steuern, Staatsausgaben, Regulierung und die Finanzierung des US-Staates einordnen. Eine einheitliche republikanische Kontrolle würde der Regierung mehr Spielraum für Vorhaben in diesen Bereichen geben. Kontrollieren die Demokraten mindestens eine Kammer, wäre eine geteilte Regierung wahrscheinlicher; Haushalte und größere Gesetzesvorhaben würden dann stärker von Verhandlungen abhängen. Auch Energie-, Gesundheits- und Unternehmenssteuerpolitik könnten in den Fokus rücken.
Nach der aktuellen Sitzverteilung müssten die Demokraten im Repräsentantenhaus netto drei und im Senat netto vier Sitze hinzugewinnen, um beide Kammern zu kontrollieren. Die Republikaner haben im Repräsentantenhaus einen Vorsprung von 220 zu 215 Sitzen. Ein Nettogewinn von drei Sitzen würde den Demokraten eine knappe Mehrheit von 218 zu 217 verschaffen. Im Senat stehen 53 republikanische Sitze 47 Sitzen der Demokraten gegenüber. Vier zusätzliche Sitze würden den Demokraten eine Mehrheit von 51 zu 49 bringen. Bei einem Nettogewinn von drei Sitzen käme es zu einem Patt von 50 zu 50. Vizepräsident JD Vance könnte dann bei Abstimmungen den Ausschlag geben und die republikanische Kontrolle sichern. Nettogewinne bezeichnen die Zahl gewonnener abzüglich der verlorenen Sitze.
Außerdem werden die monatlichen Schweizer Verbraucherpreise veröffentlicht; erwartet wird eine unveränderte Rate von 0,0 Prozent. Für die US-JOLTS-Daten werden 7,11 Millionen offene Stellen erwartet, nach zuvor 7,08 Millionen. Der Gouverneur der Bank of Canada, Tiff Macklem, soll eine Rede halten. In Neuseeland wird für das dritte Quartal ein Beschäftigungsanstieg von 0,4 Prozent erwartet, nach 0,5 Prozent im Vorquartal. Die Arbeitslosenquote dürfte von 5,6 auf 5,5 Prozent sinken. Lohn- und Erwerbsquotendaten könnten Aufschluss darüber geben, ob das langsamere Beschäftigungswachstum bei sinkender Arbeitslosigkeit auf einen robusteren Arbeitsmarkt hindeutet.
4. November: Eurozonen-Inflation und US-Dienstleistungen
Die vorläufige Kerninflation in der Eurozone dürfte im Jahresvergleich bei 2,5 Prozent verharren. Für die Gesamtinflation wird ein Anstieg von 3,8 auf 4,0 Prozent erwartet. Sollte die Gesamtteuerung zulegen, während die Kernrate unverändert bleibt, ergäbe sich für die Europäische Zentralbank ein gemischtes Bild für ihre geldpolitische Einschätzung.
Der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor dürfte mit 54,9 weiterhin eine Expansion anzeigen. Für die Einordnung kommt es auf die Einzelkomponenten an: Steigende Preise bei schwächerer Beschäftigung würden ein anderes Signal senden als breite Stärke bei Auftragseingängen, Geschäftsaktivität und Neueinstellungen.
5. November: Bank of England und kanadischer Haushalt
Die Bank of England legt am Donnerstag ihren Zinsentscheid, den geldpolitischen Bericht und die Zusammenfassung ihrer Beschlüsse vor. Die Märkte rechnen mit einer Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte von 3,75 auf 4,00 Prozent. Bei der Abstimmung des geldpolitischen Ausschusses wird ein Ergebnis von sieben Stimmen für eine Erhöhung, keiner für unveränderte Zinsen und zwei für eine Senkung erwartet. Das wäre eine deutliche Verschiebung gegenüber dem vorherigen Abstimmungsergebnis von 3-0-6.
Am Pfundmarkt dürften die Inflationsprognosen und mögliche Hinweise auf weitere Straffungen genau geprüft werden. Nach dem Entscheid äußert sich zudem Gouverneur Andrew Bailey. Auch Martin Schlegel, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, soll sprechen. Für die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe werden 197.000 erwartet, nach 194.000 in der Vorwoche. Darüber hinaus sind Reden von Macklem und der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, angesetzt.
Am Nachmittag veröffentlicht Kanada seinen Jahreshaushalt. Geplante Ausgaben, der Kreditbedarf und die Annahmen zum Wirtschaftswachstum könnten die Erwartungen an den kanadischen Dollar beeinflussen. Zugleich liefern die Haushaltspläne den fiskalpolitischen Rahmen für den Arbeitsmarktbericht am Freitag.
6. November: US- und Kanada-Arbeitsmarktberichte gleichzeitig
Die Arbeitsmarktberichte der USA und Kanadas erscheinen am Freitag beide um 8.30 Uhr US-Ostküstenzeit. Damit steht der Woche ein konzentrierter Datentest bevor. Für die US-Wirtschaft werden 63.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft erwartet, nach 29.000 im vorherigen Bericht. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,2 Prozent bleiben. Bei den durchschnittlichen Stundenlöhnen wird ein Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat erwartet, nach 0,1 Prozent. Schwache Einstellungen bei zugleich stärkerem Lohnwachstum würden sowohl eine nachlassende Dynamik als auch anhaltenden Inflationsdruck in den Mittelpunkt rücken. Auch Revisionen der Beschäftigungszahlen sind wichtig.
In Kanada dürfte die Beschäftigung um 14.500 Stellen zulegen. Im vorherigen Bericht war sie um 68.300 gesunken. Die Arbeitslosenquote wird unverändert bei 6,5 Prozent erwartet. Für den Ivey-PMI werden 57,7 Punkte prognostiziert, nach 58,2. Der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der University of Michigan dürfte bei 47,8 liegen, verglichen mit 48,0 zuvor. Die vorherige Messung der Inflationserwartungen lag bei 4,7 Prozent; für die neue Veröffentlichung gibt es keine Prognose. Außerdem ist eine Rede von Kazuo Ueda, Gouverneur der Bank of Japan, geplant. In Neuseeland findet zudem die Parlamentswahl statt.
Da beide Arbeitsmarktberichte gleichzeitig veröffentlicht werden, könnte USD/CAD zunächst auf die relative Stärke der US- und kanadischen Daten reagieren. Beschäftigung und Löhne in den USA sowie das Ausmaß der Erholung am kanadischen Arbeitsmarkt fließen in die Einschätzung von Konjunktur und Zinsperspektiven beider Länder ein. Angesichts des vollen Terminkalenders bleibt für die Märkte auch entscheidend, ob die Wechselkursbewegungen nach der ersten Reaktion Bestand haben.