Der KI-Infrastrukturanbieter Nscale hat Unterlagen für einen Börsengang in New York eingereicht, der das Unternehmen mit bis zu 35 Mrd. Dollar bewerten könnte. Obwohl Nscale erst vor zwei Jahren gegründet wurde, befindet sich das Unternehmen weiterhin in einer kostenintensiven Investitionsphase. Für die sechs Monate bis zum 30. Juni 2026 weist es einen Nettoverlust von 1,02 Mrd. Dollar aus. Im Börsenprospekt warnt das Management zudem, es bestünden erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens, seine Geschäftstätigkeit fortzuführen.
Aufmerksamkeit erregt der geplante Börsengang nicht nur wegen der hohen Verluste, sondern auch wegen der engen geschäftlichen und finanziellen Verbindungen zu Nvidia. Der Chipkonzern ist Nscales größter Lieferant und zugleich Investor. Nach dem Börsengang könnte Nvidia zu den größten Aktionären gehören. Für die Bewertung durch Investoren wird entscheidend sein, wie Nscale das Verhältnis zwischen künftigen Verträgen, Kapitalzusagen und tatsächlich erzielten Umsätzen darstellt.
Nscale will Verträge über 103 Mrd. Dollar in Umsatz umwandeln
Nscale hat seinen Hauptsitz in London und wird von Gründer und CEO Josh Payne geführt. Das Unternehmen wurde 2024 aus dem australischen Kryptowährungs-Mining-Unternehmen Arkon Energy ausgegliedert. Nscale entwickelt und finanziert teilweise Rechenzentren für KI-Anwendungen und vermietet anschließend GPUs sowie damit verbundene Rechenkapazitäten an Kunden.
Dem Verwaltungsrat gehören unter anderem Sheryl Sandberg, die frühere Chief Operating Officer von Meta, der ehemalige britische Vizepremierminister Nick Clegg und die frühere Yahoo-Präsidentin Susan Decker an. In den Unterlagen zum Börsengang beziffert Nscale seine Verträge und kommerziellen Vereinbarungen auf rund 103 Mrd. Dollar. Sie bilden die Grundlage für das angestrebte Bewertungsniveau von bis zu 35 Mrd. Dollar. Ein erheblicher Teil dieser Vereinbarungen ist allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen. Ob daraus Umsatz entsteht, hängt von der Kundennachfrage, dem Tempo beim Bau der Rechenzentren und dem Zugang zu Finanzierung ab.
Das Umsatzwachstum von Nscale konnte bisher nicht mit dem Anstieg der Verluste Schritt halten. Die jüngsten Angaben machen die Lücke deutlich: In den sechs Monaten bis zum 30. Juni verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 1,02 Mrd. Dollar. Im Prospekt verwendet das Management zudem die Formulierung „erhebliche Zweifel an der Fortführung des Unternehmens“. Damit wird deutlich, dass Nscale für die Umsetzung seiner Expansionspläne auf weitere Finanzierung oder einen stärkeren operativen Cashflow angewiesen ist.
Nvidia beteiligt sich an Finanzierungsrunde über 3,1 Mrd. Dollar
Am 15. September unterzeichnete Nscale eine Vereinbarung über eine Finanzierungsrunde von 3,1 Mrd. Dollar. Nvidia plant, sich mit 1 Mrd. Dollar zu beteiligen. Die Finanzierung soll über eine Kombination aus Wandelanleihen oder stimmrechtslosen Aktien erfolgen. Die endgültige Struktur der Investition und der Anteil von Nvidia werden vom Ausgabepreis und der konkreten Struktur des Börsengangs abhängen.
Aus den britischen Abschlüssen von Nscale geht außerdem hervor, dass Nvidia im Oktober 2025 für 60 Mio. Dollar Bezugsrechte auf mehr als 157.945 Nscale-Aktien erworben hat. Separat verpflichtete sich Nvidia, Leasingverbindlichkeiten von Nscale für eine Anlage im texanischen Ward County in Höhe von bis zu 860,3 Mio. Dollar zu garantieren.
Nvidia-CEO Jensen Huang sagte im April öffentlich, Unternehmen wie CoreWeave und Nscale hätten ohne die Unterstützung von Nvidia nicht ihre heutige Größe erreicht. Die Beziehung zwischen Nvidia und Nscale beschränkt sich damit nicht auf den Verkauf von Chips, sondern umfasst auch Eigenkapitalinvestitionen, Finanzierungsvereinbarungen und Leasinggarantien.
Diese Verbindungen werfen zugleich eine grundsätzliche Marktfrage auf: Wie viel des Wachstums im KI-Infrastruktursektor beruht auf einer tatsächlichen Nachfrage von Endkunden nach Rechenkapazität, und wie viel wird durch Finanzströme innerhalb der Lieferkette gestützt? Nvidia kann in Kunden investieren, ihnen Kredite gewähren oder Garantien stellen, woraufhin diese die Mittel zum Kauf von Nvidia-GPUs verwenden. In einigen Fällen hat Nvidia zudem in KI-Unternehmen investiert, die Kapazitäten bei neuen Cloud-Anbietern kaufen. Für Investoren ist es daher schwierig, externe Nachfrage und feste Kundenverpflichtungen von Wachstum zu unterscheiden, das durch Finanzierungen innerhalb der Branche unterstützt wird.
CoreWeave liefert Vergleich für den Kapitalmarkt
CoreWeave ist der engste börsennotierte Vergleich für Nscale. Vor dem Börsengang im März 2025 hatte CoreWeave für 2024 einen Nettoverlust von 863 Mio. Dollar ausgewiesen. Die Umsätze waren stark konzentriert: Microsoft und ein weiterer Kunde, bei dem es sich nach allgemeiner Einschätzung um einen Nvidia-Kunden handelt, standen zusammen für 77 % der Erlöse.
CoreWeave legte den Ausgabepreis unterhalb der zuvor genannten Spanne fest und beendete den ersten Handelstag ungefähr auf dem Niveau des Emissionspreises. In den folgenden Monaten verdoppelte sich die Aktie jedoch. Das Beispiel zeigt, dass Verluste, eine hohe Kundenkonzentration und enge Beziehungen zu einem wichtigen Lieferanten eine hohe Bewertung nicht automatisch verhindern. Sie machen die Bewertung jedoch stärker abhängig vom Wachstumstempo, den Finanzierungsbedingungen und der Verlängerung von Kundenverträgen.
Das Marktumfeld für Nscale unterscheidet sich von der Situation, in der CoreWeave im März 2025 an die Börse ging. Die Diskussion über das Tempo der KI-Entwicklung und die Rendite der dafür notwendigen Investitionen hat sich verschärft. Ein Halbleiterindex verlor zuletzt an einem einzigen Handelstag fast 6 %. Gleichzeitig haben höhere Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen die Vorsicht der Anleger gegenüber defizitären Wachstumsunternehmen erhöht.
Auch der Bau von Rechenzentren stößt in mehreren Regionen weltweit auf stärkeren Widerstand aus der Bevölkerung und von politischen Entscheidungsträgern. In einigen Debatten geht es um eine Begrenzung des schnellen Ausbaus. Das Geschäftsmodell von Nscale hängt vom weiteren Bau von Rechenzentren und von umfangreichen GPU-Käufen ab. Genehmigungen, die Verfügbarkeit von Energie, Stromkosten und die tatsächliche Auslastung durch Kunden können deshalb sowohl die Erfüllung der Verträge als auch den Cashflow beeinflussen.
Nscale wird zum Test für die Nachfrage an der Börse
Nscale treibt seinen Börsengang vor den geplanten Börsengängen von Anthropic und OpenAI voran und könnte für Investoren zu einem wichtigen Referenzwert bei der Bewertung von KI-Infrastrukturunternehmen werden. Ein stabiler Ausgabepreis und eine solide Kursentwicklung könnten beeinflussen, welche Bewertungsspannen der Markt späteren großen KI-Börsengängen zugesteht. Eine schwächere Entwicklung würde frühzeitig auf die Grenzen kapitalintensiver und wenig profitabler Geschäftsmodelle am öffentlichen Kapitalmarkt hinweisen.
Der Börsenprospekt bündelt mehrere zentrale Fragen in einer Bilanz: Wie viel Kapital benötigt Nscale für den Ausbau seiner Rechenzentren? Wie viel von den Verträgen über 103 Mrd. Dollar kann tatsächlich als Umsatz verbucht werden? Und in welchem Umfang stützen die Finanzierungen und Garantien von Nvidia die ausgewiesene Größenordnung des Unternehmens? Der endgültige Ausgabepreis, die Eigentümerstruktur nach dem Börsengang und die Konzentration der Kundenumsätze werden für den Markt wichtige Kennzahlen sein.
Gemini 4 beginnt frühe Phase des Post-Trainings
Koray Kavukcuoglu, Leiter von Google DeepMind, erklärte, das nächste Spitzenmodell des Unternehmens, Gemini 4, befinde sich in einer frühen Phase des Post-Trainings und habe „vielversprechende Ergebnisse“ geliefert. Google will eine erste Version noch vor Ende dieses Jahres so schnell wie möglich veröffentlichen, hat aber noch keinen konkreten Starttermin genannt.
Für Kavukcuoglu war es der erste öffentliche Auftritt, seit er die Leitung von DeepMind übernommen hat. Gemini 4 wird entwickelt, während Google, Anthropic und OpenAI um die führende Position bei besonders leistungsfähigen KI-Modellen konkurrieren. Die Modellleistung, die Kosten der Inferenz und die Geschwindigkeit der kommerziellen Nutzung werden die Entscheidungen von Unternehmenskunden mitbestimmen.
Altman und Amodei fordern internationale KI-Sicherheitsmechanismen
OpenAI-CEO Sam Altman und Anthropic-CEO Dario Amodei haben sich getrennt voneinander vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für eine stärkere internationale Zusammenarbeit bei der KI-Sicherheit ausgesprochen. Altman schlug gemeinsame Standards zur Bewertung der Fähigkeiten von KI-Systemen und zur Messung von Risiken vor. Außerdem forderte er sichere Kanäle für den Austausch von Informationen über Bedrohungen, damit Erkenntnisse gewonnen werden können, bevor sich Vorfälle verschärfen.
Amodei skizzierte einen schrittweisen Ansatz. Am Anfang sollten Verbote bestimmter Anwendungen stehen, darunter der Einsatz von KI zur Entwicklung biologischer Waffen. Danach sollten Systeme zur Durchsetzung und Überprüfung entsprechender Zusagen folgen. Amodei sprach sich zudem für gemeinsame Teststandards und Meldepflichten bei schweren KI-Vorfällen aus. Beide Manager legten den Schwerpunkt auf Modelltests, den Informationsaustausch zwischen Regierungen und die Meldung von Vorfällen, statt sich ausschließlich auf freiwillige Zusagen einzelner Unternehmen zu verlassen.
Claude-Agenten identifizieren neues Phagen-Enzymsystem
Anthropic teilte mit, dass rund 950 Claude-Agenten 21 Stunden lang große Datenbanken mit DNA-Sequenzen durchsucht hätten. Dabei wurden mehr als 200.000 Reverse Transkriptasen geprüft und auf 20 führende Kandidaten eingegrenzt. Ein Agent identifizierte wiederkehrende DNA-Sequenzen in der Nähe eines Gens für eine ungewöhnliche Reverse Transkriptase.
Anthropic bezeichnete das System als „array-associated reverse transcriptase“ (ART), also als array-assoziierte Reverse Transkriptase. Es besteht aus drei Komponenten. Die wiederholte Sequenzanordnung ähnelt einem CRISPR-Array. Die Validierung im Labor wurde weiterhin von menschlichen Wissenschaftlern durchgeführt, und die konkrete biologische Funktion des Systems ist noch nicht geklärt. Feng Zhang, ein Pionier der CRISPR-Forschung am Massachusetts Institute of Technology und am Broad Institute, erklärte, der Fund zeige einen möglichen Weg, wie KI-Agenten an biologischer Forschung mitwirken könnten. Der praktische Nutzen müsse jedoch durch weitere Experimente bestätigt werden.
China gewinnt größeren Anteil an führenden KI-Fachkräften
Eine Tracking-Studie von Carnegie China kommt zu dem Ergebnis, dass inzwischen 69 % von mehr als 10.000 führenden KI-Forschern mit chinesischem Hochschulabschluss in China arbeiten. 2022 waren es 57 %. Die Forscher Damien Ma und Binyi Yang erklärten, der Zuwachs an Arbeitsplätzen in der chinesischen KI-Industrie und strengere US-Visabestimmungen könnten die wichtigsten Gründe für diese Verschiebung sein.
Auf Grundlage der untersuchten Stichprobe entfallen inzwischen 41 % der weltweit führenden KI-Fachkräfte auf China, gegenüber 27 % im Jahr 2022. Der Anteil der USA sank von 46 auf 34 %. Forscher mit chinesischem Hochschulabschluss stellen 57 % der gesamten Stichprobe.
Die USA halten weiterhin 89 % der Forscher, die ihren Hochschulabschluss im eigenen Land erworben haben. China kommt auf 69 %. 2025 verzeichneten die USA einen Nettozuwachs von 2.145 Forschern, während China einen Nettoverlust von 1.729 registrierte. Der Abstand bei den Talentströmen zwischen beiden Ländern verringert sich jedoch: Auf jeden Forscher mit US-Hintergrund, der in China arbeitet, kommen rund 30 Forscher mit chinesischem Hintergrund in den USA. 2022 lag dieses Verhältnis noch bei 46 zu eins.
Für Nscale bleiben Fachkräfte, Rechenkapazität und Kapital die drei Voraussetzungen für den weiteren Ausbau. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine noch nicht endgültig abgeschlossenen Vereinbarungen in Umsatz umwandeln kann und ob die von Nvidia unterstützte Finanzierung den für die Expansion erforderlichen Cash-Bedarf deckt. Diese Fragen stehen im Mittelpunkt, sobald weitere Einzelheiten zum geplanten Börsengang bekannt werden.