Quantencomputer werden für institutionelle Bitcoin-Bewertungen zunehmend zum Thema, obwohl das Netzwerk bislang keinem direkten Angriff ausgesetzt ist. Stacks-Gründer Muneeb Ali drängt auf einen glaubwürdigen Fahrplan für den Schutz vor Quantencomputern. Gleichzeitig hat Ripple die endgültige Genehmigung für eine US-National Trust Bank erhalten. Zudem hat USDC USDt beim Handel mit Euro-Stablecoins überholt, während VanEck einen Multi-Asset-ETF mit begrenztem Bitcoin-Anteil aufgelegt hat. Die Entwicklungen zeigen, wie Sicherheitsfragen, Regulierung und klassische Anlageprodukte den Kryptomarkt verändern.
Ali fordert Fortschritte bei Bitcoins Post-Quanten-Sicherheit bis 2028
Im Podcast „Chain Reaction“ von Cointelegraph sagte Ali, Bitcoin könne vor größeren Sicherheitsproblemen stehen, falls das Netzwerk bis 2028 keine substanziellen Fortschritte bei der Post-Quanten-Sicherheit erzielt. Als Ziel für den Abschluss der Umstellung nannte er 2030 und verwies auf Empfehlungen des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST). Fortschritte bei künstlicher Intelligenz könnten die technische Entwicklung beschleunigen und damit die Vorbereitungszeit verkürzen, fügte er hinzu.
Die Aufgabe beschränkt sich nicht darauf, dass sich Entwickler auf ein technisches Verfahren einigen. Selbst nach einer Entscheidung könnte die Umsetzung Jahre dauern. Bitcoin-Besitzer müssten außerdem ausreichend Zeit erhalten, ihre Coins auf quantenresistente Adressen zu übertragen. Da frühere Netzwerk-Upgrades häufig langwierig und umstritten waren, könnte der Zeitrahmen für einen Wechsel knapp werden.
In der Branche gehen die Einschätzungen auseinander, wie unmittelbar die Gefahr ist. Ali zufolge kann bereits diese Unsicherheit das Vertrauen von Anlegern belasten. Das Quantenrisiko spiele schon jetzt bei der Bewertung von Bitcoin durch institutionelle Investoren eine Rolle. US-Spot-Bitcoin-ETFs verwalten netto mehr als 104 Milliarden US-Dollar. Langfristige Sicherheitsfragen könnten jedoch die Einschätzung von Institutionen erschweren, die Bitcoin als Schutz vor einer Entwertung von Währungen betrachten. Sollte Quantencomputertechnik Bitcoins Sicherheitsmechanismen eines Tages überwinden, könnten die Folgen den gesamten Kryptomarkt betreffen.
OCC erteilt Ripple endgültige Genehmigung für Trust Bank
Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) hat Ripple National Trust Bank endgültig genehmigt. Im Dezember 2025 hatte Ripple zunächst eine bedingte Genehmigung erhalten; mit der jüngsten Entscheidung ist die letzte regulatorische Hürde für die Gründung der Bank genommen. Unter Aufsicht des Bundes soll das Institut die Reserven für den Stablecoin RLUSD verwalten, als Sicherheiten-Treuhänder für Token-Inhaber fungieren und Verwahrdienstleistungen für digitale Vermögenswerte anbieten.
RLUSD wird weiterhin von Standard Custody & Trust Company ausgegeben, die der Aufsicht des New York State Department of Financial Services untersteht. Ripple-CEO Brad Garlinghouse begrüßte die Genehmigung. Die Kryptoindustrie und Banken könnten dadurch wirksamer zusammenarbeiten, sagte er.
Circle erhielt im Juli eine vergleichbare endgültige Genehmigung. Coinbase, Crypto.com und Bridge, das zu Stripe gehört, befinden sich weiterhin im Stadium der bedingten Zulassung. National Trust Banks haben andere Befugnisse als klassische Geschäftsbanken: Sie dürfen grundsätzlich keine Einlagen entgegennehmen oder Kredite vergeben. Ihre Einlagen sind zudem nicht durch die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) versichert.
USDC kommt im Euro-Handel auf 56 Prozent
Der von Circle ausgegebene Stablecoin USDC hat Tethers USDt beim Handel mit Euro-Stablecoins überholt und ist nun Marktführer in diesem Segment. Laut einem neuen Bericht von Kaiko erreicht USDC inzwischen 56 Prozent des Handelsvolumens, verglichen mit 10 Prozent im Januar 2024. Der Wandel beschleunigte sich nach dem Inkrafttreten der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Einige große Börsen schränkten daraufhin den USDt-Handel für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum ein, um regulatorische Vorgaben zu erfüllen.
Auch bei der Liquidität hat sich die Lage auseinanderentwickelt: Die Orderbuchtiefe im Handelspaar Euro-USDC liegt inzwischen rund 40 Prozent über der von USDt. Weltweit bleibt USDt jedoch der führende Stablecoin. Sein Umlaufvolumen ist etwa zweieinhalbmal so hoch wie das von USDC.
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hat USDC als ersten „signifikanten E-Geld-Token“ der EU eingestuft. Damit unterliegt der Stablecoin zusätzlicher Aufsicht. Ob der US-amerikanische GENIUS Act eine ähnliche Veränderung der Handelsanteile auslöst, hängt laut Kaiko davon ab, wie Börsen die neuen Anforderungen umsetzen.
VanEck-ETF sieht zwei Prozent Bitcoin vor
Der Vermögensverwalter VanEck, der 244 Milliarden US-Dollar verwaltet, hat den aktiv gemanagten VanEck Wealth Builder ETF (NYSE: WBMO) aufgelegt. Der am Dienstag angekündigte Fonds investiert in ETFs von VanEck und anderen Anbietern. Er kombiniert traditionelle Aktien und Anleihen mit Sachwerten und einer kleinen Bitcoin-Beimischung.
Der angestrebte Bitcoin-Anteil beträgt zwei Prozent; tatsächlich kann er zwischen einem und fünf Prozent liegen. WBMO hält keine Bitcoin direkt, sondern erhält das Engagement über börsengehandelte Spot-Bitcoin-Produkte. Mit dem neuen ETF bündelt VanEck seine bestehenden Wealth-Builder-Modellportfolios in einem einzigen Fonds.
David Schassler, Leiter des Bereichs Multi-Asset Solutions bei VanEck, sagte, das traditionelle 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen sei für ein anderes Anlageumfeld konzipiert worden. Sachwerte könnten ein breiteres Spektrum wirtschaftlicher Bedingungen abdecken; Bitcoin sei nun mit einer begrenzten Gewichtung Teil des Ansatzes. Das Bitcoin-Engagement erhalten Anleger über börsengehandelte Produkte und nicht durch den direkten Besitz der Kryptowährung.